Januar 2005

Ontour 21c3

Zurück von der Jahresendzeittour

Die Jahresendzeitfestivitäten-Tournee mit 21C3 ist beendet, ich bin wieder in der hessischen Landeshauptstadt eingetrudelt. Die dreieinhalb Tage Berlin waren natürlich der Höhepunkt, Berlin ist immer eine Reise wert (ja, blöder Spruch, aber so wahr, dass ich ihn einfach bringen muß). Das Bildchen zeigt den Funkturm am Alex im abendlichen Nebel, nicht so ganz perfekt, aber längeres Problematisieren mit der Kamera wollte ich meinen lieben Kollegen Konferenzbloggern nun doch nicht zumuten, sowas kann bei mir immer sehr lange dauern … ;-)

21C3 war eine interessante Mischung aus einem juvenil geprägten Spaß am Gerät-Happening (inkl. damit verbundener Seiteneffekte im Rest der Welt) und einem Stelldichein von Netzlegenden wie Joi Ito oder Jimbo Wales, deren Wirken im Dienste einer über das Netz hinausgehenden demokratischen Aufklärung verstanden werden soll. Einer Nutzung des Netzes als Medium, das nicht nur konsumiert wird, sondern selbst benutzt wird, um Senden und Empfangen von Wissen, Meinung und Information aus den geldscheinverklebten Fingerchen der Medienkonzerne zu befreien. Solche Events sind immer eine willkommene Gelegenheit, einen Moment die Tastatur aus der Hand zu legen und über solche mehr philosophischen Aspekte unseres Netztreibens ein wenig nachzudenken.

Dazu hat man bei der Heimfahrt auch reichlich Gelegenheit, denn, man glaubt es nicht, im ICE auf der Rückfahrt aus Berlin gab es nach Auskunft des Zugchefs nicht eine funktionierende Steckdose, an der man sein Notebook mit der lebensspendenden Kraft der fließenden Elektronen hätte versorgen können. Das, verehrte Bahn, ist Anno 2005, und gerade unter dem Eindruck von Hochglanzwerbung mit Krawattenheinis samt Virenschleudern unter’m Arm, die sich an der ach so produktiv zu nutzenden Zeit auf ihrer anstehenden Zugreise ergötzen, ganz schön armselig …

Ein Bloggertreffen gab es beim 21C3 natürlich auch, auf einer Hardware-Blogroll dokumentiert. Selbiges ist auch im Rahmen einer 21C3-Fotogalerie von Norbert bildlich festgehalten worden. Und Christian, der auch beim Bloggertreffen war, hat auf seinem Weblog plomlompom ein »rumphilosophierendes Fazit« vom 21C3 gezogen.

Noch ein paar Impressionen von 21C3:

Die geschwungene Treppe in der Lobby des bcc, in ihrem ganzen 70er-Charme, aber so etwas ist ja heute als Retro wieder en vogue …

Die Chill-Out-Zone, die Kantine war von den Video- und Blinklichtgruppen in eine schummrige Abhäng-Zone verwandelt worden, auf den dort stehenden Sofas lagerten erschöpfte Datenkrieger. Und mitunter war es dort recht laut (MP3, 128 kB) …

Auf den Gängen des bcc war stets ein munteres Treiben, man musste, mit heißen oder kalten Getränken in der Hand, stets höllisch aufpassen, wo man lang lief!

Recht am eigenen Bild hin oder her, was muß der Herr mit der Mütze ausgerechnet dann seinen Kopf heben, wenn ich den großen Vortragsraum Saal 1 fotografiere, in dem Joi Ito gerade seinen Vortrag hält …

Mir hat’s Spaß gemacht, soweit man das jetzt absehen kann, werde ich bei 22C3 wieder dabei sein!

Webworking

Deine Website steht mit einem Bein im Grab!

