September 2003

Zeugs

Sie sind wieder da!

Nichts böses ahnend macht man sich, wie immer per ÖPNV, auf den Weg zur Arbeit, und was fällt einem sofort ins Auge? Sie sind wieder da, kleine mißratene lärmende Monster mit waffenscheinpflichtigen Rucksäcken. Oder, kurz gesagt: Die Schulferien in Hessen sind beendet, die schöne Zeit in Bus und Bahn ist wieder vorbei. ;-)

Techkram

Die IT-Abteilung als Problem

Ein Nachtrag vom Wochenende: Die von Wil ausgegrabenen Artikel von John Gruber auf Daring Fireball sind es wert dass man sie dokumentiert, eine derartig brilliante Abrechnung mit der “Corporate IT” habe ich noch nie gelesen!


Zunächst Good Times: »Microsoft’s Outlook has been exploited by virus authors so frequently and so effectively that I dare anyone to dispute that it’s the worst email client ever, anywhere. The worst. But yet it is also the most popular.

So what explains this discontinuity, that the worst email client ever made is also the most popular? The solution is to ask whom Outlook is good for. It’s not good for the world at large, as witnessed the problems caused by each Outlook virus outbreak. (Perhaps Outbreak would be a better name for the product, in fact.) Nor is it good for the lowly user. […] Outlook and Exchange are very good to one class of people: IT.«


So ist es. IT-Abteilungen drücken den Firmen so ein Zeugs aufs Auge, dann haben sie zum einen immer etwas zu tun und zum anderen ihren “Arsch abgesichert”, nach dem Motto: Niemand wurde je gefeuert weil er Microsoft gekauft hat.


Bitterböse ist auch folgendes Zitat: »The corporate IT field is in large parts comprised of men who are not smart enough to program, but yet wanted a career in computers.«


In einem Follow-Up namens Dynomite! legt John noch einen drauf: »Incompetent IT professionals are genuinely convinced that PCs are inherently so complicated that they cannot be expected to perform with high-reliability and low maintenance. All over the world, this very week, they are being asked by frustrated friends and family, Why is my email riddled with messages from this virus? And they are responding, with authority and confidence, Trust me, I’m a professional, this is just how it is. You string together a few million computers on a network and this sort of thing is inevitable.

They (the incompentent IT drones) aren’t lying. They believe it. They believe it because they don’t really understand computers — they just know Windows.«

Musik

Dip dip dip dibbi dip dip dip

Gestern abend, ziemlich müde auf Couch abhängend, schaltete ich noch ein bißchen auf der Fernbedienung herum, über die einschlägigen Musikkanäle. Deren Programm war so gut dass ich auf der Couch eingenickt bin. Es geht doch nichts über mediale Schlafmittel!

Irgendwann, so gegen halb drei, werde ich wieder wach, und auf dem Bildschirm gröhlt ein blonder Typ mit einem saudummen Gesichtsausdruck: “Dip dip dip dibbi dip dip dip.” Jäh bin ich glockenwach, was mir den Schlaf geraubt hat war die neue Single der Prolo-Techno-Band Scooter. Mit der gleichen Faszination, die einem eine von einem Zug zerquetschte Taube auf den Bahngleisen trotz eines kaum zu unterdrückenden Ekelgefühls betrachten lässt, schaue und höre ich mir das grausige Treiben an und kann es kaum glauben dass jemand solch einen proletigen Vulgärtechno schön finden kann. Immerhin, mit den Refrains haben sich Scooter nun der Intelligenz ihrer Zielgruppe angepasst (von wg. “dip dip dip dibbi dip dip dip”). Ich mache den Fernseher aus, gehe ins Bett, träume schlecht und verschlafe heute morgen. Kein Wunder, wenn man von Scooter aus dem Couch-Schlaf gerissen wird …


Jetzt denke ich so bei mir: Welches ist eigentlich die peinlichste aktive Band Deutschlands?

Also eine Kapelle, für die man sich so richtig schämen muß wenn man öffentlich verkündet dass man eine Platte von denen besitzt, oder gar Anhängerschaft bekennt! Ist es Scooter, oder vielleicht doch die Vokuhila-Combo Pur?

