März 2006

Der Frühling kommt!

Momentaufnahme

Spur des Frühlings Zur Erbauung in diesen ewigen weißen Zeiten des Schneefalls ein wenig unmotivierte Naturfotografie, gestern in Karlsruhe gesehen. Wird wirklich Zeit, dass das mit dem Winter aufhört, ich bin sowieso kein Freund davon. Im Interesse der guten Sache ( = Vertreibung des Winters) verstoße ich gerne mal wieder gegen das 12. Gebot, das da lautet: »Du sollst Deine Blogleser nicht langweilen mit Bildnissen Deiner Kinder, Deiner Haustiere und unmotivierten Lichtbildern von Pflanzen.« ;-)

krokus karlsruhe frühling

Tumblen beim P.K.K.

Weblogtalk

Nach der Erkenntnis, auf halbgare Rails-Skripte zu verzichten, wurde der Editor angeworfen und ein Tumblelog mit SQLite und good old PHP geschrieben. Ich wollte sowieso schon immer mal SQLite mal in einer real world application testen. Und es wurden gleich zwei Damen mit Hang zum Tumblen dienstverpflichtet, und das Resultat, meine Damen und Herren: P.K.K. – Purzel-Kollektiv Kübelreiter.

Und übrigens, Herrschaften: Wenn man sich berühmte Tumblelogs anschaut kann man nicht ernsthaft behaupten, ein Tumblelog wäre eine Linkspalte im Weblog. Wir müssen schon ernsthaft distinguieren in der Weblog-Wissenschaft, sonst wird das nix mit der zwölfbändigen »Kleinen Weblogkunde«… ;-)

tumblelog weblogs

Der Freund aus Leder ist betrübt

Rundesleder

Sich für Fußball zu interessieren, ist derzeit kein Spaß. Alles wird thematisiert, nur nicht das, worum es eigentlich gehen sollte: Das Spiel auf dem Rasen. Das liegt an der Armada der Geschäftemacher und Egomanen, die sich rund um den Fußball tummeln. Und an der dämlichen Wetterei, die sowieso durchgehend verboten gehört, man sieht ja, wo das hinführt.

Was haben wir denn da alles? Noch einen Wettskandal, der Bayern-Arzt und die Nanoteilchen. Nanogröße haben auch ihre Eier, wie der Nationaltorwart Olli K. immer so schön sagt, wenn sie international auf dem Platz stehen. Desaster ist das Wort der Stunde, wenn es um deutschen Fußball geht. Der FIFA-Oberdiktator Blatter möchte, ganz in der Tradition römischer Imperatoren, deren Sitze im Kolosseum aus Marmor waren (im Gegensatz zu jenen aus Stein und Holz des gewöhnlicheren Volkes), neue eigene Sessel exakt auf Höhe der Mittellinie in den WM-Stadien für sich und seine Fußball-Junta aufgebaut haben. Man bekommt groteske Regularien auf das Auge gedrückt, wenn man nur eine WM-Karte verkaufen möchte. Aber dieses unser Land und seine publicitygeile Brut von Polit-Hinterbänklern hat nur ein Problem: Klinsmann muss in Deutschland wohnen. Die FIFA schnappt sich den öffentlichen Raum wie eine Kolonialmacht, aber das Problem, worum sich die politische Klasse Gedanken macht, ist Klinsmanns Wohnort. Nicht zu fassen, der Verstand hat keine Heimat mehr in Deutschlands Öffentlichkeit.

Was das alles noch mit Fußball zu tun hat? Nichts, gar nichts.

Und um mal zum Ball zu kommen: Ich erwarte heute drei Punkte aus Mainz! Noch stets gilt, trotz aller oben aufgeführte Dinge: Die Wahrheit liegt einzig allein auf dem Rasen. Und mein Freund ist aus Leder…

Riya, oder: Keine Fotos mehr auf Bloggertreffen und Konferenzen

Webworking Techkram

Riya ist die »Schily-Schäuble-Beckstein-Variante« von flickr und Konsorten. Also eine Bilder-Hochlade-Community, die alle Bilder mit Personen drauf einer automatischen Gesichtserkennung unterzieht. Damit der freiwillig selbstgeschaffene Große Bruder auch effektiv funktioniert, fordert das System nach der Registrierung (http://www.riya.com/groundTruth) dazu auf, mal eben 1.000 Bilder aus dem Fotoordner hoch zu laden und die vom System erkannten Gesichter mit Namen zu taggen. Ziel der ganzen Aktion ist es, nach Menschen und Orten und Kombinationen davon zu suchen.

Verblüffend finde ich die Reaktionen, die bisher dazu zu finden sind. Die meisten finden das »cool«. Hat denn niemand mehr auch nur ansatzweise ein Gespür für Datenschutz und Privatsphäre? Wenn das einmal Mainstream ist (im Moment ist es glücklicherweise viel zu viel Arbeit, das System zu trainieren, als dass wir in absehbarer Zeit einen Foto-Big-Brother-2.0 haben würden), muss auf Bloggertreffen und Konferenzen leider gelten: Keine Fotos, bitte. Und es muss Aufgabe der Blogosphäre werden, die (vorwiegend jüngeren) Leute, die allzu naiv mit persönlichen Daten umgehen, ein wenig zu sensibilisieren.

