Juni 2006

Zeugs

Ralle rennt

Der Rennkalender, nach Bloggerart öffentlich ;-), damit es ohne peinliche Nebeneffekte kein zurück mehr gibt:

Da ich, seit ich letztes Jahr das Laufen begonnen habe, mittlerweile die Dosis auf drei- bis fünfmal 10 bis 15km pro Woche gesteigert habe, ist Ettlingen mehr oder weniger ein Trainingslauf mit Publikum. ;-)

Aber der Halbmarathon ist schon ein stärkeres Kaliber, zumal er um 9:00 Uhr gestartet wird und ich alles andere als ein Morgengrauen-Läufer bin. Und ich habe bisher noch keine 20 km in Wettkampftempo (also, das was ich darunter verstehe, versteht sich) zurück gelegt, da müssen wir noch ein wenig drauf trainieren.

Apropos Laufen 1: Beim Laufen kann man wirklich hervorragend nachdenken, da kann ich dem Herrn Powerbook-Blogger nur zustimmen. Darum laufe ich auch, wie andernorts schon ausgiebig problematisiert, stets ohne Musik auf den Ohren. Der Flow im perfekten Gleichgewicht von Bewegung, Atmung und Gedanken wird nicht erreicht, wenn man stets auf die Musik lauscht. Es sei denn, man hört Mercedes-Mixed-Tape-Fahrstuhl-Musik, die kann man natürlich ohne Zuhören durchrauschen lassen, aber das ist meine Sache nicht.

Apropos Laufen 2: Mit laufrausch.net gibt es eine sehr hübsche Web 2.0-Anwendung auf der Basis der Google-Maps für das Teilen von Laufstrecken im Web. Mittlerweile gibt es dort auch detaillierteres Kartenmaterial, aber bisher habe ich noch vor dem »Gefummel« in dem kleinen Kartenfenster zurückgeschreckt. Aber nichtsdestotrotz eine gute Idee 2.0, da kann etwas draus werden. Und eines Tages, wenn ich mental zu Fummelorgien aufgelegt bin, werde ich mal meine Killerstrecke in den Wiesbadener Weinbergen eintragen. ;-)

laufen ettlingen karlsruhe halbmarathon

Rundesleder Momentaufnahme

Verfallende Historie: Das Stadion an der Telegrafenkaserne

KFV-Stadion Mitten in Karlsruhe verrottet mit dem »Stadion an der Telegrafenkaserne« des Karlsruher FV einer der historischen Orte des deutschen Fußballs. Ich habe es besucht, natürlich mit Kamera, das Ergebnis ist einem flickr-Set zu bewundern.

Der Karlsruher FV, 1891 gegründet, war einer der ruhmreichen Vereine der Frühgeschichte deutschen Kickerwesens. 1905 wurde das »Stadion an der Telegrafenkaserne« gebaut und war damals eines der modernsten in Deutschland. Während sich die Kicker an anderen Orten der frühen Fußballkunst nach getaner Arbeit an Waschschüsseln waschen mussten, gab es in Karlsruhe Wannen mit fließendem Wasser und entspannende Unterwasser-Massagen!

1910 wurde der KFV Deutscher Meister, im Jahr zuvor übrigens mit Phönix Karlsruhe der Lokalrivale und Vorläuferverein des heutigen Karlsruher SC. Der KFV hatte zu dieser Zeit mit Fritz Förderer, Gottfried Fuchs und Julius »Juller« Hirsch den gefährlichsten Sturm Deutschlands. Alle drei waren Nationalspieler, und Gottfried Fuchs hält mit 10 Toren in einem Spiel, erzielt beim 16:0-Sieg Deutschlands gegen Russland während der Olympischen Spiele 1912, den bis heute gültigen Rekord für deutsche Nationalspieler. Dieser Rekord wurde übrigens auch international erst 2001 überboten.
Berühmt wurden Fuchs und Hirsch aber weniger für ihre fußballerischen Heldentaten, sondern weil sie als Juden vom DFB in vorauseilender Anbiederung an die Nationalsozialisten 1933 aus allen Länderspiel-Statistiken gestrichen wurden (vgl. diesen Artikel von Hans Wille). Fuchs war schlau genug, rechtzeitig auszuwandern, Juller Hirsch blieb in Deutschland und wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Der DFB tat sich lange schwer mit der Aufarbeitung dieses dunklen und ruhmlosen Kapitels, erst in jüngster Zeit tat sich etwas in Sachen Aufarbeitung.