Seltsames

Rheinländer! Auf ihn mit Gebrüll!

Michael Rudolf legt sich im Feuilleton der Frankfurter Rundschau mit uns Rheinländern (ich wohne nur in Wiesbaden, aber bin gebürtiger “Düsseldorfer Jong”) an:

»Womit der Rhein seit Wochen geizt, das verschwenden die rheinischen Brauereien: Flüssigkeit. Und mit ihr das Verderben. Alles, was ein Bier nicht braucht, haben Kölsch und Altbier im Übermaß: schlammige Säure, verbrannte Aromen, Schaumperlen, so groß wie Janis Joplins Brillengläser, prähistorische Hopfenauszüge. Und der Alkohol entstammt einer toxischen Fünfminuten-Terrine aus Gärungsnebenprodukten und Kölnisch Wasser, beziehungsweise aus der Niedrigwasseraufbereitungsanlage. Die einzige Anpassungsleistung der rheinischen Population scheint es zu sein, der nichtrheinischen Welt zu beweisen, diese liquiden Appetitnachzügler seien kein Gift.«

Erst einmal: Man kann nicht Altbier, den edelsten und vollkommensten aller Gerstensäfte, aufs übelste Verunglimpfen indem man es als “liquiden Appetitnachzügler” bezeichnet und dann auch, viel schlimmer, mit dem Gebräu des seltsamen Völkchens was rund um die große Bahnhofskirche am Rhein siedelt, dem Kölsch, in einen Topf werfen!

Weiter: »Schließlich ist der Rheinländer genuin expansiv disponiert. Seine Bonner Ultras sind schon nach Berlin umgezogen, die Popkomm bald dito. Und seine Lautsprecher Wolfgang Niedecken, Britta von Lojewski und Dieter Gorny sind nach wie vor auf freiem Fuß. Dass unsere Vergeltungsmaßnahmen bislang ruhen, interpretiert er womöglich als prinzipielles Einverständnis mit seiner Rheinkultur, ja unter Umständen sogar als Anerkennung. Vielleicht wird unser Zaudern auch als Schwäche ausgelegt. Wir sollten dringend etwas unternehmen.«

Das ist nun wirklich nicht mehr fair, alle Rheinländer mit dem “Südstaat-Dylan” Niedecken zu identifizieren ist gemein, mit der Zeitung in der Hand musste ich bitterlich in der S-Bahn weinen als ich das las. Zur Strafe wird die FR nun zwei Tage nur “für umme” im Internet gelesen. Das haben sie nun davon! ;-)

Internet

Linkhub

Neu: Mozilla Thunderbird 0.2. Derzeit bei mir im Intensivtest, weil auf all meinen Systemen (Linux, MacOSX, Windows) verfügbar und man kann, als zukünftiger Standardmailer des Mozilla-Projekts, in der Zukunft noch einiges erwarten (via Heise).

Linus Torvalds über SCO: »They are smoking crack« (futurezone).

Bloggerin Sanníe hat, wissenschaftlich bewiesen, die beste Politiker-Website in Schleswig-Holstein gebaut. Glückwunsch! Die Studie zur Nachricht gibt es bei Politik und Kommunikation, in handliche PDF-Häppchen zerhackt. Die Studie hat es bis in Spiegel Online geschafft.

Heise: Verhärtete Fronten im Streit um EU-Software-Patente (via SWR). Apropos, verehrte LeserIn, schon die Petition for a Software Patent Free Europe unterzeichnet?

Lagedernation

Bruder Johannes geht - Floskel-Zeit kommt

“Respekt vor dem Amt …” – “Die Nachricht wurde allgemein mit Respekt aufgenommen …” – “Das Amt darf nicht beschädigt werden …” – “Beobachter meinen …” – “Nach Ansicht von Beobachtern …”

Ich kann gar nicht ausdrücken wie mir diese ständigen Floskeln auf die Nerven gehen. Was man nach Bruder Johannes` angekündigten Rückzug lesen, schauen und hören durfte war ein tiefer Griff in die Kiste der abgedroschenen Satzbausteine des gemeinen Polit-Journalismus. Man sollte den Damen und Herren Berichterstattern in Berlin ihre Laptops rechts und links um die Ohren hauen.