Wenn sie PHP benutzt. Diesen Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man das Echo auf Santy verfolgt. Die verschiedentlich zu lesende Kritik an der Reaktion der offiziellen PHP-Stellen resultierte in Action, Marco Tabini in seinem Weblog: »For what it’s worth, I don’t think there’s anything particularly wrong with phpBB; the fact that its maintainers took a bit longer than expected to realize the importance of a bug and provide a fix simply outlines their need for an audit of the older portions of their code. Bugs happen, and security fixes happen.
The fact that the Santy worm was allowed to spread as much as it did, however, brings to light a simple fact: despite PHP’s popularity, there is no concerted effort to keep the public informed on security news related to PHP
Konsequenz daraus: Es gibt nun eine neue (moderierte) Mailingliste namens [phpsec], die genau diesem Übel abhelfen soll. Seit ich sie abonniert habe, kam aber noch nicht eine Mail darüber reingeschneit, kann ein gutes oder schlechtes Zeichen sein.

Man sollte übrigens nicht den Stab über phpBB brechen. Es ist doch so: PHP ist eine Skriptsprache, die auf eine Vielzahl von Bibliotheken zurückgreift, die widerum mit dem Apachen und dem Betriebssystem zusammen spielen. Würde man erst einmal versuchen, das in seiner Gesamtheit zu verstehen, käme man niemals dazu, auch nur eine Anwendung fertig zu programmieren. Darum ist die neue Mailingliste eine löbliche Sache, denn der Informationsfluß auf php.net ist in solchen Dingen sehr schleppend, man musste sich bisher sicherheitsrelevante Infos überall zusammen suchen.
Seit dem 31.12. gibt es nun auch ein “offizielles” Statement auf php.net, wie üblich ohne Permalink, bitte nach »A Note On Security in PHP« Ausschau halten …

Zeugs

Internet-Aufnahmeprüfung jetzt!

Unfassbar, das Internet ist voller Verhärmter! Am 31.12. stieg der Traffic-Verbrauch des Netzbuchs plötzlich schlagartig um 120% an und blieb seitdem so hoch. Ursache: Verhärmte, die im Internet eigentlich nichts verloren haben, haben ein Bild von mir in alle möglichen Foren, Gästebücher und was weiß ich noch alles hinein kopiert. Natürlich von meinem Server direkt verlinkt.
Okay, Kinder brauchen traumatische Erlebnisse, bevor ich per .htaccess das Einbinden von Bildern außerhalb des Netzbuchs unterbinde (und die Google-Bildersuche habe ich gleich mal ganz abgewehrt), möchte ich noch ein bißchen Spaß haben, darum habe ich das Bild geringfügig verändert: Zu bewundern hier, oder hier, oder hier.

Ich bin übrigens dafür, dass nicht jeder einfach so ins Internet darf. Ohne Prüfung sollte da nichts laufen. Eine Aktion für ein DAU-freies Internet muß her!

Internet Seltsames

Einen Lurken!

Nette Idee: Sheryl von paper napkin rief den 5. Januar zum »De-Lurking Day« aus: »A special day celebrating lurkers, and exhorting you to muster the strength and bravery to click on that comment button and end the deafening silence.« Die Kunde davon brauchte aber etwas länger, sich im Netz zu verbreiten, darum beschloß Veerle, dass heute auch noch De-Lurking Day ist. Also, Netzbuch-Lurker, outet Euch, schreibt einen Kommentar. Ich weiß, dass Ihr da seid! Sagt “Tach!”, oder “Du bist verhärmt, ralle!”, oder sonst was. ;-)

Nur keine Hemmungen!

In dem Zusammenhang – Wikipedia: Lurker

Txp

Einen Podcasten!

Kühle Sache: Gerrit hat auf txp resources ein How-To veröffentlicht, mit dessen Hilfe man Textpattern ganz ohne Plugin-Geschraube das Podcasten beibringen kann: »Podcasting mit Textpattern«

Ich habe Podcasts (als Konsument) erst ausprobiert, als vor ein paar Tagen die neue Beta vom NetNewsWire mit Podcast-Unterstützung heraus kam. Vorher hatte ich das Thema nur theoretisch zur Kenntnis genommen. ;-) Neuerdings lausche ich aber morgens in der Bahn gerne mal einem gepflegten Podcast, hat was!

