Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.

Allgegenwärtiger Zufall

Momentaufnahme

Ein Nachtrag zum Berlin-Trip vorletzte Woche. In Berlin kann man der Apple-Werbung für den iPod shuffle nicht entrinnen, sie ist quasi allgegenwärtig, egal ob quadratmetergroß an Häusern oder als leuchtende Dekoration am Bauzaun. Das habe ich in Wiesbaden oder Frankfurt bisher noch nicht gesehen, die hippe Zielgruppe ist wohl nur in Berlin verortet. Die Bilder wurden übrigens aus einem fahrenden Bus aufgenommen und sind daher ein bißchen merkwürdig. Überhaupt, der Zufalls-Modus. Darüber hatte ich kürzlich schon einmal problematisiert. Man kann mit einiger Plausibilität die These vertreten, dass die Reihenfolge eines musikalischen Gesamtwerkes, eines Album, oder gar eines Mixtapes, eine Rolle spielt und mit Bedacht so gewählt wurde. Somit zerstört das zufällige Abspielen von Stücken, in einer Reihenfolge, die ein Algorithmus sich mit der ihm eigenen kalten Computerlogik »ausgedacht« hat, einen Teil des Gesamtwerkes. Liebevoll zusammen gestellte Mixtapes werden obsolet, da die Beschenkten selbiges in ihre digitale Zufallsmaschine werfen. Symptomatisch die Erfahrung von MP3-Blogger calistan: »I’m wounded. I made a mix CD for a good friend for her birthday and I sent her an email last week asking if she liked it. Her response was, “I’m a bad friend, I haven’t gotten around to putting it in my IPod yet so I haven’t been able to listen to it.”
Wrong answer. I once predicted a relationship was headed for ruin the day I saw a mix tape I made for a girl on the floor of her car covered in mud. It was like reading the bones.«
Ich kann mir das lebhaft vorstellen, wie der arme Kerl an der Reihenfolge der Stücke gefeilt hat, die Dramaturgie des Mixes immer wieder umgeworfen hat, nur um dann so eine Antwort zu bekommen. Harte Zeiten, um eine Message musikalisch rüber kommen zu lassen. ;-)



2 Kommentare



Anobella am 24.03.2005:


an die hippe zielgruppe in wiesbaden wird seit jahren gedichtet: wir buddeln für Sie, damit Sie in der fußgängerzone bummeln können.
seit jahren kann man deswegen durch durch die fußgängerzone bummeln. nachdem das herzstück (der fußgängerzone) letztes jahr durch den umbau des karstadt nicht zu ertragen war, wird dieses jahr an der GEFÜHLTEN gleichen stelle (nämlich vor dem karstadt) der platz umgebaut. su-per. wieder eine baustelle, wieder krach, lärm, nicht-auszuhaltendes: wahrscheinlich wieder bis september, bis keine sau mehr hinwill.
anobella (winkt ab)

zzz am 2005-03-25 15:13:24 +0100:

zz