Und wer sind bloß diese ominösen “Beobachter”, die ständig zitiert werden? Hängen in der Berliner Kanalisation Gestalten herum und stecken was sie sehen und hören den Journalisten zu?
Oder ist es nicht eher so dass Herr oder Frau Journalist um Recherche und Quellenangabe herum kommt wenn er oder sie einfach irgendwas aufschnappt, weiterfabuliert und sich dann auf die dunklen “Beobachter” (oder “informierte Kreise”) bezieht?

Seltsames

Dummschwatz der Woche: Standort-Schädlinge

Entschuldige die Urheberrechts-Verletzung, liebe Frankfurter Rundschau, aber der folgende Text ist es wert dass er hier in Gänze zitiert wird:

»Die Castingshows im deutschen Fernsehen bringen nach Ansicht eines Staatssekretärs die Jugendlichen auf eine falsche Spur und seien `Gift für die Wirtschaft`. `Ich bin im Augenblick richtig sauer`, sagte Christoph Matschie (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. `Wir versuchen alles, um die Ausbildung der Jugendlichen nach den Ergebnissen der Pisa-Studie zu verbessern. Die TV-Shows zerstören diese Ansätze.` Jeder kenne im Augenblick Namen wie Dieter Bohlen oder Daniel Küblböck. Der letzte Nobelpreisträger oder erfolgreiche deutsche Unternehmer oder Erfindungen seien dagegen kaum bekannt. `Auch die Privatsender sind aufgerufen, mehr Verantwortung zu tragen, zumal jeder Zehnte ohne Schulabschluss dasteht und jeder Vierte die Ausbildung abbricht`, sagte Matschie«(Frankfurter Rundschau).

Ein guter Text, aber es waren einige Fehler drin, hier die korrigierte Fassung:

»Die Polit-Talkshows im deutschen Fernsehen bringen nach Ansicht eines Staatssekretärs die Jugendlichen auf eine falsche Spur und seien `Gift für die Wirtschaft`. `Ich bin im Augenblick richtig sauer`, sagte Christoph Matschie (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. `Wir versuchen alles, um die Ausbildung der Jugendlichen nach den Ergebnissen der Pisa-Studie zu verbessern. Die Polit-Talkshows zerstören diese Ansätze.` Jeder kenne im Augenblick Namen wie Guido Westerwelle oder Wolfgang Clement. Der letzte Nobelpreisträger oder erfolgreiche deutsche Unternehmer oder Erfindungen seien dagegen kaum bekannt. `Auch die öffentlich-rechtlichen Sender sind aufgerufen, mehr Verantwortung zu tragen, zumal jeder Zehnte ohne Schulabschluss dasteht und jeder Vierte die Ausbildung abbricht`, sagte Matschie«

Weblogtalk

Weblogs und Journalismus ...

… mal wieder, in der deutschen Ausgabe von “Le Monde Diplomatique”, die als Monatsbeilage der taz erscheint: »Salam Pax, Warblogs und andere Online-Tagebücher«

Salam Pax und die Rolle der amerikanischen Pro- und Contra-Warblogs im letzten Golfkrieg werden als Aufhänger zu einer Betrachtung von Weblogs und ihrer Rolle als eine webspezifische Form des Journalismus verwendet, mit dem Fazit:

»Aber es wird wohl dabei bleiben, dass für die bekannteren Autoren die Veröffentlichung eines Buchs oder einer Zeitungskolumne lukrativer ist. Und was Journalisten anbelangt, die selbst ein Blog führen, so werden sie dafür nur selten bezahlt. […] Blogging erscheint also als eine internetspezifische Form der Erzählung. Blogs erzählen mit einem guten Schuss Narzissmus die fragmentierte und globale Geschichte unserer Zeit. Wenn die Journalisten eine Rohfassung der Geschichte schreiben, so haben die Blogger offensichtlich einen Raum erschaffen, in dem die Geschichtsschreibung die ersten Silben formt.«

Schön gesagt, nicht wahr? Einer der lesenswerteren Zeitungs-Artikel über Weblogs!