Link: Martin – »Was ist Podcasting?«

Momentaufnahme

Oh, München, Hauptstadt der Bajuwaren ...

…, Du begrüßt den Besucher, so er dem stählernen Feuerroß entstiegen ist, gleich mal mit der Botschaft: »Hier wird keine Fluppe angesteckt, Alda!« Aber wir wollen ja gar nicht rauchen! ;-)

Den Rest der Woche verbringe ich arbeitshalber in München. Ich darf gar nicht daran denken, wie nahe ich nun an Uli Hoeneß bin.
Gleich in der U2 gab es ein für eine rheinische Frohnatur wie mich erstaunliches Erlebnis: Ein paar Kinder stiegen ein, tollten ein wenig herum, nicht übermäßig schlimm (im Vergleich zu dem, was ich in der Hinsicht schon erlebt habe), und umgehend donnerte ein Bajuware die Kinder an, dass sogar ich zusammen zuckte: »Jo mei, Du willst mi aber jetzt nicht nerven!« (oder so ähnlich, die Transkription des örtlichen Idioms fällt mir ein wenig schwer). Und mir gegenüber saß einer, der die Kinder mit Blicken tötete, einen roten Kopf bekam und seine Aktentasche so fest umklammerte, dass die Fingerknöchel sich weiß abzeichneten. Das war das erste Erlebnis nach 10 Minuten München. Na, das kann ja noch was werden …

Musik Internet

»Social Software« mal nicht als Selbstzweck: Last.FM

Der erste Samstag seit Wochen im trauten hessischen Heim, Zeit einmal auszuprobieren, was seit Nicos Blogeintrag dazu bei mir auf der GTD-Maybe-Liste stand: Last.FM

Last.FM ist eine Online-Radio-Station der besonderen Art. Man saugt sich das zur eigenen Kombination aus Betriebssystem/bevorzugten Music-Player passende Audioscrobbler-Modul herunter, legt sich einen Account an, und hört Musik. Entweder die eigene, aus der eigenen Sammlung in iTunes, Winamp, XMMS und Konsorten, oder sucht sich durch die Eingabe von drei favorisierten Musikanten im Last.FM-Station Selector einen passenden Stream. Jeder Song, dem man nun lauscht, wird in das eigene Profil eingetragen. Wenn man etwa 100 Titel im eigenen Profil hat, fängt ein schlaues Skript in Last.FM an, nach Neighbours zu suchen, also Last.FM-Benutzern, deren musikalische Vorlieben den eigenen ähneln, und es wird ein Profile-Stream generiert, der ein Programm aus dem eigenen Bestand an Titeln und dem der Neighbours im Angebot hat.

Auf der Last.FM-Website bekommt man während des Lauschens einen kleinen Player eingeblendet: Wenn einem das, was man hört, sehr gut gefällt, klickt man auf das Herzchen, gefällt es weniger, klickt man auf Skip, wenn es gar furchtbar ist, auf Ban. Last.FM lässt diese Aktionen in seine Profilberechnungen einfließen, und mit der Zeit entsteht so ein immer feineres Profil des eigenen Musikgeschmacks, was wiederum bei der automatischen Auswahl der Neighbours berücksichtigt wird.
Während ich gestern mit to get things done beschäftigt war, habe ich das den ganzen Tag laufen lassen (die teure T-DSL-Leitung muß ja mal richtig beschäftigt werden ;-)), und ich bin wirklich begeistert. Richtig (für mich) üble Sachen wie Rap oder Hip-Hop traten nur anfangs auf, man muß dann halt schnell an den Rechner stürzen und auf Ban klicken. Man kann Alben, die im Last.FM-Datenbestand sind, übrigens manuell dem eigenen Profil hinzufügen, damit man schneller einen Grundbestand an Titeln im Profil erhält.

