Juli 2005

Lagedernation

Die Republik der Zweifel

Lars Rambergs Projekt »Palast des Zweifels« ist zwar schon vor ein paar Wochen vom Dach des Berliner Palast der Republik entfernt worden, aber passt trotzdem gut in die augenblickliche Lage der Berliner Republik. Wir durchleben Wochen des Zweifels. Ist die rot-grüne Ära vorbei? Wie wird unser Super-Horst in der Frage der Neuwahlen entscheiden? Wurde durch die etwas dubiose Vertrauens-/Mißtrauensprozedur gar das Grundgesetz beschädigt?

Auch der scheinbar so sichere Ausgang der Bundestagswahl, wenn denn nun eine stattfinden sollte, ist voller Zweifel. Ich mag noch nicht so recht das Ende von Rot-Grün einleiten, und auch nicht ob der Aussicht auf Merkel/Westerwelle/Stoiber lamentieren. Dazu wird dann noch Zeit und Raum sein, wenn es notwendig wird.
Die neue, so genannte Linkspartei, bringt Bewegung in die politische Landschaft, grast der gute alte Oskar doch mit einer großen politischen Wundertüte, in der neben ein bißchen Attac auch ein Grasen im Stimmengewinn versprechenden Reservoir des rechten Populismus zu finden ist (Junge World: »Oskar für alle«), die Weiden der Volksparteien ab. Ein interessantes Szenario: CDU/CSU und FDP schaffen keine Mehrheit gegen SPD, Grüne und Liste Oskar, letztere drei können aus naheliegenden Gründen aber auch nicht zusammen gehen. Dann dräuen neue Konstellationen am Horizont, große Koalition oder eine Ampel. Spannende Zeiten!

Die Worte der Woche hat aber niemand anders als Joschka Fischer bei der Vertrauensfrage-Debatte am Freitag gesprochen (zitiert nach dem inoffiziellen Protokoll des Bundestags). So möchte ich das hören, kein Weltuntergangsgejammer! »Schmierstoff – was man bei diesem Wort doch für Assoziationen hat! [An die CDU gerichtet, RG] Ich kann Ihnen nur sagen: Sie mögen zwar für sich beanspruchen, die bessere Alternative zu sein. Aber Sie sollten nicht auf dem hohen moralischen Ross dahergetrabt kommen; denn angesichts der Schmiergeldaffären, die Sie zu verantworten haben, wäre es ein schändlicher Esel! […] Sie haben schon einmal Möbel bestellt, die Bilder waren auch schon geordert, aber es ist nichts geworden. Also schauen wir einmal! Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle Chancen haben, wenn wir kämpfen – und das werden wir –, zu gewinnen und nicht zu verlieren.«

neuwahl wahl05 zweifel

Weblogtalk

»Coined the term weblog, never made a dime.«

Wired-Autor Paul Boutin traf Internet-Legende Jorn Barger als Obdachlosen auf der Straße, ein Typ mit einer Google-Mütze und einem Pappschild mit der Aufschrift : »Coined the term ‘weblog,’ never made a dime.« Barger hatte mit Robot Wisdom eines der ersten Weblogs und gilt als der Erfinder eben jenes heute so berühmten Wortes Weblog, als Bezeichnung für logging the web, also das Festhalten der Dingen, die er beim Durchforsten des Webs fand.

Ein paar Links (hatten wir schon einmal, aber es gibt sicher noch genug so genannte Weblog-Experten, die nicht wissen wer Jorn Barger ist):

Barger erfand im Jahre 1994 auch das, unter veränderten Vorzeichen (Weblog statt Usenet), noch heute gültige Inverse Law of Usenet Bandwidth: »The more interesting your life becomes, the less you post… and vice versa.«