(Gefunden beim Schockwellenreiter)

Webworking

OpenPHPNuke Version 1.0.0

OpenPHPNuke: »OpenPHPNuke (OPN) ist ein Open Source Web Content Management System (WCMS), das Ihnen bei der Erstellung, Verwaltung und Pflege von Inhalten im Internet oder auch im Intranet hilft. Sie können mit OPN Ihre Homepage, ein Portal oder auch andere Ideen im Internet realisieren.« Und dieser Tage in Version 1.0.0 erschienen.

(Via EasyWeb4All-Mailingliste)

Zeugs

Celebrating nothing

Heute ist es nun auch mir passiert. Nichts was ich heute im Web gesehen habe erscheint mir “bloggenswert.” Und ich habe auch nichts besonderes erlebt. Nix, nothing, rien, nada. Da klappe ich also das Powerbook auf, denke mir, “so, jetzt wird `ne Runde gebloggt”, aber nix. Okay, ich könnte jetzt auch jubilieren über neue Apple-Gagdets, aber wen interessiert das schon. Über Rudi ist schon alles gesagt, und ansonsten ist die Welt das selbe Jammertal der Ungerechtigkeit dass sie gestern und vorgestern auch schon war. Auch nix Neues, also. Was macht man denn da? Man hört Musik,und bekommt die Erleuchtung:


You just gotta sit your self down

To contemplate

You get yourself a nice cold beer

And drink yourself away

You`re celebrating nothing

And you feel a-okay

You`re celebrating nothing

And you feel a-okay


(Filter Welcome to the fold)


Okay, das nehmen wir heute mal als Handlungsmaxime. Powerbook zu. Kühlschrank auf. Cheers! ;-)

Musik

Rammstein als klassischer Liederzyklus

Nun liebe Kinder gebt fein acht

ich bin die Stimme aus dem Kissen

ich hab euch etwas mitgebracht

ein heller Schein am Firmament

Mein Herz brennt


(Rammstein Mein Herz brennt)



Harte Töne und Klassik passen ja ganz gut zusammen, man erinnere sich z.B. an die Werke von Rage mit dem “Lingua Mortis Orchestra”, oder an die “S&M”-Scheibe von Metallica. Die Dresdner Sinfoniker wollen nun einen ganz neuen Weg gehen, nämlich Texte von Rammstein als klassischen Liederzyklus à la Mahler oder Schubert vertonen und dann “performen”, wie man so schön neudeutsch sagt, schreibt die Welt (ist der Newsticker, wird also sicher bald verschwunden sein). Das Ergebnis kommt am 20. Oktober in ganz Europa auf den Markt und soll den Titel “Mein Herz brennt” tragen.


Da bin ich sehr gespannt drauf, denn ich gestehe hiermit öffentlich ein Rammstein-Fan zu sein (manchmal brauche ich das einfach ;-)). Den Initiator, Jazz-Musiker Sven Helbig, erinnern die Rammstein-Texte an Hermann Hesse oder Charles Baudelaire. Nun ja, das ist wohl ein wenig übertrieben. Ob sie wohl auch Stücke wie Weißes Fleisch oder Bück Dich in den Zyklus aufnehmen werden?

Seltsames

Stabiles Powerbook

Eine aberwitzige Story gibt es bei Ryochiji zu bewundern: Er stellte seine Notebook-Tasche mit seinem Powerbook drin neben seinem Auto, so ein amerikanisches Geländewagenmonstrum, ab, vergaß es und fuhr mit dem Vorderrad über die Notebooktasche. Und das Powerbook ist nur ein bißchen zerbeult, hat ein paar Pixelfehler auf dem Display, aber funktioniert noch! Schreibt er zumindest, und liefert die Beweisfotos gleich mit …

(Gefunden im fscklog)

Zeugs

Atome und Bits

Nicholas Negroponte verkündete in seinem Buch “Total Digital” ja schon in den 90er Jahren das Ende der gängigen Praxis Informationen, die elektronisch vorliegen (Bits) auf Papier (Atome) zu packen und dann unter Verschwendung von Rohstoffen, Energie und Arbeitszeit massenhaft unter das hoffentlich interessierte Volk zu senden. Ganz zu schweigen von den Prophezeiungen des “papierlosen Büros” am Anfang der “PC-Ära” in den 80er Jahren.