Last.FM ist auch »Social Software« um mal die Buzzword-Komponente dieses Blogeintrags ein wenig in die Höhe zu treiben. Früher, als ich jung war ;-), warf man beim ersten Blick in Wohnung oder Zimmer einer neuen Bekanntschaft einen prüfenden Blick auf die Plattensammlung. Oder man bekam einen Tipp von Leuten mit ähnlichen Musikgeschmack. Das macht Last.FM nun im netz-globalen Maßstab. Ein paar Links mit Gedanken zu Last.FM und dem Social Software-Aspekt:

Wenn man ein paar Dollar oder Euro donated (Summe steht im freien Belieben des edlen Spenders), erhält man eine persönliche Radio-Station, der jeder in der weiten Welt des Netzes lauschen kann. So kommt man auf einfache Art und Weise zu einem legalen eigenen Radio-Programm im Internet. Wie kühl ist das denn?

Wer mal dem lauschen möchte, was ich so mag, kann auf meiner Last.FM-Seite vorbei schauen. Es gibt noch allerlei Spielereien, bspw. eine Auswertung nach Herkunftsland, bei den Deutschen liegen peinlicherweise Die Ärzte weit in Front. Das muß anders werden ;-), wie “Nico schon schrieb”: »So, und nun meldet Euch an. Wir müssen was tun. Laut Statistik sind in Deutschland die Ärzte die Top-Band, das kann ja wohl nicht angehen, hier müssen mal mehr Leute mit gutem Musikgeschmack mitmachen.« Es lohnt sich, habe schon am ersten Tag Musikanten entdeckt, die mir gut gefallen und die ich bisher noch nicht kannte.

Noch eine Warnung für Apfelfreunde: Last.FM killt ab und an mal unvermittelt den Safari, also schön vorsichtig sein, wenn man noch wichtige Dinge in anderen Tabs hat!

Und noch etwas für die technischen Spielkinder: Auf seiner Audioscrobbler-Profilseite (Audioscrobbler und Last.FM benutzen den selben Datenbestand) findet man auch einen RSS-Feed der zuletzt gehörten Titel. Anregungen, was man damit anfangen könnte, liefert Joseph auf »Not Quite A Blog«.

Und nun viel Spaß beim Radio hören auf Last.FM, ohne Werbung, Gewinnspiele, Verkehrshinweise und den im Äther versammelten akustischen Ärgernissen des deutschen musikalischen Mainstreams. Last.FM ist die Rückeroberung der Idee Radio durch die Hörer!

Last.FM,Musik,Social Software

Weblogtalk

pMachine 2.4 erschienen und beerdigt!

Announcement von Rick Ellis auf der pMachine-Website: »It is with some sadness that I announce the official retirement of pMachine Pro. Today’s release of pMachine Pro version 2.4 marks the end of official development for this program. […] Although we will no longer actively develop pMachine Pro, we will continue to make it available for download. In fact, it will now be free of charge. We are changing the licensing, making pMachine Pro available for download at no cost. pMachine Free will be discontinued entirely, while pMachine Pro will continue to be made available.« Tja, pMachine, war nett mit Dir, liefst ja zwei Jahre lang hinter den Kulissen des Netzbuchs und befeuerst noch stets netz8. Wer ein leistungsfähiges Weblog-System sucht und sich nicht scheut, notfalls selbst den Editor in die Hand zu nehmen, kann nichtsdestrotrotz bei pMachine Pro bedenkenlos zugreifen.

Momentaufnahme

Leere

Lange kein Bahn(hofs)-Bild mehr gehabt! Der Sound dazu: Laura Burhenn – Helicopters.

Und bevor Ihr dann einschlaft: Flogging Molly – Seven Deadly Sins. Yeah!

Leere, ermüdende Leere, erzeugt der Gedanke in mir, jetzt auch noch zum Thema Planetopia was sagen zu müssen. Das überlasse ich den üblichen Problematisierern. Immer dieselben! Aber immer! Meine Güte, ich kann kaum ausdrücken wie ermüdend ich das finde, dieses immer gleiche Karussell der ewigen blogosphärischen Selbstreferenz, in dem immer die selben Leute bis zum Abwinken problematisieren. Und sie nennen das wahrscheinlich auch noch Diskurs, in ihren feuchten Fieberträumen von der Medienrevolution durch Blogs. Nun, im Bild vorne rechts, da ist die Lösung …

Internet Denken

Analog und Digital, Ordnung und Zufall. Eine Link-Collage.

