Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

Die Republik der Zweifel

Lars Rambergs Projekt »Palast des Zweifels« ist zwar schon vor ein paar Wochen vom Dach des Berliner Palast der Republik entfernt worden, aber passt trotzdem gut in die augenblickliche Lage der Berliner Republik. Wir durchleben Wochen des Zweifels. Ist die rot-grüne Ära vorbei? Wie wird unser Super-Horst in der Frage der Neuwahlen entscheiden? Wurde durch die etwas dubiose Vertrauens-/Mißtrauensprozedur gar das Grundgesetz beschädigt?

Auch der scheinbar so sichere Ausgang der Bundestagswahl, wenn denn nun eine stattfinden sollte, ist voller Zweifel. Ich mag noch nicht so recht das Ende von Rot-Grün einleiten, und auch nicht ob der Aussicht auf Merkel/Westerwelle/Stoiber lamentieren. Dazu wird dann noch Zeit und Raum sein, wenn es notwendig wird.
Die neue, so genannte Linkspartei, bringt Bewegung in die politische Landschaft, grast der gute alte Oskar doch mit einer großen politischen Wundertüte, in der neben ein bißchen Attac auch ein Grasen im Stimmengewinn versprechenden Reservoir des rechten Populismus zu finden ist (Junge World: »Oskar für alle«), die Weiden der Volksparteien ab. Ein interessantes Szenario: CDU/CSU und FDP schaffen keine Mehrheit gegen SPD, Grüne und Liste Oskar, letztere drei können aus naheliegenden Gründen aber auch nicht zusammen gehen. Dann dräuen neue Konstellationen am Horizont, große Koalition oder eine Ampel. Spannende Zeiten!

Die Worte der Woche hat aber niemand anders als Joschka Fischer bei der Vertrauensfrage-Debatte am Freitag gesprochen (zitiert nach dem inoffiziellen Protokoll des Bundestags). So möchte ich das hören, kein Weltuntergangsgejammer! »Schmierstoff – was man bei diesem Wort doch für Assoziationen hat! [An die CDU gerichtet, RG] Ich kann Ihnen nur sagen: Sie mögen zwar für sich beanspruchen, die bessere Alternative zu sein. Aber Sie sollten nicht auf dem hohen moralischen Ross dahergetrabt kommen; denn angesichts der Schmiergeldaffären, die Sie zu verantworten haben, wäre es ein schändlicher Esel! […] Sie haben schon einmal Möbel bestellt, die Bilder waren auch schon geordert, aber es ist nichts geworden. Also schauen wir einmal! Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle Chancen haben, wenn wir kämpfen – und das werden wir –, zu gewinnen und nicht zu verlieren.«

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