Und, um wieder die Kurve zum Stadion zu bekommen, in diesem Stadion rannten diese drei legendären Helden der deutschen Fußballgeschichte dem Ball hinter her. Ein historisches Länderspiel gab es auch an der Telegrafenkaserne, hier gelang der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit einem 1:0 über die Schweiz am 4. April 1909 vor 7.000 Zuschauern der erste Sieg in einem Länderspiel überhaupt.

Am Anstosspunkt

Haupteingang

KFV-Stadion: Die namensgebende ehemalige Telegrafenkaserne

KFV-Stadion: Blick auf die Haupttribüne

Aber die glorreichen Zeiten Karlsruher Fußball-Historie liegen fast 100 Jahre zurück, im Oktober 2004 fand der einst ruhmreiche Klub in den Niederungen der unteren Amateurligen ein ruhmloses Ende mit einer prosaischen Insolvenz. Seitdem rottet das Stadion an der Telegrafenkaserne vor sich hin.

Die meisten Zuschauer fanden sich an der Telegrafenkaserne am 19. Juni 1949 beim Wiederholungsspiel im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft zwischen Offenbach und Worms ein: 35.000 (lt. dieser Quelle). Wenn man in dem Stadion heute steht, kann man sich kaum vorstellen, wo die einst alle Platz gefunden haben. Die reguläre Kapazität war 4.000 Zuschauer, auch wenn sich in den Niederungen der Amateurligen manches mal gerade noch 20 einfanden…

Wie man dem Stadtwiki entnehmen kann, soll auf dem historischen Grund ein Seniorenheim errichtet werden. Darum, wenn Euer Freund aus Leder ist und Ihr mal in Karlsruhe seid: Werft einen Blick auf das alte Stadion an der Telegrafenkaserne, Ihr findet es in der Hertzstraße.

Mein Freund ist aus Leder.

fußball karlsruhe kfv telegrafenkaserne

Mac Ontour

MacExpo #4

Und schon ist es wieder so weit – die MacExpo zu Kölle öffnet wieder ihre Pforten, und als anständiger Apple-Fanboy bin ich natürlich, wie auch schon in den Jahren 2004 und 2005 (flickr-Set aus dem Jahre 2005), am Samstag wieder vor Ort und mitten im Treiben der neugierigen Massen. Natürlich bin ich von der wahrscheinlich illusorischen Vorstellung beseelt, mal ein Blick und einen Klickfinger auf ein neues MacBook oder MacBook Pro werfen zu können. Mal sehen, was am Samstag los sein wird.

Gestern wurde die MacExpo bereits eröffnet, es wurde darüber gebloggt, z.B. beim Cyberbloc, beim Blog der Macwelt und, natürlich, bei den bewährten Kräften von Mac-Essentials, die Impressionen vom ersten Tag auf Video gebannt haben.

mac macexpo macexpo2006

Weblogtalk

Ein Webmontag mit Tumblelogs

Heute (Montag, 19. Juni 2006) ist, trotz Fußball-WM, wieder einmal Web-Montag in Frankfurt. Dieses Mal halte ich einen Vortrag zum Thema »Tumblelogs«, bekanntlich ein »heißes« Thema. Darum passt das Wetter auch hervorragend.

Für alle TeilnehmerInnen und sonstige InteressentInnen gibt es hier die Präsentation zum Download, obwohl sie ohne den dazugehörigen Vortrag eher weniger Sinn macht. Aber die Leute wollen nun einmal Präsentationen »downloaden«. ;-)

Vortrag »Back to the blogging roots«, oder: Von Obstsalat und Tumblelogs

Links zu im Vortrag erwähnten Sites:

Weblog-Historie

Exkurs: Jorn Barger

Tumblelogs

webmontag webmontag060619 tumblelogs

Internet

Freenode wurde gekapert

Gemäß dieser Geschichte wurde unser aller Lieblings-IRC-Netz Freenode von einem Bösen gekapert.
Der Böse spielte das beliebte DCC SEND-Spielchen, das diverse so genannte »Personal Firewalls« unter Windows dazu bringt, die Verbindung zu trennen. Und es steht nun der Verdacht im Raum, dass der Böse in den Besitz zahlreicher Passwörter von Usern, die sich am Nickserv authentifizieren wollten, gekommen ist. Wenn Ihr Euch also in dem im Artikel erwähnten Zeitraum angemeldet habt, solltet Ihr darauf achten, dass das Passwort für den Nickserv keines ist, dass auch woanders irgendeinen wichtigen Dienst in den wilden Weiten des Webs schützt.

