Dezember 2003

Weblogtalk

Oh Montag, Du gefallener Engel!

So viel Licht, und so wenig Netzhaut zur Rezeption. Oh Montag, geboren aus der Hölle des immerwährenden Kreislauf der Zeiten, gefallener Engel aus der Riege der Wochentage, gehe von mir. In der Kaffeekanne schwimmen die Reste des unverkochten Kaffees, als wäre es das Leben selbst, auf der Suche nach dem Ziel. Wie kann schon wieder Anfang sein wenn nie das Ende erreicht wurde? Aber die immerwährende rotierende Maschinerie des Kapitalismus fordert ihren Tribut, drum werfe ich mir den grauen Sack über und stürze mich in die öligen Windungen der Ökonomie, den Sinn werfe ich auf die Gleise, bevor ich mein Schicksal dem stählernen Pfade des roten Feuerroß anvertraue …

Was ich eigentlich sagen wollte: Es ist Montag, und ich habe überhaupt keinen Bock! Warum sagt er das dann nicht einfach, hat der Netzbuch-Schreiber übers Wochenende den Verstand verloren? Nein, Arne fordert im Bloghaus mehr “Schwurbeln beim Bloggen”, daher fange ich schon einmal an … ;-)

Lagedernation

Die Agenda 2010 auf meinem Tisch

Die Agenda 2010


Am Wiesbadener Hauptbahnhof bekam man heute von einer (überaus reizenden ;-)) jungen Dame ein rotes Heftchen in die Hand gedrückt, mit dem Titel “agenda 2010. Deutschland bewegt sich”, natürlich mit einem Vorwort von Gerhard himself. Das klingt sehr authentisch, mit “erstens, zweitens, drittens” führt er auf was zu tun ist, es fehlt nur das “Basta!” unten drunter. Garniert ist das ganze Werk mit Zitaten aus der internationalen Presse, z.b. aus dem Guardian: »In einigen Jahren wird die Entscheidung für die agenda 2010 vielleicht als wichtiger Wendepunkt in der jüngsten europäischen Geschichte gesehen.« Da ist vielleicht etwas Wahres dran, aber möglicherweise anders als sich Gerhard das vorstellt …

In dem Zusammenhang: Im Frankfurter Ostpark sitzt einer auf einer Bank mit `ner Kiste Bier. Was ist das? ist doch klar, eine “Ich AG” bei der Weihnachtsfeier …

Weblogtalk

Jorn Barger ist (aus dem Internet) verschwunden

Eine der Legendengestalten der internationalen Blogosphere, Jorn Barger, Autor eines der ältesten Weblogs überhaupt, Robot Wisdom, ist aus der Blogosphere verschwunden (bei Martin wurde er noch vermisst, das hat sich aber zwischenzeitlich aufgeklärt). Wie den Kommentaren im Metafilter zu entnehmen ist geht es ihm gut, er hat nur keinen Bock mehr aufs Internet. Naja, kommt vor.

Barger ist eine interessante Persönlichkeit, das was man gemeinhin einen “seltsamen Vogel” nennt. Julian Dibbell schrieb im Mai 2000 einen Artikel über Barger, der dann letztes Jahr noch einmal in Rebecca Bloods Sammelwerk “We`ve got Blog” erschien, mit dem Titel Portrait of the Blogger as a Young Man. Das ist einer der Texte der zum Curriculum eines ordentlichen Weblogologen gehört, also lesen wir:

»JORN BARGER IS A COLLECTOR, of a sort — though you wouldn’t know what sort, exactly, from gazing on his worldly possessions. A long-haired, thick-bearded former artificial-intelligence (AI) programmer in his forties, Barger lives in genteel poverty, sharing an apartment with roommates in Chicago’s scruffy West Rogers Park neighborhood. His bedroom once held a lot of books, but he had to sell them off some time ago; the principal fixtures remaining are a secondhand Macintosh with built-in television, a boom-box radio, and a bed. Barger spends his days in the bed, and there — sitting with the Mac’s keyboard in his lap and its monitor beside him — he collects: A color-coded map of the world’s language families. A discussion of the various titles Proust considered and discarded for Remembrance of Things Past. A National Enquirer article on “who’s doing yoga in Hollywood.” A BBC item on the evolution of cooperation among capuchin monkeys. Some photos of Fisher-Price Little People repainted as characters from Futurama. A FAIR analysis of recent mainstream news coverage of the IMF and the World Bank. An oddly evocative Webcam shot from the Jennicam Web site. A tribute to the Spanish-language children’s television show El Club de los Tigritos. A compilation of Noam Chomsky resources on the Web. A detailed list of textual correspondences between James Joyce’s Ulysses and Homer’s Odyssey. A phrase that Barger dreamed last night on the edge of waking.«