weblogs jornbarger

Musik

... And You Will Know Us By The Trail Of Dead

Diese Woche stand unter dem Motto »Wir schauen jungen Leuten beim Musizieren zu.« Am Montag (4.7.) in Karlsruhe standen die bombastischen … And You Will Know Us By The Trail Of Dead auf dem Programm. Allenthalben konnte man lesen, dass ein Live-Auftritt dieser Herren einen bleibenden Eindruck hinterlässt, das kann ich nur bestätigen. Die Angewohnheit der Trail Of Dead, leise, fast lyrische Passagen mit brachialen Lärmorgien abzuwechseln, kommt live mit einer durchdringenden lautstarken Intensität rüber. Folgerichtig war das Publikum, animiert vom wilden Treiben auf der Bühne, im kleinen engen dunklen (darum leider auch kein annähernd brauchbares Cameraphone-Bild) Karlsruher Substage ordentlich enthusiasmiert. Trail Of Dead spielten nur zwei Stücke vom aktuellen Album »Worlds Apart«, was ich ein wenig schade fand, boten dafür aber einige Klassiker aus dem Repertoire an, so zum Beispiel die logische Hymne aller Webworker, »Source Codes & Tags« vom gleichnamigen Album. Dem obligatorischen Zerstören der Instrumente boten auf die Bühne eilende Ordner des Substage schnell Einhalt, so dass uns dieses legendäre Schauspiel leider entging. ;-)
Anschließend sausten ein wenig die Öhrchen, so ein doppeltes Schlagzeug verfehlt halt nie seine Wirkung, aber es hat sich gelohnt, wie würde der Powerseller sagen: »Gerne wieder!«

trailofdead

Musik

Bright Eyes, doppelt!

Bright Eyes Tja, auch die Weisheit des Alters schützt nicht vor dem gelegentlichen irrlichtigen Aufflackern der Infantilität. Nach dem Auftritt von Bright Eyes letzten Samstag in Wiesbaden kam ich nicht umhin, mir meine derzeitige Lieblingskapelle auch am Mittwoch (6.7.) in Karlsruhe beim Zeltival noch einmal anzuschauen. Wiederum im Doppelpack mit The Faint. Die begannen schon eine halbe Stunde zu früh, so dass wir von ihnen nicht mehr viel mitbekamen. Schade.

Das junge Genie Conor Oberst, dessen One-Man-Show Bright Eyes ist, hat bekanntlich die Tendenz, ein bißchen viel Alkohol zu trinken. Folgerichtig kam er am Samstag in Wiesbaden auch ziemlich breit auf die Bühne, strangulierte sich fast mit dem Gurt der Gitarre und redete zwischen den Songs ziemlich wirres Zeug. Aber wenn ein Song beginnt, wird in seinem Kopf ein Schalter umgelegt, und man merkt ihm davon nichts mehr an. Da bei dieser Tour sein elektronisches angehauchtes Werk »Digital Ash In A Digital Urn« vorgestellt wurde, präsentierten sich Bright Eyes in großer Besetzung mit 8 Mann, einer Frau am Cello und Conor Oberst. Die Dame und die Herren spielten die Songs zwei Zacken lauter als vom Album gewohnt, gleich zwei Schlagzeuger sorgten für einen druckvollen Sound und eine lautstarke Interpretation der filigranen Songs.

In Karlsruhe dann präsentierte sich Conor für seine Verhältnisse nüchtern und glänzend aufgelegt, plauderte halbwegs verständliche Sätze ;-) über die Mißverständnisse, die dem armen Kerl bei seinem musikalischen Treiben auf der Welt so begegnen. Eine der zahlreichen jungen Damen in den ersten Reihen reichten Conor einen Ausdruck einer Internet-Fakemeldung über seinen Tod auf die Bühne, der bei der ganzen Band kopfschüttelnd rumgezeigt wurde und dann vom Gitarristen verbrannt wurde. Conor meinte nur trocken, dass es im Jenseits eigentlich gar nicht so übel sei, und hatte die Lacher auf seiner Seite.
Interessant ist das gemischte Publikum, das Bright Eyes anziehen, von eher älteren Herrschaften bis zu schwärmerischen jungen Damen ist alles dabei.

Fazit: Mir hat es sehr gut gefallen, das Konzert in Karlsruhe war das bessere der beiden.
Von Conor Oberst, dem musikalischen Wunderknaben, wird man noch einiges hören, ich kann dann sagen: »Hey, ich habe ihn schon gesehen als er noch in kleinen badischen Zelten spielte« ;-). Conor wirkt authentisch, sein »Leiden an der Welt«, dass er wie kaum jemand anderes so packend musikalisch umzusetzen weiß, wirkt echt. Oder, wie es weiland der taz-Rezensent ausdrückte: »Aber wir haben gelernt, dem angeblich Authentischen mit besonderem Misstrauen zu begegnen. Also blättern wir weiter, auch wenn die Triebwerke längst ausgefallen sind. Wir halten uns für abgeklärt und aufgeklärt, wo wir doch eigentlich nur versteinern. Wer wissen will, ob er schon verloren ist, sollte Bright Eyes hören – und dabei auf seine Nackenhaare achten.« Bei Saddle Creek gibt es übrigens ein bißchen was von Bright Eyes als MP3 zu hören.