freenode

Gtd Mac

Luther, die Konzentration und der Blockwriter

Martin Luthers Schreibtisch Martin Luther übersetzte im Jahre 1521 in gerade einmal 11 Wochen das Neue Testament ins Deutsche. Das Bild zeigt das Zimmer auf der Wartburg, das sie uns Touris als jenes verkaufen, in dem Luther seine herkulische Fleißarbeit weiland vollbracht haben soll. Der Stuhl ist definitiv ein Fake, den hat im 19. Jahrhundert jemand da rein gestellt. Ist aber im Prinzip egal, denn betrachten wir Luthers Arbeitsplatz einmal unter dem GTD-Aspekt (wer hätte gedacht, dass der gute alte Luther am neuzeitlichem »whatsonyourdesk«-Mem teilnimmt), so finden wir hier eine ideale Arbeitsumgebung: Eine klar definierte Aufgabe, keine ablenkenden Gadgets, dank der praktischen Reichsacht keine Veranlassung, in der Weltgeschichte rum zu reisen – kurz und gut: Der Mann wusste, was zu tun war, er konzentrierte sich auf seine Aufgabe und erledigte sie.

Das hätte er nicht geschafft, wenn er einen Computer benutzt hätte. Er hätte Tage darauf verwendet, die »Connectivity« auf der Wartburg einzurichten, hätte dann, sobald er online mit dem Reich verbunden gewesen wäre, während der Arbeit ständig Rückfragen per IM und/oder E-Mail von seinem Kumpel Melanchthon empfangen, hätte zwischendurch einmal bei reichsacht.de nachgeschaut, ob er immer noch die Nummer 1 auf der Liste ist, und hätte in Google nachgeschaut, ob schon einmal jemand ein Stück Neues Testament übersetzt und in seinem Blog drüber etwas geschrieben hat. Wie man es auch betrachtet: Luther hätte länger gebraucht. Sein Glück, dass es noch etwa 430 Jahre dauern sollte, bis es so etwas wie Computer geben würde…

Wir, die Notebook-Nomaden des 21. Jahrhunderts, deren Scriptorium die ganze Welt ist, die es mit schlauer Technik geschafft haben, fast überall mit alles und jedem verbunden zu sein, haben ein gewaltiges Problem: Wir verlieren die Fähigkeit zur Konzentration auf die eigene Aufgabe. Unsere Rechner können zwar eine Menge Dinge gleichzeitig machen, wir aber nicht.

Diese Beobachtung machte auch Khoi Vinh, Autor des famosen Weblogs »Subtraction«. In einem Artikel zu dieser Beobachtung propagiert er die gute alte mechanische Schreibmaschine als Ausweg aus diesem Dilemma. Aber, ganz Kind des 21. Jahrhundert, natürlich nicht als Hardware, sondern als Software. Er wünscht sich einen Editor, der den »Rest« des Rechners abklemmt, und der keine Editor-Funktionen mehr hat, sondern einfach nur den Text entgegennimmt, eben wie eine Schreibmaschine: Der »Blockwriter«. Also der etwas absurde Versuch, das durch Technik verursachte Problem durch Technik zu lösen, statt das eigentliche Problem anzugehen: Die mangelnde Fähigkeit zur Konzentration auf eine Aufgabe.

Erstaunlicherweise hat bisher noch kein Entwickler diese Idee aufgegriffen. Wenn man einmal die seltsame Idee der »Schreibmaschinen-Funktionalität« außen vor lässt, ist aber ein Gedanke gar nicht so verkehrt: Das Schreibprogramm so zu öffnen, dass man das andere Zeug auf dem Schirm des Multitasking-System nicht sieht, sondern wie in guten alten DOS-Zeiten, seinen Text (und nur seinen Text) vor sich hat. Auch unser aller GTD-Halbgott Merlin Mann hat sich darüber schon seine Gedanken gemacht und eine etwas hanebüchene Lösung vorgestellt. Auf dem Mac gibt es allerdings schon diverse Programme, die diese Funktionalität vernünftig anbieten (absteigend nach Preis sortiert ;-)):

WriteRoom ist das neueste Projekt dieser Art, zur Zeit noch frei erhältlich. Für Khoi Vinh geht der Ansatz von WriteRoom noch nicht weit genug, und er propagierte seine Idee mittlerweile sogar im britischen Guardian. Man darf gespannt sein, ob es die Software-Schreibmaschine jemals geben wird. Es ist eigentlich absurd, ein technisches Problem durch mehr Technik lösen zu wollen. Wenn wir etwas von Luther lernen können, dann das: Konzentration auf die Aufgabe hilft. Das neue Testament in 11 Wochen zu übersetzen. Oder einfach »den Job« geregelt zu bekommen…

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