Zwei Jahre später hat er nun offensichtlich das Bett verlassen und die Mac-Tastatur beiseite gelegt. Ich bin gespannt ob und wann er wieder auftaucht, dieser seltsame Vogel aus der Blogosphere.

Lagedernation

Der Masterplan

Die Bundesregierung will die Deutschen online treiben und hat zu diesem Zwecke ein weiteres Werk aus ihrer beliebten Reihe “Agendas, Pläne und Initiativen” vorgelegt: Den Masterplan der Informationsgesellschaft (PDF), ein 117 Seiten starkes Konvolut aus dem wir lernen können warum Internet, eHealth und die Fußball WM 2006 alles gut werden lassen. Einige Zitate aus dem Opus:

»Die IuK-Branche gehört heute mit rd. 130 Mrd. Euro Umsatz und etwa 750.000 Beschäftigten zu den größten Wirtschaftssektoren in Deutschland. Nach dem Ende des `Internet-Hype` und Rückgängen bei Umsatz und Beschäftigung in 2002 ist die Talsohle mittlerweile durchschritten. Ab 2004 wird die IuK-Branche wieder wachsen.«
»Auf der Basis der bereits knapp 5 Mio. breitbandigen Internetanschlüsse wollen wir, in Übereinstimmung mit dem EU-Programm zur Informationsgesellschaft eEurope 2005, erreichen, dass Breitband bis 2005 die dominierende Zugangstechnologie wird. Bis 2010 sollen mehr als die Hälfte der deutschen Haushalte über einen Breitband-Internetanschluss verfügen.«
»Bis zum Jahr 2008 sollen 40% aller Unternehmen integrierte eBusiness-Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette anwenden.«
»Bis zum 01.01.2006 wird die elektronische Gesundheitskarte eingeführt. Sie wird der elektronische Schlüssel zur einrichtungsübergreifenden Kooperation aller Beteiligten im Gesundheitswesen sein und eine wichtige Funktion beim Aufbau einer Telematikinfrastruktur haben. Weitere Ziele sind die Realisierung des elektronischen Handels mit Arzneimitteln ab 2004 und die Einführung des elektronischen Rezepts ab 2006.«
»Die Förderung von Open-Source-Software, der Einsatz von Biometrie sowie die Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger gegenüber den Sicherheitsrisiken des Internets sind wichtige Eckpfeiler der IT-Sicherheitsstrategie der Bundesregierung.«
»Ein zunehmendes Problem stellt auch die massenhafte Versendung unerwünschter Werbemails, sog. Spam-Mails, dar. Durch Public-Private-Partnership-Projekte beabsichtigt die Bundesregierung diese Flut von SPAM-Mails bis Ende 2005 effektiv und nachhaltig einzudämmen. Das BSI wird hierzu gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wirtschaft verbesserte Schutzmaßnahmen mit dem Ziel entwickeln, das SPAM-Aufkommen zu reduzieren.«
»Die gute Position Deutschlands bei der Verbreitung und Nutzung der IuK soll in den kommenden Jahren erhalten und weiter ausgebaut werden. Eine Spitzenposition Deutschlands in der globalen Informationsgesellschaft leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung von Wachstum und Beschäftigung und unterstützt so die zentralen Vorhaben der Bundesregierung zur Modernisierung von Arbeitsmarkt und sozialen Sicherungssystemen.«

Na denn, sind wir also gespannt was aus diesen schönen Plänen werden wird!

Weblogtalk

Blogawards: Der Wahlkampf hat begonnen!