Wir schreiben nun 2003, und Bits auf Atome packen habe ich die letzten beiden Tage gemacht. Die Mühlen der Unternehmenskommunikation mahlen halt langsam. Dabei haben meine Kollegen und ich Serienbriefe “backen” mit Word und in einer Excel-Tabelle gefangenen Daten aus meiner MySQL-Datenbank hassen gelernt, für das nächste Mal werde ich nun eine eigene Lösung unter Linux stricken. Was mich in meiner Abneigung gegen diesen Microsoft-Office-[unfeines Wort freiwillig entfernt] natürlich mal wieder bestärkte. ;-)

Linux

Linux beliebtestes Cracker-Ziel

Pro-Linux: »Die neueste monatliche Analyse der Firma mi2g sieht Linux-Server weiterhin als beliebtestes Angriffsziel von Internet-Kriminellen. […] Einen Grund dafür, warum die Zahlen für Linux so hoch sind, lieferte die Firma bereits selbst in ihrer früheren Analyse: Linux wird angegriffen, weil es die dominierende Plattform im Serverbereich ist. Bei einem Anteil von Apache von fast 70 Prozent aller Webserver kann man von einem entsprechenden Anteil von Linux ausgehen, auch wenn einige dieser Apache-Server unter Windows oder BSD laufen.«

Das ist eine erstaunliche Aussage, finde ich, zumal die Zahlen von mi2g nicht nachprüfbar sind.

Zeugs

1.000 !

Das ist nun ein Netzbuch-historischer Eintrag, nämlich der 1000.!

[Bild: 1000 Einträge]



Als ich mit Bloggen anfing hätte ich nicht gedacht dass ich so eine Ausdauer an den Tag legen würde! ;-)

1059 Musikindustrie Das Raffzahn Pamphlet


layout: post_netzbuchtitle: ‘Musikindustrie: Das “Raffzahn-Pamphlet”’date: 2003-09-17 22:26:00+0200categories: Musik tags: source: netzbuchpermalink: /netzbuch/1059/musikindustrie-das-raffzahn-pamphlet/—-

Heise berichtete die Tage über die Absicht der Musikindustrie das Recht auf Privatkopie weiter einzuschränken. Man sollte sich mal ein wenig selbst quälen und das im Heise-Artikel erwähnte Positionspapier des Interessenverbandes der Phonographischen Industrie (aka “Raffzahn-Pamphlet”, PDF) vollständig lesen, danach ist dem interessierten Betrachter klar wo der Hase hin läuft, oder besser gesagt, hin laufen soll.

Als erstes wird mal kräftig auf die Tränendüse gedrückt (alle Zitate s.o.): »In den letzten Jahren hat die deutsche Tonträgerwirtschaft durch das `Brennen` von CDs und Internet-Piraterie rund ein Drittel des gesamten Marktes eingebüßt. Bereits 1999 und 2000 lagen die realen Umsatzrückgänge bei 3,5% und 4,1%. In 2001 (minus 12,7%) und 2002 (minus 12,6%) nahm die Entwicklung existrenzbedrohende Ausmaße an. Für das Jahr 2003 werden sogar Umsatzeinbußen von fast 20% erwartet. Arbeitsplatzabbau (in den vergangenen zwei Jahren haben rund 3.000 Menschen ihren Arbeitsplatz in der Branche verloren) und sinkende Investitionen in neue Tonträgerproduktionen sind die unmittelbaren Folgen.« Bereits an dieser Stelle musste ich meine Lektüre unterbrechen und meine tränenverhangenen Augen trocknen lassen …