brighteyes

Musik

Der iPod verändert unser Leben

Behauptet Michael Althen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: »Wie der iPod unser Leben verändert hat«. Dabei schlägt er den ganz großen Bogen, von den Zeiten, die meine Generation (gute Güte, klingt das Oldie-mäßig ;-)) noch gut kennt: »Vor langer, langer Zeit – kunstgeschichtlich also etwa vor Erfindung der Zentralperspektive – haben Menschen Musik auf tellergroßen schwarzen Scheiben mit einem Loch in der Mitte gespeichert, auf denen eine Rille vom Rand zur Mitte lief, die von einer Nadel abgetastet werden mußte, um die Musik hörbar zu machen. […] Man muß sich das mal vorstellen: Menschen kauften sich Schallplatten, setzten sich auf einen Sessel oder legten sich aufs Bett und starrten stundenlang aufs Plattencover, küßten es, falls der Künstler darauf abgebildet war, oder rätselten über dessen Bedeutung, falls es abstrakterer Natur war. « Über das Tapedeck und die CD geht es hin zur Digitalisierung und der digitalen Musikikone unserer Zeit, dem iPod. Und bringt recht gut auf den Punkt, was den iPod (oder eben andere tragbare Player mit großen Platten) von Walkman, Minidisc-Player und Konsorten unterscheidet: »Das Problem mit Musik ganz allgemein ist jedoch, daß man mitunter zwar gerne etwas hören würde, aber nicht immer die Entscheidungskraft aufbringt, sich auf eine bestimmte CD, Gruppe oder auch nur Richtung festzulegen. […] Der iPod stößt in diese Lücke des musikalischen Leerlaufs. Man stellt ihn an, und der Zufallsgenerator wählt irgendeinen Song, von dem man nur so viel sicher weiß: daß man ihn irgendwann mal gut genug fand, um ihn auf den iPod zu überspielen. Und regelmäßig ist man überrascht: Man wäre selbst nie auf den Song gekommen, hätte sich gegebenenfalls womöglich sogar dagegen entschieden, aber in dem Moment, wo er erklingt, kommt die Erinnerung zurück.« Der Zufall also wieder. Auf den kommt man in diesen digitalen Zeiten immer wieder zurück. Irgendwie related: Flickr: Photos tagged with ipod

musik mp3 ipod

Mac

Tipp: OS X-Terminal teilen

Man kennt das: Da steckt man im Terminal mitten in einer vim- oder mysql-Kommandozeilen-Session, und plötzlich fehlt eine Information, die vor noch nicht allzu langer Zeit durch den Schirm gescrollt ist. Oder man muß zwei wie auch immer geartete textuell vorliegende Informationen vergleichen. Dazu gibt es im Terminal von Mac OS X eine relativ unbekannte (ich weiß, Profis kennen so was natürlich ;-)) Möglichkeit. Man kann das Terminalfenster mit einem Klick auf das »Durchreiß-Symbol« teilen, wobei beide Fenster in einer Session weiterlaufen: Nun kann man im oberen Teil herumscrollen und Texte vergleichen, Dateinamen in die Zwischenablage usw. Ein Klick auf das nun nicht mehr zerrissene Quadrat vereint das Fenster wieder:

osx terminal

Weblogtalk

Good Bye, gravatar.com?