[Wählt mich!] Eine nette Idee: Die Blogawards 2003. Ihr wisst ja, wen Ihr zu wählen habt, oder? Ich verspreche hiermit im Falle eines Wahlsiegs freie Trackbacks für alle! ;-)

Jetzt ist natürlich wieder Schluß mit Spaß. Diese Awards könnte man als das hinnehmen was es ist, nämlich ein aus einer Chat-Laune heraus geborenes nettes kleines “Spasseken” zum Jahresausklang, aber im Moment gibt es nichts was mit Weblogs zu tun hat, egal ob BlogTalk 2.0, Chaosradio über Weblogs oder eben die Blogawards, das nicht irgendwo ausgiebigst mehr oder weniger qualifiziert problematisiert wird. Schade.

Das Nicht-Setzen eines Links auf diese “Diskussionen” zu den Blogawards ist übrigens ein bewusster Akt, gemäß der Rebecca-Blood-Meta-Theorie dass der Link (oder eben Nicht-Link) die einzige und schärfste “Waffe” des Webloggers ist. Ich bin ja so ein Theorie-Fan. Okay, freie Theorie für alle verspreche ich hiermit auch noch! Und, weil ich gerade bei den Wahlversprechen bin, packe ich die Schaffung einer virtuellen “Weblogger-Kampf-Arena”, den “Circus Maximus der deutschen Blogosphere”, auch noch dazu, damit man nicht immer nach den qualifizierten “Diskussionen” suchen muß!

Ein letztes noch dazu: Nicos Reaktion auf diese Kalamitäten …

Lagedernation

Hanauer Atomfabrik

Manchmal fragt man sich wofür man eigentlich noch die Grünen wählen soll. Joschka möchte Schröders Deal (taz) nicht verhindern, als hessischer Umweltminister hat er noch anders geredet. Für Deutschland war der Betrieb zu gefährlich, in China ist das egal, würden ja nur ein paar Chinesen drauf gehen. Und gelernt hat unser Gerhard wohl gar nix. Immer das gleiche Spielchen: Es wird in ein diktatorisches Land “Dual Use”-Technologie geliefert, ein paar Jahre später werden dann die Truppen in eben jenes Land geschickt weil es nun “böse” geworden ist. Aktuell zu bewundern bspw. im Irak.

Apropos Hanauer Atomfabrik:

Weblogtalk

Wählen gehen!

Ab jetzt kann gewählt werden: Blogawards 2003 – Das Finale. Meine Wahl behalte ich natürlich für mich, ich muß aber zugeben dass ich mich bei “Weblog des Jahres” nicht entscheiden kann. Die Auswahl, nun ja, sagen wir, sie lässt mich mit dem selben Befremden zurück wie das Ergebnis der letzten Landtagswahl in Hessen. Aber so ist halt die Demokratie. ;-)

Seltsames

Juristen erklären das Internet

Frage: »Was ist der Unterschied zwischen einer Festplatte und einer Harddisk?«

» Es antwortet Liesching, Marc, Das neue Jugendschutzgesetz, NJW 2002, 3281 (3283):

[…] Harddisks – ohne besonderen Aufwand zu entnehmende und transportable Festplatten […]«

Mehr davon gibt es bei Juristen erklären das Internet. Zum brüllen! Aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken, diese Leute entscheiden über persönliche Schicksale, wenn die Damen und Herren Juristen bei anderen Themen, die ich nicht so gut beurteilen kann wie das Internet, ebenso “fachkundig” urteilen und kommentieren, dann möchte ich denen lieber nicht ausgeliefert sein …

(Gefunden bei Markus)

Webworking

Alle CMSe saugen!

Nun habe ich ein paar Tage darauf verwendet nach einem CMS für eine relativ kleine Website zu suchen. Anforderungen: Datenbank (das ist nicht diskutabel, ich will `ne Datenbank und basta! ;-)), schmerzloses Erstellen von Templates und mein XHTML/CSS-Entwurf darf nicht mit Tabellen verhärmt werden. Ergebnis: Nix. Man kann sie alle knicken. Entweder produzieren sie gräßliches HTML in invaliden Tabellenwüsten, oder schreiben Daten in Textdateien, oder man muß sie derartig aufwändig anpassen (um die Tabellenwüsten los zu werden) dass man es gleich selbst bauen kann. Die schlimmsten sind die mit sogenannten “WYSIWYG”-Editoren. Grausam. Kein Wunder dass das Web mit invaliden Codewüsten bestückt ist.

