Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.

Interpol - Obstacle 1 / Obstacle 2

Liedgutderwoche Musik

Interpol
Obstacle 1 / Obstacle 2
Album: »Turn On The Bright Lights« – 2002

Da es letzte Woche kein Liedgut gab (ich Schlamper!), gibt es diese Woche eine Doppelausgabe – eine Band, zwei Titel, zumal die beiden Stücke irgendwie zusammen gehören.

Im Windschatten der Strokes dringen allerlei Töne aus New York City ins alte Europa hinüber – Bands wie Radio 4, Nada Surf, und natürlich Interpol. Jeglicher Text, der Interpol den Ohren des geneigten Publikums näher bringen möchte, bemüht Remineszensen an Joy Division (was vom Sound her ein wenig hinkommen mag) und den Smiths (was in meinen Augen fast schon ehrenrührig ist). Interpol bieten einen Sound, der ebenso perfekt gestylt ist wie ihre dunklen Anzüge, mit denen sie sich bevorzugt im öffentlichen Raum aufhalten. Die Kunst, die Interpol beherrschen, ist es, trotz penibel gestylter Klangstrukturen die emotionalen Botschaften zu transportieren, ohne die Rockmusik keine Seele hat und zum bloßen Handwerk verkommt, oder, wie es der LAUT.DE-Biograf ausdrückt: »Stramm stehende Depressionen schweben über die Leichen des britischen Post-Punk und bleiben dabei rätselhaft an Melodien kleben, während ein Ian Curtis-Klon stilvoll gebrochen über die Leiden der Zwischenmenschlichkeit singt.«

Durch die NYC-Welle kam letztes Jahr »Turn On The Bright Lights« zu mir. Zunächst gefiel mir die Scheibe nicht übermäßig gut, aber je öfter ich sie hörte, desto mehr bohrten sich die filigranen Klangstrukturen in mein Ohr. Vor kurzem erschien übrigens das zweite Album von Interpol, »Antics«.

Die Songs der Woche drehen sich (schon wieder ;-)) um die Hindernisse (engl. Obstacle) auf dem Weg zum Glück, das landläufiger männlicher Meinung nach beim ewig lockenden Weibe zu verorten ist. Nichterfüllung resultiert im traurigen Sange, die Rockmusik lebt davon (Lyrics Obstacle 1): »It’s different now that I’m poor and aging, I’ll never see this face again, You go stabbing yourself in the neck« Und in rätselhaften Botschaften (Lyrics Obstacle 2): »Friends don’t waste wine when there’s words to sell«

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