gravatar.com, jener hübsche kleine Service, der zu einer gegebenen E-Mail-Adresse ein kleines Bildchen, den Gravatar, zur Einbindung in Kommentarseiten bereit stellt, scheint gone like the wind. Und zwar so richtig »wech«, denn, wie Fred ermittelt hat, ist die Domäne abgelaufen und der Entwickler von gravatar.com untergetaucht. Das sieht ganz so aus, als würde daraus nichts mehr werden.
Fred hat aber eine Initiative entwickelt, einen solchen Dienst neu auf die Beine zu stellen. Mal schauen, wie sich diese Sache entwickelt. Gut, dass ich bisher zu faul war, Gravatar-Unterstützung in die Kommentare einzubauen. ;-)

gravatar

Zeugs

Jabber: Letzter Versuch

Für alle die es interessiert: Da es nicht so aussieht, als würde der Jabber-Server auf 443 bei jabberes.org jemals wieder in Betrieb gehen, habe ich nun ein weiteres Mal die ID geändert und bin nun leralle@amessage.de. Das ist aber nun mein letzter Versuch mit Jabber, wenn der Server auf Port 443 auch irgendwann nicht mehr geht, dann stecke ich Jabber in die Tonne und beschränke mich auf die bösen bösen Kommerz-Chatprotokolle vom bösen AOL, die alles mitschneiden und meine gesammelten Chats eines Tages auf DVD heraus bringen werden, denn das sagen ja die Geschäftsbedingungen gemäß einer kürzlich herumgeisternden Blog-Meme. Und Blog-Meme irren bekanntlich nie! ;-)

Update: Kaum schreib’ ich’s, fängt die Verbindung an zu spinnen und connected/disconnected im Sekundentakt. Ne ne ne.

Weiteres Update, da ja die bloggende Menschheit starken Anteil an meinem Jabber-Schicksal nimmt. ;-) Mit Psi funktioniert es, mit Trillian nicht, da kommt es zu dem Connecten/Disconnecten im Sekundentakt. Auch noch von Dreckstools umgeben.

Bloglines ist übrigens auch kaputt. Oh, digitales Armageddon, Deine Zeit ist gekommen, wir werden bestraft für unseren gottlosen Umgang mit Dreckstools … ;-)

dreckstools

Techkram Seltsames

Simpel gestrickt

Philipp über Windows NT 6.0 aka Longhorn aka Vista: » Vista steht eigentlich für die wunderbare Abkürzung Viruses – Instability – Spyware – Trojans und Adware.« Nennt mich simpel gestrickt, aber ich finde das amüsant.
Es ist natürlich leicht, über M$ zu spotten. Aber hey! Ich kenne M$-Systeme seit 1986, sie haben Spott verdient. Schon im Vorfeld zu Windows 95 hieß es »Hey, jetzt kommt der radikale Windows-Umbau« aber seitdem haben sie an jeder Version nur halbgar herumgebastelt. Was nicht zuletzt zu den hinlänglich bekannten Problemen mit Windows geführt hat. Mancher mag es normal nennen, dass man einen Windows-Rechner ohne ein obskures Sammelsurium so genannter »Security-Tools« nicht vernetzt benutzen kann. Ich nenne das ridikül und indiskutabel. Mal gespannt, ob Vista daran etwas ändert.

windows vista

Weblogtalk Zeugs

Wie wahr!

smi anlässlich seines Comeback-Posts: »Nicht alles im Leben braucht ein Archiv.« Ich muß zugeben, dass mir im Rahmen meiner noch stets unauffällig voran gehenden Umbauarbeiten ähnliche Gedanken gekommen sind. Sogar verbunden mit der Idee eines Google-Suizids. Will ich stets gefunden werden mit Sachen, die ich irgendwann 2002 mal geschrieben habe, von schweigsamen Google-Besuchern? Nach Monaten eine E-Mail bekommen, dass mein Beitrag dem Black-Metal-Standort Deutschland schweren Schaden zufügt? Nö, eigentlich nicht. Der Gedanke an Löschen und Neuanfang hat schon einen gewissen Reiz …

weblogs google archiv

Mac

Crufty Apple?

Okay, Microsoft ist ein dankbares Opfer. Aber Apple! Was ist nur mit Apple los? Frage nicht nur ich mich, sondern auch Rui Carmo fragt sich auf The Tao Of Mac: »Is Mac OS X Becoming Crufty?« Crufty kommt von cruft (ich kannte das Wort auch nicht ;-)). Wenn man Apple nicht als religiöses Objekt betrachtet, muß man feststellen, dass Mac OS X und die Apple-Applikationen Verhaltensweisen an den Tag legen, die für Windows-Benutzer normal sind, aber eben nicht auf dem Mac. Damit meine ich nicht nur die angebliche Notwendigkeit, beim Wechsel des Betriebssystems eine Neuinstallation machen zu müssen, sondern auch Abstürze und Unzuverlässigkeiten, die der Mac-User als solcher nicht tolerieren mag. Apple mag sich wohl derzeit lieber obercooler Hardware für blasse Jüngelchen, die mit weißen Ohrhörern posen möchten, oder irgendwelchem Home-Entertainment-Video-Zeugs, dass niemand braucht, widmen, statt den Tiger (und damit das eigentliche Kerngeschäft) in die Schiene der gewohnten Qualität zu heben. Es ärgert mich schon jetzt granatenmäßig, dass ich demnächst einen halben bis ganzen Tag opfern muß, um das Powerbook neu zu installieren.

Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich halte Mac OS X für das beste Betriebssystem weit und breit, nichts kommt an dessen durchdachte Benutzungs- und Designkonzepte heran. Aber windows-mäßiges Gebaren (Abstürze, Neuinstallationen, endlose Reboots etc.) halte ich in einer Hard- und Softwarekombination der Appleschen Preisklasse für nicht akzeptabel.

apple mac tiger

Techkram

Aus-ge-vista-t?

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich Microsoft ob des Umstands, dass (in Redmond!) schon eine Firma namens Vista existiert, vielleicht genau mit der passionierten Prozesshanselei konfrontiert sehen wird, die sie selbst so gerne an den Tag legen. Aber wahrscheinlich wird das Problem in bewährter Manier mit einer handvoll Dollars gelöst.

Apropos Vista, es gibt mit installvista.com und vistalicious.com bereits mindestens zwei Vista-Blogs.

microsoft windows vista

Webworking

Ajax in 30 Sekunden

Ajax ist eine kühle Sache, um den mitunter nervtötenden Seite laden – Sachen eintippen – Sachen abschicken – Seite laden-Zyklus einer typischen Webapplikation zu unterbrechen. Der selbstreferenzielle internationale Blogzirkel der sich vornehmlich selbst auf die Schulter klopfenden, vornehmlich auf Ruby-Schienen entwickelte banale Kommerz-Applikationen hypenden Web-Entwickler (was sie dann schreiben, taucht kurz drauf als Link in deutschsprachigen so genannten Webdesign/Entwicklungs-Fachblogs auf, ich weiß immer nach meiner Feedreader-Tour, was bestimmte ExpertInnen demnächst bloggen werden, aber ich schweife ab) spinnt eine unnötige Aura der Komplexität um dieses Thema.

Dass das auch anders geht, beweist PHP-Legende Rasmus Lerdorf, der den relativ banalen Kern der ganzen Ajax-Technik in 30 Sekunden erklärt. So leicht geht das. Manchmal.

ajax

Mac

Reboot!

Nun ist es also soweit, ich mache es Andreas und Gerrit nach und installiere den lahmenden Tiger (wir berichteten in boulevardesk-reißerischer Wortwahl) neu. Während ich hier am Ubuntu-PC sitze, wird mein Powerbook neu installiert.

Der Tiger benahm sich immer schlimmer, das System fuhr nicht mehr sauber herunter, und beim Neustart dauerte es fast 15 Minuten bis ich den Login-Bildschirm sah. Untragbar. Okay, ich weiß, ich wiederhole mich, aber ein letztes Mal: Ich arbeite seit fast 20 Jahren mit Computern, dass ausgerechnet ein Mac der erste Rechner ist, der neu installiert werden muß, weil ein Update das System verhärmt hat, gibt 100 Minuspunkte für Apple. Das kam in meiner Computergeschichte nur einmal bisher vor, ein SuSE ging beim Update kaputt, aber es wurde dann komplett gelöscht und durch Debian ersetzt, seitdem habe ich kein SuSE-Linux mehr angerührt. Mal schauen, was wir mit Mac OS X machen. ;-)

Damit es objektive Fakten gibt, die belegen, ob das kleine putzige Powerbook nun tatsächlich schneller wird, habe ich vorher noch einen XBench unter Andreas-Bedingungen (statt Bluetooth war Airport eingeschaltet, sonst identisch) gemacht und den mehr als bescheidenen Wert von 77,26 erzielt. Wohlan, auf dass die Daten von Steves teurem Silberling auf der kleinen Magnetplatte mit den rotierenden Scheiben wohlgeordnet eintreffen!

mac osx tiger

Mac

Mac OS X neu installieren - Was für eine Mühsal!