Bevor ich mich bspw. freiwillig durch Typo3 quäle schnappe ich mir lieber Smarty und programmiere das CMS drum herum, Typo3 ist das CMS für Masochisten. Ich kann nicht feststellen wo der Gewinn beim Einsatz dieses Monstrums sein soll.

Also nehme ich doch die pMachine. Braucht man zwar eine “Commercial License”, aber dafür kann man es relativ schmerzlos zurecht biegen. Hätte ich eigentlich gleich drauf kommen können …

Mac

MissingMediaBurner

MissingMediaBurner ist ein freies Brennprogramm für Mac OS X mit einer etwas verschrobenen Benutzerführung. Nichtsdestotrotz spart man damit die Ausgabe für “Löhnware” wie Roxio Toast, wenn einem die etwas sparsamen Brennoptionen des Finders nicht ausreichen.

Mac

iPodhead

Und hier der nicht mal näherungsweise tägliche Mac-Link:
Ein neues Weblog rund um das beste aller tragbaren Behältnisse für digital abgelegte Musik, den Apple iPod, ist iPodhead:

»Hopefully this site will thrive in the months to come and be a location for tips, tricks and reviews involving the iPod. It`s really meant to be a location for people to share insights about their favorite gizmo: The iPod.
We`ll also keep a close eye on the relevant development in iPod news (There is an Expo in less than a month, after all).«

(Via bronski.net)

Seltsames

Carlotta und die Gedankenübertragung

Na sowas, das war Gedankenübertragung, Markus hat wohl auch die Werbepausen der Harald-Schmidt-Show verfolgt ;-), also spare ich mir einen eigenen Kommentar und zitiere:

»Ich glaube, das schmierigste an Werbespots, die z.Z. so im TV laufen, ist der Mon Cheri Spot: Carlotta ist hier… Buah, wenn ich mich in eine solche Szenerie hineinversetzt, bekomm’ ich Herpes …«

In der Tat, ein abartiger Spot, man möchte den schmierigen Typen und die blöd grinsende Dame umgehend mit zermanschten Mon Cheri bewerfen …

Seltsames

Yo!

“I`m going to torment you like it`s a new extreme sport!”

(What is your battlecry?, via itw)

Irgendwie bin ich heute nicht zu ernsthaften Dingen aufgelegt, freitägliche Hirnträgheit hat von mir Besitz ergriffen. Und, ganz gegen meine vorlaute rheinische Natur, verkneife ich mir jeglichen Kommentar zum blogosphärenspezifischen Themenkomplex “Blogwart und Elektrorollstuhl” und linke statt dessen zustimmend nickend auf itw.

Und eingedenk dieser weisen Entscheidung, wünsche ich, mit obigem “Battlecry” auf den Lippen, Euch allen an den Schirmen ein schönes Wochenende! ;-)

Zeugs

Der gläserne Weblogger

Als Weblogger schafft man sich selbst seinen persönlichen “Big Brother.” Meinte meine Mutter doch eben am Telefon: “Jung, geh` nicht immer so spät ins Bett.” Ich natürlich gleich: “Nee, ich doch nicht!” Darauf Mutter: “Doch, wir haben auf Deiner Internet-Seite geguckt, da schreibst Du noch spät irgendwelche Einträge …”

Dabei habe ich den “Timestamp” der pMachine doch extra auf “Swatch-Internet-Time” formatiert, aber Mutter ist halt schlau… ;-)

Weblogtalk

Me too.

Ein hübscher Beitrag von Heiko Hebig: I am blogging:



»I telnetted into virtual mazes, chatted with total strangers, and built my first homepage. There I was. Everyone please look at me. I am relevant. It mattered, even though it was static. Look at my page. I built it myself. […] My life is a continuously updated thread. My opinion is your filter. You can`t turn back time, but you can track back my weblog. I syndicate. I am blogging.«



So war das bei vielen von uns “alten Internet-Hasen”, war schon aufregend die erste eigene Website ins Netz zu stellen. Mit den Jahren stellt sich eine gewisse Gewöhnung ein, aber hey: Wann in der Geschichte der Menschheit konnten sich “normale Menschen”, ohne Medienimperium im Rücken, außerhalb ihres unmittelbaren Umfelds bemerkbar machen? Wir können schreiben was wir wollen, unsere Bilder und Gedanken zeigen, und es interessiert sogar jemanden. Toll, was?