Man hat ein paar Websites in seinen Browser-Tabs, denkt sich: »Irgendwie gehören die jetzt zusammen in einen Beitrag vereint!« Man hat aber kein Konzept, keinen roten Faden, sondern tippt einfach so drauf los. Der Zufall soll es komponieren!
»Geben Sie dem Zufall eine Chance«, sagt Apple auf der deutschen Website, »Random is the New Order« heisst es auf der amerikanischen Site, beides bezogen auf den neuen iPod shuffle. Zufallsauswahl als Way Of Life! Wer schon mal programmiert hat, der weiß, dass Computer sich mit dem Prinzip Zufall eigentlich schwer tun, einen guten Zufallsgenerator zu entwickeln ist schon eine Herausforderung. Wir geben uns Mühe, mit Hilfe all’ unserer digitalen Gerätschaften Ordnung und Kontrolle in unser Leben zu bringen. Konsequenz: Es mangelt an Zufall! Dieser kommt zurück – mit einem weiteren digitalen Gerät! Das schreit förmlich nach einer problematisierenden Betrachtung, Dan Hill von »City Of Sound« liefert sie in seinem Artikel »The rise and rise of shuttle mode« (Hervorhebung von mir): »I think the preference for randomness may also be about something else though – the increased preference for collage. Much of the 20th century’s art and culture could be seen as tending towards collage in form (e.g. photomontage, cubism, pop art, tape loops, multitrack recording, hip-hop culture, sampling, mixtapes, Ocean of Sound, filters, quotations, hyperlinking, blogging, Photoshop, layering, aggregators, adaptation, recombination, reappropriation etc.). I think Brian Eno (him again!) said that being a curator was a key late-20thC pursuit: ‘An artist is now a curator. An artist is now much more seen as a connector of things, a person who scans the enormous field of possible places for artistic attention, and says, What I am going to do is draw your attention to this sequence of things. […]’« Der Blogger fügt sich ein in den Kunst-Mainstream unserer Zeit! Sichten, zerschlagen, neu zusammenfügen – der Blogger als Remixer, als Künstler. Alles Collage. Zuviel der Ehre, denke ich. Und die sozialen Auswirkungen der Neukomponierung des digitalen Outputs der Welt mit zufallsgesteuerten Gadgets? Deren Beachtung mahnt Anne Galloway in ihrem exzellenten Artikel »Simplicity, control and lessons from Apple« an.

Intermezzo – Analoges vom Allerseltsamsten: Francis Bacon Image Gallery (via things magazine).

Apropos Analoges im Digitalen Zeitalter: Mike Rohde arbeitet an einem Moleskine für proj: exhibition, eine Ausstellung für »künstlerisch wertvolle« Molekines im nächsten Monat in Hong Kong. Das Bild oben zeigt eine besonders interessante Seite daraus, Mike hat seine digitalen und analogen Werkzeuge zur Verschönerung und Bewältigung des Lebens aufgemalt!
Mike Rohde hat, gemeinsam mit Armand Frasco von Moleskinerie, ein neues Weblog ins Leben gerufen: »Journalisimo«. Motto: »Back to Analog!« Denn allein die reine Hardware-Lösung, Stift und Papier, ist so »ubiquitär«, wie es uns die Philosophen des Internets einst für jenes zugesagt haben. Dass ausgerechnet jene, die zumeist professionell mit und im Internet arbeiten, zunehmend »zurück zu Analog« gehen, spricht Bände. Vgl. Journalisimo: »Paper vs. PDA«.