Neuinstallation Nun ist also alles kaputt und wird neu installiert. Was mir so aufgefallen ist:

Finder saugt gewaltig, das war mir vorher noch nie so bewusst geworden. Er hat das Windows-Explorer-Verhalten, beim Kopieren von 44.267 Dateien einfach aufzuhören, wenn bei Datei 27.391 ein Problem auftaucht, und man hat die tolle Aufgabe, herauszufinden, welche Dateien schon übertragen wurden und welche nicht. Ich habe das schon beim Win-Explorer immer abgrundtief gehasst. Dreckstool!

Spotlight ist auch nervtötend. Es fängt ungefragt an zu indizieren, wenn man den iPod als externe Festplatte dran hängt, und verhindert dann das Auswerfen des iPods. Man muß schon zu sudo mdutil -i off /Volumes/iPod greifen, um Spotlight einzubremsen. Dreckstool!

Nach dem Zurückspielen des Home-Verzeichnisses finden alle Programme, nachdem ich sie neu installiert habe, ihre Daten wieder. Einfach Programm-Ordner kopieren wollte ich nicht, damit der ganze Kram, den man eh nicht braucht, nicht wieder den Rechner verlangsamt. Ein Programm nach dem anderen ersetzt das Fragezeichen im Dock (siehe Bild) durch das passende bunte Symbol. Das ist gut! Und wer nicht? Safari natürlich, glänzt durch leere Lesezeichenleisten- und -Menüs. Dreckstool!

Mac

Ende der Mühsal X

Nach der Neuinstallation So, nun ist die Neuinstallationsorgie abgeschlossen. Es hat übrigens nicht zwei Tage gedauert, ich habe zwischendruch ein bißchen gelebt. ;-)

Die hier beschriebenen Probleme lagen in fehlerhaften Rechten begründet. Nachdem ich, da der Finder unbrauchbar ist, mit cp und scp Daten zurück kopiert hatte, bekamen einige Ordner, bspw. ~/Library/Safari fehlerhafte Rechte. Nach manuellen Korrekturen fanden dann alle Programme wieder ihre Daten. Trotzdem, der Finder ist ein würdevoller Kandidat für dreckstool.de

Eine sehr störende Sache gibt es noch: Einige iTunes-Einkäufe (ich hatte mal einen Einkaufsgutschein für den iTunes-Store) funktionieren trotz erneuter Eingabe der Account-Daten nicht mehr. Einmal mehr wird deutlich, dass auch der iTMS in eine Reihe mit Musicload und Konsorten rückt und das ehrenvolle Prädikat DRM-verseuchter Mist verdient. Es geht nichts über eine physisch vorhandene CD – online einkaufen mit diesen DRM-Kaspereien ist keine Option.
Viel schlimmer: Eine nähere Analyse des Problems (die Songs hatten auch kein Cover mehr, und auch nicht-DRM-verseuchte Songs funktionierten nicht) ergab, dass der Finder die Dateien beim Kopieren von der externen Disk kaputt gemacht hat. Man musste einfach nur den Music-Ordner löschen und das Backup von einem Netzwerk-Rechner mit dem funktionierenden »Männertool« scp einspielen, schon geht wieder alles. ’Tschuldigung, iTMS. Aber der Finder! Windows Explorer, stylish Edition. Was für ein Müllhaufen!

Ansonsten ist das ganze System nun »zackiger« als vorher und fühlt sich erheblich besser und flotter an, auch wenn das große iPhoto-Monster mit seinen derzeit knapp 7.400 Bildern geöffnet ist. Und auf magische Art und Weise hat sich der freie Platz auf der Festplatte fast verdreifacht, auch weil man natürlich die Gelegenheit wahr nimmt und gleich mal ein wenig aufräumt auf der Platte.

Gefühl ist eine Sache, wir wollen aber Fakten sehen! Der XBench nach der Neuinstallation ergibt ein Ergebnis von 81.45. Enttäuschend wenig für die ganze Mühsal. Insbesondere frage ich mich, warum mein System so eine lausige Festplattenperformance bietet. Wenn ich mal ganz viel Zeit habe, gehe ich dieser Sache mal nach. Im Moment erfreue ich mich erst einmal am sauberen System und schließe dieses Thema damit erst einmal ab! ;-)

macosx tiger