Kling alles banal, ist es aber nicht. Wenn man sich z.B. einmal die Kommentare im Telepolis-Artikel über Weblogs von gestern anschaut, dann findet man dort Paradebeispiele für Leute die nicht verstanden haben worum es geht. “Wen interessiert das”, fragt da ein Neunmalkluger. Viele, ist die Antwort. Das ist es, worum es im Internet geht. Eine Zeitung oder ein sogenanntes “Content-Portal” mehr oder weniger im Web ist völlig irrelevant. Dass die “normalen Menschen” sich bemerkbar machen, das ist relevant, wir sind relevant. In Ländern wie Iran und China haben das die Mächtigen schon begriffen, und ihre ganz eigenen Konsequenzen daraus gezogen. Bei uns dauert es noch etwas, bis auch der Letzte das “neue” Medium Internet verstanden hat. Man ist halt gewohnt, dass nur das wichtig ist was den Stempel “Ich bin eine Nachricht” deutlich sichtbar trägt. Aber auch das wird sich ändern.

Weblogtalk

Weblogs und Eulen

Schon Agent Cooper wusste: “Die Eulen sind nicht was sie scheinen!” Glaubt Ihr eigentlich alles was Ihr in Weblogs lest? Gut, man sollte sowieso nicht alles glauben was man so liest. Gerade in den überaus beliebten Blogs mit ausgiebiger Schilderung von traurigen Schicksalen, Exzessen aller Art und erotischen Eskapaden, habe ich aber manchmal Zweifel der über die normale Skepsis hinaus geht. Das kommt nicht von ungefähr, aus meiner Zeit als Forenbetreuer bei CompuServe weiß ich dass so manche®, der oder die sich im Cyberspace rumtreibt, es mit Identität und Wahrheit nicht so genau nimmt, insbesondere sich anonym herumtreibende Personen. In der amerikanischen Blogosphere gab es bekanntlich schon einen spektakulären Fall, den Kaycee Nicole cancer hoax. Wenn die haufenweise sich bei den Weblogdiensten rumtreibenden latent depressiven Damen mit erotischen und emotionalen Defiziten alle echt sind, wäre es um den Zustand unserer Gesellschaft ja noch trauriger bestellt als man sowieso schon annehmen muß …


Eigentlich ist es aber sowieso egal, denn irgendwer hat mal im letzten Jahrhundert festgestellt: “Im Internet weiß keiner dass Du ein Hund bist – so lange Du nicht bellst.”

Techkram

The Art Of Unix Programming

Geekiger Lesestoff für einsame Stunden vor dem Rechner (von wegen “emotionale Defizite”, siehe letzter Beitrag ;-)): The Art Of Unix Programming, geschrieben vom “Open-Source-Guru” Eric S. Raymond. Wie es sich für einen OS-Guru gehört, erscheint das Opus als normaler Haufen toter Bäume und für “umme” im Web. Ich habe es noch nicht gelesen, aber Joel Spolsky, der sich nach der Lektüre Gedanken macht über die primär “kulturelle Differenz” zwischen Unix- und Windows-Programmierern. Technisch gäbe es mehr Ähnlichkeiten als Differenzen, aber:



»What are the cultural differences between Unix and Windows programmers? There are many details and subtleties, but for the most part it comes down to one thing: Unix culture values code which is useful to other programmers, while Windows culture values code which is useful to non-programmers.

This is, of course, a major simplification, but really, that`s the big difference: are we programming for programmers or end users? Everything else is commentary.«



Ich würde eher sagen: Unix-Programme beschränken sich in der Regel auf eine Aufgabe, die lösen sie aber gründlich. Wenn die zu lösende Aufgabe weitere Aktionen erfordert übergibt man das Resultat an ein anderes Programm für genau diese Aufgabe, usw. Windows-Programme hingegen erfinden stets das Rad aufs Neue, damit der Benutzer vor dem Schirm alles unter einer Oberfläche, innerhalb eines Programms, durchführen kann.




