Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Weblogtalk

Beruf: Blogger - II

»Beruf: Blogger?« hat ja ordentlich Feedback bekommen, besten Dank dafür! Die Mehrheit ist der Ansicht, dass es gerade in Deutschland dem Blogger nicht möglich ist, vom Weblog und seinen Lesern zu leben.

Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist der Blogbeitrag von Oliver, er stellt in »Der Blogger als Freiberufler« die Frage: »Wie verdient man Geld als Blogger?« Oliver verfügt über hinreichende Erfahrung mit Wort-Arbeitern (und das sind Blogger ja letztendlich) auf den traditionellen Feldern. Die Antwort: Geld verdienen mit dem, was Blogger außer Bloggen, oder eben mit bloggigen Dingen rund um das eigentlich Bloggen, noch so können: Woanders Schreiben, Coachen, Vorträge halten, Inhaltliche und technische Blog-Hilfestellung. Ein Weg? Der einzig mögliche in Deutschland?

Eine andere Konstante bei der Einschätzung der Kottke-Geschichte, die sich auch aus einigen Kommentaren bei mir heraus hören lässt, ist die Sache mit dem Wert des gebloggten Wortguts. Das ist verständlich, denn Was bekomme ich für mein Geld? oder Ich zahle, ich bekomme was dafür sind die Uraxiome unserer kapitalistischen Ordnung. Im MetaFilter z.B. war ein Kommentator der Ansicht, das Kottkes Blog keine 30$ im Jahr wert sei. Kottkes Blog ist also nach Einschätzung dieses Kommentators weniger Wert als etwa 7 Schachteln Zigaretten im Jahr. Blogs als Speerspitze des Personal Publishing haben keinen Wert. Jeremy hat das hervorragend auf den Punkt gebracht : »I have the sneaking suspicion that the begrudgers at MetaFilter don’t recall a time before blogs. They appear to be fixated on the quality of links provided at Kottke.org. Trapped in a prison of their own making, they are incapable of looking past the walls of blogs to see the possibilities dawning on the horizon of personal publishing.«

Noch zwei Links zum Thema:

Ich denke, das Thema bleibt spannend. Und eines Tages werde ich zumindest Halb-Profi-Blogger, das ist Fakt, verehrte Zielgruppe. ;-)



4 Kommentare



dee am 26.02.2005:


Ich bin sicher, Jasons Blog wird sich verändern. Wie sich immer alles verändert, wenn man es gegen Geld tut. Weil der Kühlschrank ruft, der Vermieter, weil man eine fremde Seite am vormaligen Hobby sieht, wenn man ganztägig damit beschäftigt.
Wenn man der Schattenseiten der Vollzeitbeschäftigung gewahr wird und sie akzeptiert, wenn man damit leben kann, dass ein leerer Magen den liebevoll gehegten Idealismus manchmal untergräbt und man immer noch Spaß dabei hat. Dann ist das völlig in Ordnung. Der Mann hat sich den Schritt gut überlegt und irgendwann ist dann auch mal Schluss mit dem Theoretisieren und Abwägen. Dann muss man es testen – oder lassen.

Siegfried am 02.03.2005:

Ich kann mir nicht helfen, aber ich komm immer wieder auf den Begriff unique selling point.

Was ist das besondere oder vielmehr, was wird das besondere an Kottke’s oder wessen Blog auch immer, das es so einzigartig macht, dass man dafür auch bezahlen will.

Er ist ja nun einer der es ausprobiert. Aber was ist, wenn noch viele kommen und es ausprobieren. Wem soll ich dann mein Geld geben?

Ralf am 02.03.2005:

Nach persönlicher Neigung, Siegfried, so wie man aus dem schier unglaublichen Angebot an Printwerken nur das käuflich erwirbt, das man lesen möchte. Ich weiß, der hinkt etwas, dieser Vergleich. ;-)

Der “unique selling point”? Der Blogger selbst ist es, zumindest in seiner eigenen Wahrnehmung. Wer sich und sein Bloggen verkaufen will, einfach so, als Leistung die man sowieso bekommt, egal ob man als Leser oder Leserin zahlt oder nicht, muß über ein derart ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügen, dass ihn in der Selbstwahrnehmung als das erscheinen lässt, was Du als “unique selling point” bezeichnest. Die wahrhaft spannende Frage daran ist, ob das andere auch so sehen. Im Falle des “Profibloggers” sogar eine existenzielle Frage!

Olaf am 2005-03-26 21:20:48 +0100:

Zunächst mal: ich denke es heißt “Unique Selling Proposition”. In der Marketing-Theorie bezeichnet das das einzigartige Kundenversprechen eines Produktes (im weiteren Sinne). Aus der Sicht der Micropatrons kann das ja zutreffen, wenn es auch objektiv nicht leicht nachzuvollziehen ist. Micropatrons versprechen sich etwas davon, wenn sie $30 spenden: die einen, eines der Geschenke zu erhalten, die anderen, auf Kottke namentlich zu erscheinen. Vielleicht spenden einige auch in der Hoffnung, das gleiche würde einmal bei ihnen funktionieren. Oder einfach nur, weil sie Kottke und seine Arbeit lieben. Gleichwohl haben alle eines gemeinsam: eine echte Gegenleistung haben sie mit ihrer Spende nicht erworben, nur die Hoffnung darauf.