Oktober 2006

BarCamp-Notizen

Weblogtalk Ontour

Mittlerweile sind wir schon mitten im zweiten Tag des BarCampBerlin.

Was gab es am ersten Tag noch im Programm?

Eine Session, die sich der Frage widmete: »Warum verwenden noch nicht alle Webstandards?« Erwartungsgemäß konnte diese Frage nicht schlüssig beantwortet werden, mangelnde Fortbildung der Coder, tabellenlastige unsaubere Industrie-CMS und Ignoranz der Agenturen wurden als Schuldige ausgemacht. Lösung: Mehr Publicity für Web-Standards. Web-Krauts, übernehmen. ;-)

Eine gut besuchte Session widmete sich der Frage, wie man in den Fluten der benutzererzeugten Inhalte in den Zeiten des Web 2.0 zwischen »gut« und »schlecht« unterscheidet: »Dr. Signal Mr. Noise«. Ergebnis war: Es ist schwierig. War auch so zu erwarten, denn diese Sessions dienen schließlich dem Gehirnsturm.

Außerdem besuchte ich noch zwei Sessions mit unterschiedlicher Ausrichtung, aber ähnlichen Inhalten: Politik im Netz und Netzpolitik. Olli Gassner hat im Fischmarkt alles geschrieben, was dazu zu schreiben war.

Danach machte die »Rotte 2.0« Berlin unsicher, eine Death-Metal-Band tauchte auf, und am Ende war es eine Strandparty. Oh, wundersame Wandlungen 2.5!

Der heutige Sonntag begann verspätet, ein Rennen in China stand erst einmal an. Danach hielt Hans Dorsch eine Einführung in GTD. Im Rahmen der daran anschließenden regen Diskussion kam auch mein Hipster-PDA zu Ehren. Psst, der ist im Moment nur ein Lauftagebuch, aber das Prinzip zählt.

Und das BarCamp geht weiter!

Kommentarspam und kein Ende

Weblogtalk

Irgendwie hat mich ein Spammer im Visier, das Neueste: Spam bekommt eine URL-Angabe von Blogs aus meiner Blogroll, ich werde vom Spam mit Namen angesprochen, und es stehen »normale« Texte drin. Und der Spam ist technisch nicht zu fassen, daher ist nun erst einmal Kommentar-Moderation angesagt. Helfen würde wohl nur eine Neukonzeption der Kommentarfunktion.

Muss ich Textpattern wohl eher ablösen, als es geplant war, denn darauf habe ich auf die Dauer keinen Bock. Und wenn ich Dich einmal erwische, Bürschchen – suche Dir mal ein Foto von Arthur Abraham nach seinem letzten Kampf. ;-)

spam textpattern

Palast-Zweifel

Momentaufnahme

Palast der Republik
Palast der Republik im Rückbau

Es ist Sonntag, und Ihr habt ein Recht auf ein Ruinenbild! Sogar zwei. Der jüngste Besuch in Berlin musste selbstverständlich zu einem Besuch bei der sozialistischen Lieblingsruine, dem »Palast der Republik«, genutzt werden. 18 Monate liegen zwischen den beiden Bildern, und sie zeigen, dass die »Zweifel« des Palastes trotz des einst noch sonnigen blauen Himmel gerechtfertigt waren. Der Wahn, Geschichte mit der Abrissbirne zu entsorgen, wird noch ziemlich teuer werden. Und die Zukunft nach dem so genannten »Rückbau« liegt im grauen Himmel über der entkernten Ruine verborgen und bietet reichhaltigen Raum für trefflich zu lesende ausschweifende Betrachtungen.

palastderrepublik berlin rückbau

35 Jahre Büchsenwurf

Rundesleder

In dieser Woche, in der die Borussia aus Mönchengladbach lediglich ein 1:1 gegen Tottenham Hotspurs im ersten Spiel der Gruppenphase des UEFA-Cups erreichte, jährt sich eines der legendärsten Fußballspiele der Historie zum 35. Mal: Am 20. Oktober 1971 gewann Borussia 7:1 gegen Inter Mailand, von der UEFA nachträglich annuliert wg. eines Büchsenwurfs, den Robert Boninsegna mit einer oscarreifen Einlage ausnutzte und sich vom Platz tragen liess. Der Rest ist bekannt, das Spiel wurde annuliert, wiederholt, Gladbach schied aus.