(Via Simon Willison)

Weblogtalk

En vogue: Kreativpausen und Krakeelen

Wie sagte Harald Schmidt gestern abend (aus dem Gedächtnis zitiert)?
“Kreativpause? Was soll denn der Scheiß? Entweder sie haben keinen Bock mehr oder sie bekommen woanders mehr Kohle …”

Thomas` generation neXt macht nun übrigens auch Kreativpause. ;-)

Ich hoffe das wird jetzt kein Trend, dass die lesenswerten Blogs verschwinden und nur die selbsternannten Könige der Krakeeler, egomanische SelbstdarstellerInnen und überaus humorvollen Witzbolde aus den Insektenstaaten samt der sie wie Fliegen die Exkremente umschwärmenden Claqueure in ihren Kommentarspalten übrig bleiben. Und was dann da vorgeht wird anschließend bei den Moes dieser Welt “meta-blogosphärisch” analysiert. Meine Herren, geht mir das alles auf den Sack, wenn ich mal ein wenig vulgär werden darf …

Internet

Süßer die Glocken nie klingen ...

… als zu jeder Viertelstunde in der Stadt des Meerrettichs: »Krach in der Stadt des Meerrettichs« (taz). Und weil im Internet einfach alles umfassend problematisiert wird, gibt es auch das passende Selbsthilfeforum dazu: Das Glockenlärmforum.


Da ja Kirchen in den seltensten Fällen Neubauten sind, ist mir zwar nicht ganz klar wieso man ein Haus neben der Kirche kauft und dann gegen die läutenden Glocken klagt, aber was weiß ich gottloser Gesell` aus der Großstadt schon …


Apropos umfassend problematisieren: Mein absoluter Favorit in dieser Hinsicht ist nach wie vor die Aktion gegen Copy and Paste im Gästebuch

Internet

"Sie sind ein Raubkopierer"

Eine neue Variante des Sober.C-Wurms ist unterwegs, mit humorvollen deutschen Texten, berichtet die futurezone. So etwa von einer “SoKo Internet Downloads” mit dem Betreff “Sie sind ein Raubkopierer.” Oder auch mit dem Text: “Hallo, Du wurdest zufällig von ca. 85.000 E-Mail Adressen ausgewählt, um bei RTL DSDS in der Zuschauer Jury mit zu Voten. Das ganze hat auch noch ein SUPER Vorteil, Du bekommst zusätzlich noch einen V.I.P Ausweis, mit dem du hinter den Kulissen bei den Stars mit dabei sein darfst.” Da war diesmal aber jemand sehr einfallsreich!

Die Polizei Düsseldorf, die in der “Raubkopierer”-Variante als Absender angegeben ist, hat mittlerweile bekannt gegeben dass sie damit nichts zu tun hat.

Nun ja, als Mac und Linux-User kann man solche Geschichten entspannt und amüsiert betrachten. Gewisse LeserInnen können nun wieder böse Emails schreiben, mit dem Tenor dass ich ein arroganter Hund bin weil mir Mitgefühl und Betroffenheit mit den armen Windows-Benutzern fehlen (lacht nicht, alles schon dagewesen!) … ;-)