Nach so viel Problematisiererei brauchen wir noch etwas Erholung: »fire of love« präsentiert Fingerprintz mit Tough Luck, (Zitat) »Sadness, despair and lovesickness that hurts.«
Na, wenn das nix ist, so am Abend … ;-)

Internet Seltsames

Geek Love

Irgendwann schaut sich auch der größte Geek nach einer Gefährtin um, deren Name nicht auf .jpg endet. Das ist nicht so einfach, Geeks sind schließlich besonders harte Fälle. ;-) Scott Rose, der sein Dasein u.a. als Produkt-Präsentator für Apple auf deren Events fristet, hat über die schwierige Suche nach der Einen ein einstündiges Ein-Mann-Stück namens »Scott’s Search For A Rose« geschrieben, das in einem Wired-Artikel (Zitat von Scott Rose daraus) vorgestellt wurde: »It’s a true story about my life as a Mac geek who grew up more comfortable with computers than women. […] It’s a universal tale of searching for love and all the missed opportunities, mistakes and regrets…. It’s a fun show.« Zu sehen leider nur in Hollywood, das ist sicher wie so viele Verarbeitungsversuche über »die selbe Sache und das alte Leid« (Rammstein) recht unterhaltsam.

Irgendwie related: life in mono: »Modern Dating For Beginners«.

Und nur entfernt related (analog ist wirkungsvoller und romantischer ;-)): Journalisimo: »Rhodia Drive«

Fotografie

Robert Capa-Retrospektive in Berlin

Mich dünkt, ich muß schon wieder nach Berlin! Nach der Henri Cartier-Bresson Retrospektive gibt es im Martin-Gropius-Bau vom 22. Januar an mit einer Robert Capa-Retrospektive eine weitere Ausstellung eines meiner absoluten Idole zu bewundern. Capa war ein Weggefährte Cartier-Bressons und gründete mit ihm und weiteren Kollegen 1947 die Bildagentur Magnum, lt. Legende nach ihrer bevorzugten Champagner-Marke benannt. Auch wem der Name Capa nichts sagt, hat zumindest schon einmal sein berühmtestes Bild »Tod eines spanischen Legalisten« (Abb. links oben) aus dem spanischen Bürgerkrieg 1936 gesehen, das in keinem Werk zur Fotografie des 20. Jahrhunderts fehlt. Capa starb 1957 im Einsatz als Fotograf, als er in Indochina auf eine Mine trat. Vgl. zu Capa auch den aktuellen Artikel der FR.

Rundesleder

»Der Ball wird erkennbar flach gehalten!«

Es ist wieder so weit! Die schlimme fußballlose Winterzeit ist vorbei, endlich rollt wieder der Ball auf dem Schirm und man muß nicht mehr komische Gestalten die Ski fahren, in der verschneiten Gegend rum ballern oder Schanzen runter hüpfen ertragen. Warum die ARD uns zum Auftakt mit dem grottigen Langweiler Bayern vs. HSV quälen muß, weiß wohl niemand so genau. Ein wirklich schlimmer Kick in der ersten halben Stunde! Die Überschrift ist übrigens ein Zitat von Reinhold Beckmann von heute Abend, was mich zum schmunzeln animierte. ;-)

Mein Klub, die Borussia aus Mönchengladbach, hat eingekauft, als wäre auch bei kickenden Fußarbeitern die Mehrwertsteuer abgeschafft. Sechs (!) neue Leute hat unser neuer Coach, Brigadegeneral Dick Advocaat, eingekauft. Nicht nur der Kicker fragt sich: »Geht das gut?« Alles andere als ein Platz im Mittelfeld wäre nach dem Kaufrausch (sechs Leute ist schließlich eine halbe Mannschaft) eine Enttäuschung, die jeder wohl an Dick Advocaat fest machen würde. Der General steht enorm unter Druck. Zum Auftakt brauchen wir mal drei Punkte gegen Arminia Bielefeld, um mal ein bißchen Luft im Abstiegsschlamassel zu bekommen. Auf geht’s, VfL!