Aber jenes 7:1, das war nach Meinung vieler Zeitzeugen das beste Spiel, dass jemals von einer deutschen Mannschaft gespielt wurde, mit dem legendären Doppelpass Heynckes’ mit Netzer, der dann in seinem ersten Spiel nach Verletzungspause den Ball ins Eck schlenzte. Ein Moment, in dem Günter Netzer (so die Borussia-Chronik »Die Elf vom Niederrhein«, S.56) endgültig in wenigen Sekunden (Zitat) »ein Fußballgott, ein Heiland in Unschuldsweiß, ein Erlöser aller Underdogs und Außenseiter« wurde…

Anlässlich des Jubiläums interviewt die »Torfabrik« den damaligen Schiedsrichter Jef Dorpmans der, sich bereits damals der Einmaligkeit des Erlebten bewusst, allerlei Devotionalien von jenem Abend 1971 gesammelt hat und sie stolz präsentiert. Außerdem gibt es noch ein Interview mit Hacki Wimmer, einem der damaligen Akteure.

Glorreiche Geschichte, die Gegenwart: Nächster Anlauf ein Auswärtsspiel zu gewinnen, ausgerechnet bei Hertha BSC, wo es schon traditionell eine Klatsche gibt. Die Chancen stehen gut, dass es auch Morgen wieder heisst:

»Wir fahren weit, wir fahren viel – und wir verlieren jedes Spiel.«

Andererseits: Jedes Spiel muss erst gespielt werden, vielleicht kann man ja erstmals in dieser Saison nach einem Auswärtsspiel sagen: Mein Freund ist aus Leder.

borussia mönchengladbach büchsenwurf

Adieu, mein kleiner Alturo-Server

Techkram

Da der Hoster Alturo bekanntlich den Laden dicht macht, musste ich notgedrungen mein kleines Alturo-Serverchen töten. Also: Rettungssystem booten, alle Partitionen weghauen, und mit einem beherzten dd if=/dev/zero of=/dev/hda die gesamte Festplatte mit Nullen überschreiben. Aber das ist noch nicht sicher genug, in den üblichen Foren der ganz ganz tollen klugen Linuxexperten war zu lesen (sinngemäß), dass eine Festplatte, die nur mit Nullen überschrieben wurde, von usbekischen Datenspionagespezialisten in Kältekammern, die mit Nanopinzetten die Magnetpartikel richten, ausgelesen werden könnten. Da ich mir schon lebhaft vorstellen kann, wie sie Schlange stehen werden, um meine gebrauchte Server-Platte mit all’ den geheimen Web-3.0-Projekten drauf abzugreifen, wenn Alturo das Lager räumt und die alten Server alle in eine große Schuttmulde wirft, musste also noch ein dd if=/dev/urandom of=/dev/hda her. Ah, nun fühle ich mich sicher, nehmt das, Ihr Usbeken!

Wirklich schade, dass Alturo dicht macht, denn das Serverchen (es hatte 512MB RAM, obwohl ich nur 256 gekauft hatte) war sehr zuverlässig, in den 1,5 Jahren gab es überhaupt kein Problem und 100% Verfügbarkeit. Nun bin ich auf einen größeren tolleren Server woanders umgestiegen, der genug Leistung für Web-3.0- und sogar Web-4.0-Projekte mit Rails bietet. Doppelt so teuer, versteht sich. Aber dafür nun auch mit 4804 statt 2523 Bogomips.

server linux rootserver alturo bogomips

»Bitte machen Sie Platz, digitale Bohème im Einsatz«

Webworking

Digitale Bohème

»But if you dig on vegan food
Well, come over to my work
I’ll have ‘em cook you something
That you’ll really love
‘Cos I like you
Yeah I like you
And I’m feeling so bohemian like you«
(Dandy Warhols »Bohemian like you«)

Das St. Oberholz ist ein Café in Berlin. Das Besondere: Es gibt freies WLAN (gut, das ist so besonders nicht), und diejenigen, die kein Notebook dabei haben, sind die »Unnormalen«. ;-) Es gibt ausreichend Steckdosen (grandios für Leute, die ihre Akkus immer kaputt machen, so wie ich), und viel Platz. Darum ist es ein Stelldichein der so genannten »digitalen Bohème«, die aktuell in dem Buch »Wir nennen es Arbeit« (lese ich gerade, dazu mehr, wenn ich es ausgelesen habe) definiert, analysiert und seziert wird. Auf dem Bild sieht man sie bei der Arbeit. Der Laden (kommt auf dem Bild nicht so rüber) ist voll in Apple-Hand, die Virenschleudern sind die Exoten.