Zeugs

Glückliche Weihnachtsbäume erzählen

Also, heute war das so: Gestern abend, da war ich einen trinken, weil ein Freund Geburtstag hatte. Obwohl den gesellschaftlich akzeptierten Rauschmitteln nicht über das gesunde Maß hinaus zugesprochen wurde, war mir heute Mittag, nach dem vormittäglichen Genuß von zwei Tassen schwarzen Kaffee und zwei Lucky Strike, irgendwie ein wenig flau zu Mute. Also wurde als Gegenmaßnahme beschlossen: Wir gehen mal ein wenig an die frische Luft. Da es sich außerdem ergeben hatte, dass ein wenig Schnee auf den Freudenberg zu Wiesbaden gerieselt war, bewaffnete ich mich mit der Kamera, denn solcherart seltene Ereignisse müssen für die Ewigkeit dokumentiert werden.
Also spazierte ich da so daher, knippste dieses, knippste jenes, als ich an der Weihnachtsbaumplantage vorbei kam. Diese standen recht fröhlich in der Gegend herum, was mich arg verwunderte, darum quatschte ich sie einfach mal an: »Ey, Weihnachtsbäume, was seid Ihr denn so gut drauf?« »Ha«, antwortete ihr Anführer, »für dieses Jahr sind wir noch mal davon gekommen. Wir stehen hier noch fröhlich auf Wurzeln im Schnee, während einige unserer Kumpels abgeschlagen und verkauft wurden. Die armen Schweine stehen nun in irgendwelchen Wohnstuben, müssen sich beleidigen lassen. Ist doch immer das selbe, zu groß, zu klein, zu krumm, zu wenig Äste, zu viele Äste – diese zweibeinigen Monster haben doch ständig etwas an uns auszusetzen. Und dann, nach dem man zwei Wochen, in affiger Kostümierung mit Lichtern, Kugeln oder gar Lametta behangen, in der Gegend rum gestanden und sich das ganze dumme Gesülze zu Weihnachten anhören musste, wird man brutal die Treppe runter gezogen oder gar vom Balkon geworfen und endet in einem Müllauto. Ist das vielleicht erstrebenswert?« »Nee, weiß Gott nich«, antwortete ich. »Mach mal ein Foto von uns, aber zackig!«, befahl der Anführer der Weihnachtsbäume. Ich tat wie mir befohlen war, in mir erwachte der Starfotograf. »Jetzt mal weg mit den Klamotten, ich mach` Euch zu Stars« rief ich den Weihnachtsbäumen zu. Sie posierten, liefen fröhlich herum, und die jugendfreieste Variante der Fotos der nackten glücklichen Weihnachtsbäume ziert nun anläßlich der Jahresendzeitfestivitäten den Kopf des Netzbuchs. Zum Abschied riefen sie noch: »Dann mach es mal gut, Alter, und veröffentliche unsere Fotos. Und schau mal wieder vorbei, bevor es zu spät ist, denn Du weißt, Weihnachten kommt auch nächstes Jahr, und wer weiß wen die Axt dann trifft. Fröhliche Weihnachten!«

Mac

Powerbook-Lüfter und Safari-Tabs

Und nun noch etwas komplett unweihnachtliches, zwei der sowieso nie täglichen Mac-Links:

Powerbook-Lüfter: Wer sein Powerbook auf 10.3.2 “upgedated” hat wird bemerkt haben: Der Lüfter des 12`-Powerbooks springt nun früher an, was in einer sonst ruhigen Umgebung störend wirkt, denn man ist ja vom “lautlosen Computern” mit dem Powerbook verwöhnt. Auf tepasse.org wird beschrieben wie man diese Änderung mit ein wenig Bastelei in den Eingeweiden von Mac Os X wieder los wird (via itw).

Safari-Tabs: Mir geht es ähnlich wie Stefan von my two cents: Da ich das Powerbook eigentlich nur nach Systemupdates herunter fahre “leben” in meinen Safari-Tabs allerlei Dinge die ich noch lesen, bloggen, notieren oder sonst wie verarbeiten möchte. Da es aber mal vorkommen kann dass man hurtig auf Apfel-Q statt auf Apfel-W tippt oder eine mißratene Website den Safari killt, sind die ganzen Tabs stets in latenter Gefahr verloren zu gehen. my two cents beschreibt wie man seine Tabs mit AppleScript sichern und auf einen Schlag wieder einlesen kann. Wird bei Gelegenheit ausprobiert, das muß man einfach haben! (Via fscklog)

Zeugs

Frohe Weihnachten!

Nun steht also tatsächlich schon wieder Weihnachten vor der Tür! Dabei war das doch erst letztens. Aber der Kalender lügt nicht! Da bleibt mir also nur das Reaktivieren der Schneeflöckchen, ist ja Weihnachten, und Euch allen da draußen an den strahlenden Glasscheiben und pixelnden Plastikfolien friedliche, entspannende und dezent verschneite Weihnachtstage zu wünschen, esst nicht so viel und lasst Euch angemessen beschenken!

Ich werde gleich das große rasende weiße Ungeheuer der Bahn AG besteigen und die Weihnachtstage “offline” in den heimatlichen Gefilden des Rheinlandes verbringen, also bitte während der Feiertage keine Weblogdiskussionen anfangen zu denen ich mich äußern müsste. ;-)

Zeugs

Dem Server ...

… der wo da so irgendwo steht und den ganzen Tag das Netzbuch servt, dem geht es derzeit gar nicht gut. Abhilfe ist in Sicht, das ganze ralle-Netz-Paket wechselt demnächst den Host (bleibt aber in der Familie), etwaige Ausfallzeiten des Netzbuchs sind also keiner modischen Kreativpause geschuldet, sondern ein Opfer welches dem digitalen Götzen aus Silizium gebracht wird!