web2.0 riya

Hässliche Desktops

Linux

Ein schönes Freitags-Thema ;-) wirft Computerwoche-Autor und Blogger Thomas Cloer auf: »Last, but not least ist das ganze Open-Source-Zeug (natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel) auch noch immer irgendwie hässlich. Woran das liegt, weiß ich auch nicht. Programmierer verstehen halt selten was von Eye Candy, und Designer umgekehrt selten was vom Coden. Aber die Community muss irgendwann mal kapieren, dass das sprichwörtliche Auge auch mitisst.« Leute, mal ehrlich: Gibt es etwas hässlicheres als Windows? Von Benutzer-Konsistenz mal ganz zu schweigen. Jeder, der mal in einem hässlichen Dialog voller Reiter den Erweitert-Knopf gedrückt hat, um dann einen neuen Dialog mit hässlichen Tabs und Erweitert-Knöpfen präsentiert zu bekommen, weiss, wovon ich rede. Und dass Thomas ausgerechnet OpenOffice als Beispiel für die Hässlichkeit von Open-Source-Software anführt, ist mehr als unfair, denn das verbreitet in dem Bestreben, DAU-sicher zu sein, mit seiner Windows-95-Optik auf jedem System, egal ob Windows, Linux oder Mac OS X, die übelriechende Aura von Tod, Verderben, Flickwerk, Viren und Datenverlust, die man logischerweise gemeinhin mit Windows assoziiert. Sprich: Es ist so hässlich, weil es so nach Windows aussieht. Darum suchen auch alle auf dem Mac händeringend nach Office-Alternativen.

Und wahrscheinlich hat Thomas noch gar nicht mitbekommen, dass man Linux-Desktops optisch so tunen kann, wie man gerne möchte. Im Gegensatz zu Windows, übrigens…

linux windows desktop openoffice

Finsteres rundes Leder

Rundesleder

Schaut Euch das an! Mal wieder unterwegs in den heimatlichen Gefilden des Westens, habe ich tatsächlich jemanden in Köln gefunden, der Fußball spielen kann. ;-)

Aber die Aussicht, dass der »geliebte« Geißbockklub demnächst den Weg in die Liga antritt, in die er gehört, kann für den Fan der Borussia aus Mönchengladbach nur ein schwacher Trost sein in diesen Tagen. Die erneute Auswärtsniederlage, eine 0:3-Packung, ausgerechnet bei den Unsympathen aus dem Pfälzer Wald, lässt es mal wieder hoch hergehen bei der Borussia und Zweifel daran aufkommen, ob der Verein es tatsächlich schafft, mal eine Saison ohne Trainerwechsel durch zu kommen. Die Torfabrik stellt berechtigte Fragen, und die Heimpartie gegen Borussia Dortmund am Wochenende bekommt den Charakter einer schicksalhaften Begegnung. Wie die Kollegen von Seitenwahl gleich wieder das Abstiegsgespenst an die Wand zu malen halte ich trotz allem für übertrieben, dazu ist die Liga insgesamt einfach zu schwach.

Bökelberg in Trümmern

Da ich einmal da war, habe ich auch mal wieder dem guten alten Bökelberg in Gladbach einen Besuch abgestattet, der bis auf eine Ecke nur noch eine Trümmerwüste ist. Und als solche fast schon als Symbol für den derzeitigen Zustand der Borussia taugt…

fußball köln mönchengladbach borussia bökelberg

Two Gallants

Musik

Und der passende Soundtrack für diese finsteren Zeiten.

Ab und an begegnet einem etwas bei den musikalischen Exkursionen in die Weites des Webs, wo einem die Maus aus der Hand fällt und man denkt: »Wahnsinn! Was ist denn das? Haben!«

Wie zum Beispiel das sensationelle Duo Two Gallants. Dahinter verbergen sich Adam Stephens und Tyson Vogel aus San Francisco, benannt nach einer Geschichte aus James Joyce’ Dubliners (gibt es auch zum anhören), die kürzlich ihr Album »What The Toll Tells« vorgelegt haben. Von Jan Wigger in SpOn mit 7/10 und den Worten begrüßt:
»Die Two Gallants, Adam Stephens und Tyson Vogel, […] vermischen auf ihrer zweiten LP ‘What The Toll Tells’ Delta-Blues, Folk, Punk, Country, urplötzliche Lärm-Ausbrüche und unerhörte Geschichten von Zechtouren, leichten Mädchen und der Flucht vor dem Sheriff. Stephens und Vogel sind Storyteller der uralten Schule, denen der Schmutz an den Stiefeln haftet wie Erinnerungen, die man einfach nicht mehr los wird.«
Erschienen ist die Platte bei Saddle Creek, wo schon Hochkaräter wie Bright Eyes, “Son, Ambulance” oder The Faint ihre musikalische Heimat gefunden haben.

Ebendort gibt es einiges von den beiden zu hören, z.B. das ganze Album als Stream (Vorsicht, danach wollt Ihr es haben!), und auf ihrer eigenen Website ein paar MP3s (besser so ;-)). Unbedingt zu hören ist das sensationelle »Waves Of Grain«. Und nun ist zu eruieren, wo man hier in D zeitnah die Platte her bekommt…

twogallants saddlecreek

Nackt! Nackt! Alles nackt!

Weblogtalk Webworking

Und am 5. April, da machen wir uns alle nackig im Web! Äh, also, nur die Website, denn am 5. April ist First Annual Naked Day: »That’s right, I’m starting the first annual CSS Naked Day. In the spirit of promoting Web Standards along with good semantic markup and proper hierarchy structures, April 5th will be a day of nakedness for all webmasters to remove their style sheets from their website for one day.« Um den Wert von standardbasiertem Design durch die Abwesenheit von selbigen dem Betrachter mit der Holzhammermethode einzubläuen, entfernen wir alle das CSS von der Website und schreiben einen kleinen Text dazu, den man bei Dustin Diaz finden kann. Also dann, ich will Euch nackt sehen! ;-)

[Via Jens]

css nakedday nackt webstandards