Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Internet Denken

Analoges Bloggen

Ein interessanter Ansatz, ein digitales Medium (das Weblog) kehrt zurück zu seinen analogen Wurzeln (die im klassischen Tage- oder Logbuch liegen):

Fred On Something: »Analog Blog. Organize your Moleskine notebook as a blog.«
(Via Moleskinerie).

Fred (wenn der Autor tatsächlich so heißt, mir war es nicht vergönnt, einen vollständigen Namen zu finden) elaboriert seine Idee en detail, bis hin zu Metadata und Kommentaren ist alles drin und alles dran. Das ist mal etwas anderes, musste umgehend mal probiert werden, s. Abb. oben. Macht sogar Spaß! Ins Auge fällt ein gewaltiger Haken des analogen Bloggens, die Krücke der Technik fehlt, gleich mal das falsche Datum drüber geschrieben …
Kommentare gibt es auch in Freds System, die muß man sich natürlich selbst schreiben, im Kontext des klassischen Notizbuchs würde man von Anmerkungen reden.
Damit nichts fehlt, muß man sich den Kommentarspam halt selbst rein schreiben in das analoge Moleskine-Blog:

Nun mag man mit Recht einwenden, dass diese Idee ein ziemlicher Unfug ist. Wurde auch eingewandt, und führte zu einer Reaktion des Autors. Das Weblog ist die einzige originäre Medienform, die das Web hervor gebracht hat, es erscheint mir daher relativ sinnlos, das Konzept Weblog auf Papier zu übertragen. Andererseits kann man das klassische Notizen machen mit Elementen aus Weblogs bereichern. Metadata oben in der Ecke verwende ich mittlerweile tatsächlich intensiv in analogen Notizen.



7 Kommentare



Guntram am 2005-02-03 10:05:04 +0100:


Wozu man(che) alles Zeit hat(haben), ist oft schon überraschend

Ralf am 03.02.2005:

Tja, Guntram, die Sache mit dem “Zeit haben” wäre schon einen eigenen Eintrag wert. Man kann heute schon aus Prinzip keine Zeit haben. Stell’ Dir vor, ich sage, “Och, ich habe Zeit”. Ich bin nicht ausgelastet, negiere die ökonomischen Zwänge der Globalisierung, bin ein Loser, Hartz-Kandidat – erfolgreiche wertvolle Mitglieder der Gesellschaft haben keine Zeit. Punkt.

Dabei steckt hinter “keine Zeit” meistens nur eines: “Schlechte Organisation” oder “keine Lust”.

jtp am 2005-02-03 16:32:32 +0100:

für junge Leser: das gab’s tatsächlich schon mal, früher nannte man sowas »Tagebuch«. Nicht genug damit, es gab auch eine interaktive Variante, quasi ein analoges Gemeinschaftsblog, das »Poesiealbum«!

BTW: es ist schon faszinierend, wie Moleskin es schafft, ein banales Notitzbuch zum teuren Kultartikel zu machen.

andreas am 03.02.2005:

Nett. Aber ich lobe mir die digitalen. Bis man bei den analogen die Schrift entziffert hat… ;)

rico am 04.02.2005:

der blog kehrt zu seinen wurzeln zurück und nimmt sich gleich eine erweiterung in form von metatags aus der technik von heute mit – ich finde die idee super! mit soetwas ist man schließlich aufgewachsen… ;o)

Florian am 05.02.2005:

Ich finde die Idee auch sehr nett. Das Zeit-Argument ist etwas öde, da manche ja auch mit digitalen Logs sehr viel Zeit verbringen :) Gerade die Idee mit dem einheitlichen Format für Verweise, Kommentare und Kategorien gefällt mir gut.

Heiko am 08.02.2005:

Da hätte ich auch noch was zum Thema:
http://www.analoge-welt.de/