Techkram

Auf der Suche nach dem ultimativen RSS-Reader

Da so ein RSS-Reader ja doch irgendwie praktisch ist, habe ich mich nun auf die Suche nach dem ultimativen Reader gemacht.

Erster Versuch war Feed On Feeds (FoF), ein Bündel PHP-Skripte dass man sich auf den Webserver wirft und dann im Browser die Feeds liest. Leider ist FoF ziemlich unübersichtlich (man kann z.B. die Feeds nicht in Kategorien einsortieren) und (zumindest auf dem Webserver “draußen”) nicht gerade ein Rennpferd, außerdem klickt man sich ziemlich einen ab und scrollt ständig wie ein Weltmeister. Ich kann im Vergleich zum konventionellen “Blogroll-Anklicken” keinen Gewinn (an Zeit, Übersicht und was auch immer) sehen, ob ich jetzt im Browser die FoF-Seite mit den Einträgen aufrufe oder gleich das Blog im “Original” lese macht IMHO keinen Unterschied. Vergessen wir also ganz schnell, bye bye, FoF!

Da ich ja ständig mein Powerbook mit mir herum trage kam mir nun die Idee, dass es doch ganz praktisch wäre einen RSS-Reader zu haben den man “richtig” offline nutzen kann und der etwas mehr Komfort bietet, als da wäre die Quellen in Kategorien einzusortieren (und diese Kategorie dann auch akkumuliert anschauen zu können), automatisch einen gelesen Eintrag als “gelesen” zu markieren, und, das Sahnehäubchen, gleich einen Eintrag für das Blog aus dem Reader heraus generieren zu können. Also eine Art “Radio Userland” mit pMachine-Anbindung.

NetNewsWire verspricht genau das (zumindest in der “Löhnware”-Version) zu können, also wurde er flugs mal “downgeloadet” und installiert. Der “Reader-Part” funktioniert ganz ausgezeichnet und fast so wie ich mir das vorstelle, aber der “Weblog-Posting-Editor” mag nicht so recht mit der pMachine zusammenarbeiten, ein Phänomen das durch einen Blick ins pMachine-Forum bestätigt wurde (liegt also nicht an meiner Unfähigkeit ;-)). Schade! Kann jemand aus dem illustren Kreis der verehrten LeserInnen des Netzbuchs einen anderen RSS-Reader für Mac OS X aus eigener Erfahrung empfehlen?
Sonst müsste man glatt AppleScript lernen und etwas basteln für die pMachine-Anbindung, denn die “Löhnversion” des NetNewsWire kann geskriptet werden.

Generell zum RSS-Lesen: Man bemerkt schon gewaltige Qualitätsunterschiede der Feeds, lästig sind die (wie leider auch mein eigener, pMachine-generierter Feed) die nur Schlagzeilen oder ein paar Worte des Eintrags anbieten, wenn man gerade im Zug sitzt mit dem Notebook auf dem Schoß kann man ja schlecht mal eben die Website anklicken wenn man den gesamten Eintrag lesen möchte. RSS ist eine gute Idee, aber an der Ausführung kann noch einiges verbessert werden!

Zeugs

Altes Jahr - neues Jahr

»Ist dies der dumpfe Klang, mit dem die Zeit begann?
Ich habe Angst zu sehen sie könnte nie vergehen!
Die Welt ein Schattenbild
Verlangen ungestillt.
Ein blinder Menschentraum
Verloren in Licht und Raum.

 
Ich hab den Tod der Sonnen gesehen!
Sie waren von blau so kalt….
So wunderschön!«

(Wolfsheim “A new starsystem has been explored”)

Verehrte FreundInnen des wortreichen Bloggesangs, ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr, mögen alle Eure Wünsche und Hoffnungen für 2004 in Erfüllung gehen!

Und bloß keine guten Vorsätze, bitte, diese Jahreswechsel haben immer die Tendenz in ihrer lediglich zeitordnenden Symbolik als Abschluß und Neubeginn mißinterpretiert zu werden, dabei dreht sich das Universum in all seinen Dimensionen von Zeit und Raum weiter als wäre nichts geschehen und kümmert sich einen Dreck um von Menschenhand geschaffene Zeitordnungssysteme …

Zur Einstimmung könnt Ihr schon einmal in der taz lesen was 2004 alles schlechter wird (via Linkdump) …