Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Liedgutderwoche Musik

The Libertines - Music When The Lights Go Out

The Libertines
»Music When The Lights Go Out«
Album: »The Libertines« – 2004

Niemand, der die britischen Gitarrenrocker The Libertines ein wenig beobachtet hat, hätte wohl damit gerechnet, zwei Jahre nach dem grandiosen »Up The Bracket« mit »The Libertines« ein neues Album in den Händen halten zu dürfen. Die Libertines sind in erster Linie das Gesangs-, Gitarren- und Songwriterduo Pete Doherty und Carl Barât. Nach dem Erfolg des ersten Albums begannen die beiden sich öffentlich zu streiten, und Pete Doherty verfiel übelst den Drogen, saß im Knast, weil er in die Wohnung eines Bandmitglieds eingebrochen war, usw. usw. Die Nachrichtenübersicht zum Thema bei laut.de dokumentiert das ganze Theater vortrefflich.

Ich war sehr gespannt auf das zweite Album. Zweite Alben sind immer so eine Sache, die Erwartungen nach einem “Hammer-Erstling” steigen gewaltig an, und oft lauert die Enttäuschung im runden Aluminium. Umso schöner, wenn man, wie bei The Libertines, ein erstauntes “Wow!” in die Stille nach dem ersten Anhören werfen kann. Sie sind ein wenig ruhiger geworden, aber die Songs sind derartig gut, dass sie auch mehrfaches Hören überleben, ohne fad zu werden.

Ein Highlight des Albums ist das melancholische »Music When The Lights Go Out«, wie fast alle großen Pop- und Rocksongs ist auch dieser Kriegsberichterstattung vom großen Schlachtfeld der Gefühle (Lyrics): »Well I no longer hear the music when the lights go out
Love goes cold in the shades of doubt
The strange face in my mind is all too clear
Music when the lights come on
The girl I thought I knew has gone
And with her my heart it disappeared«
Wenn man diesen Zeilen voller bittersüßer Melancholie ergriffen lauscht, unprätentiös dargeboten von den vier wilden Jungs aus London, dann fragt man sich ein weiteres Mal, wie es möglich ist, dass (fast!) die ganze Weisheit des Lebens in ein paar Minuten Musik zusammengefasst werden kann. Das muß an der schlichten Konfiguration des Menschen an sich liegen. ;-)

Libertines-Links: