Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Internet

taz-Interview mit Lawrence Lessig

Die taz interviewt Lawrence Lessig, Kopf des »Creative Commons«-Projekts und Rechtsgelehrter zur Problematik der Bemühungen der Medienindustrie, das Internet unter der Knute des Urheberrechts in ihren Würgegriff zu nehmen. Lessigs Meinung ist es, dass das Internet ein freies öffentliches Gut sein müsse, wenn dadurch die Medienindustrie Einbußen hinnehmen muß, wäre das gesamtgesellschaftlich betrachtet nicht weiter tragisch. Zitat: »Man wird niemals einen Fortschritt erreichen, solange man es nicht schafft, zwei sehr mächtige Akteure gegeneinander antreten zu lassen. […] Die Rechteindustrie bei uns setzt im Jahr etwa 80 Milliarden Dollar um. Die Industrie, die die Hardware bereitstellt, […] liegt bei 750 Milliarden Dollar. Also gehen wir zu denen und sagen: Seht mal, ihr habt eine Menge zu verlieren in dieser Auseinandersetzung, und ihr müsst euch endlich besser organisieren. Denn die Gegenseite ist sehr gut organisiert. Für die Gesellschaft ist es viel wichtiger, dass die 750-Milliarden-Industrie weiter wächst als die 80-Milliarden-Industrie.« Und zu seinem eigenen Berufsstand, den Rechtsgelehrten, und ihrer Rolle als Erfüllungsgehilfen der Medienindustrie: »Es gibt einen kulturellen Widerstand, sogar einen Unwillen unter Rechtsanwälten, die Bedeutung von Technologie anzuerkennen. […] Sie reklamieren vollständige Autonomie für sich und sind nachgerade stolz darauf, von Technologie keinerlei Ahnung zu haben. Man muss den Rechtsanwälten wieder Bescheidenheit beibringen.«

Lesen: taz – »Das erinnert mich an die Sowjetunion«