Momentaufnahme

Anhalten bei der Macht

In der sanft eingeschlafenen Tradition der Bahnbilder: Ein Bild vom Lehrter Bahnhof in Berlin,an dem bekanntlich die Züge selten oder gar nicht anhalten. Das soll in Zukunft anders werden, das wird der protzige neue Großstadtbahnhof, edel und shiny, und wird eines Tages den Bahnhof Zoo als »Ankomm-Bahnhof für Auswärtige« ablösen. Und das dann direkt in der unmittelbaren Nähe der Macht: Wobei die Baustelle der Macht die hinter der Scheibe ist, es könnte ja jemand auf die Idee kommen, das Dingen da auf dem Bahnsteig wäre die rot-grüne Reformkiste …

Und noch one for the weekend: Strangechord: »24 songs for a winter’s chillin’«.
Das ist kein richtiger Permalink, ich weiß nicht wie lange das da rumliegt, gebt also Gas beim wochenendlichen Chillen. ;-)

Lagedernation Seltsames

»In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder«

In der Aufregung des Wochenendes um Bundesliga-Start und nofollow ist eine Meldung untergegangen, die eine angemessene Würdigung verdient, da sie wunderbar zeigt welch’ Geistes Kind man in so mancher Partei ist und mal wieder der Erkenntnis Bahn bricht, dass Rot-Grün gar nicht so schlecht regieren kann, als dass eine Regierung mit Beteiligung der FDP auch nur eine denkbare Alternative wäre.

Daniel Bahr, FDP-Bundestagsabgeordneter und 28-jähriger kinderloser Jungschnösel, las aufmerksam die PISA-Studie und rezipierte die Erkenntnis, dass in Deutschland, so stark wie in kaum einem anderen Industrieland, der Bildungserfolg der Kinder von Einkommen und Bildungsniveau der Eltern abhängt. Nun könnte man, als Politiker, zu der naheliegenden Einsicht kommen, dass, da sich ja niemand aussuchen kann, in welche sozialen Umstände er oder sie hinein geboren wird, es eine Frage der Fairness und Gerechtigkeit in einem demokratischen und sozialen Gemeinwesen wäre, dagegen etwas zu tun, also das eigene politische Handeln in den Dienst der Schaffung einer Chancengleichheit und gleicher Bildungschancen für alle, unabhängig von der sozialen Herkunft, zu lenken. Aber weit gefehlt. Daniel Bahr beobachtete und stellte fest, dass in Deutschland mit dem Kinder kriegen etwas nicht stimmt (Zitat von tagesschau.de): »In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder. Es ist falsch, dass in diesem Land nur die sozial Schwachen die Kinder kriegen.« Genau, so geht das nicht, dass die Unterschicht beständig vögelt und Nachwuchs schafft, und alles auf unsere Kosten, denn, so Bahr, Deutschland gebe viel Geld aus, um sozial schwachen Familien zu helfen. In Wirklichkeit fehlt es aber den Akademikerinnen am Geld. Darum müssen diese Kindermädchen von der Steuer absetzen können. Das hat viele Vorteile. Die Unterschicht findet Beschäftigung als Kindermädchen in höheren Häusern und vögelt nicht so viel, die höher gebildeten Damen können wohlgeplant und gepflegt Nachwuchs machen, und Deutschland, da es nun weniger Prollo-Kinder und mehr Akademiker-Kinder gibt, steht endlich besser da in der PISA-Studie. Genial, oder? So funktioniert Bildungs-Politik à la FDP!

Lesen: tagesschau: »In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder«

Momentaufnahme Musik

Eis und Feuer

Ziemlich kalt in diesen Zeiten in den hessischen Landen! Die Eiskristalle feiern Feste an den Fenstern, der eisige Wind lässt einem den Atem gefrieren, die gefühlte Temperatur liegt so niedrig, dass man sich wünscht, irgendwo unter der glühenden Sonne der Sahara zu sein.

Wärme muß daher von innen kommen, one for the morning:
The Naysayer – »On Fire«

The Naysayer ist eine Dame namens Anna Padgett, die auf grapeJuiceplus vorgestellt wird. Noch mehr zu hören von ihr gibt es auf der Diskographie-Seite ihrer Website, »On Fire« ist mein persönlicher Favorit.