Die Lösung für diese herzzerreissende Situation wird ein paar Absätze später präsentiert: »Ein Festhalten an der bisherigen Struktur der so genannten Privatkopie ist im Musikbereich nicht mehr sachgerecht. Bespielbare CDs sind nicht einfach nur die moderne Form der MC. Zum ersten Mal ist es möglich, einen perfekten Klon, den identischen Zwilling einer CD mit allen Eigenschaften des Originals herzustellen. […] Die Zulässigkeit von analogen Vervielfältigungen erscheint für die Befriedigung rein privater Bedürfnisse ausreichend. […] Auch ein etwaiges Interesse an einem Zugang zu Kulturgütern darf nicht automatisch mit einem Recht auf freies Kopieren gleichgesetzt werden. Es existieren heute mehr Quellen für den Genuss (geschützter) Inhalte als je zuvor: Neben der Möglichkeit des legalen Erwerbs einer CD oder der Nutzung eines Online-Angebotes denke man nur an das omnipräsente Radio, Webcasting-Angebote im Internet mit einer Vielzahl verschiedener Musikprogramme sowie die zahlreichen unverschlüsselten Fernsehprogramme.«

Genau! Ich brauche nicht meine CDs digitalisieren und mit mir rum zu tragen, ich kann ja überall Radio FFH empfangen. Und wenn ich das doch will? Tja, dann soll in Zukunft für jedes Stück Musik mehrfach gelöhnt werden, wg. seiner Bedeutung zitiere ich den folgenden etwas länglichen und sprachlich grausigen Absatz fast komplett:

»Es mag zwar auch zukünftig noch so sein, dass eine Durchsetzung des Exklusivrechts gegenüber Privaten faktisch nur schwer möglich ist. Möglich ist aber eine Durchsetzung mittels technischer Sicherungsmaßnahmen (Kopierschutz). Gestärkt durch ein Exklusivrecht wären die Rechteinhaber in der Lage, mit Geräteherstellern über wirksame bilaterale Schutzmaßnahmen zu verhandeln. Bilaterale `intelligente` Kopierschutzsysteme können zukünftig die Möglichkeit bieten, private Vervielfältigungen gegen Vergütung (individuell) zuzulassen. Ein Modell für ein System der individuellen Ermöglichung und insbesondere auch Vergütung der privaten Vervielfältigung könnte folgendes `Wertkarten-Modell` sein: Die Kopierschutztechnologie gibt das Original-Produkt nur unter bestimmten Voraussetzungen zum Kopieren frei. Eine solche Voraussetzung könnte der Erwerb einer `Kopierlizenz` sein, die etwa in Form eines `Wertchips` als `Smartcard` von Endverbrauchern ebenso anonym erworben werden könnte wie heue eine Telefonkarte. Möglich ist auch der `Verkauf` von Privatkopien an speziellen Brennstationen im Handel. Weitere Modelle sind denkbar: So könnte die Zulassung einer Kopie davon abhängig gemacht werden, dass das Offline-Medium nicht bereits kopiert worden ist. Dieses Modell setzt voraus, dass auf dem Offline-Produkt Informationen zur Kopierbarkeit und zu der Zahl der bereits durchgeführten Kopiervorgänge gespeichert werden können. Gleichzeitig muss die Hardware diese Informationen abrufen können und die Vorrichtung zur Abbuchung eines bestimmten Betrages von der Wertkarte enthalten. Möglich ist ferner, mit dem Original-Tonträger den Zugang zu einem Online-Download-Angebot zu eröffnen, aus dem sich der Kunde die Musikaufnahmen (z.B. auf seinen MP3-Player) herunterladen kann. Eine weitere Option könnte darin bestehen, durch hard- und softwaregestützte Schutzsysteme abgegrenzte `Haushalts-Freiräume` zu schaffen, innerhalb derer das Kopieren unbeschränkt möglich wäre, wobei allerdings diese Kopien auf Geräten, die nicht zum (elektronisch identifizierten) Haushalt gehören, unabspielbar wären.
Diese Modelle zeigen, welche Möglichkeiten die Rückführung der Privatkopie in ein Exklusivrecht bietet: ein Markt für Privatkopien würde eröffnet. Produkte mit verschiedenen Kopieroptionen (zu unterschiedlichen Preisen) könnten angeboten werden, so wie es im Online-Bereich bereits heute der Fall ist […]. Anstatt den Primärmarkt – wie bislang – zu substituieren, würde (auch zum Vorteil der Verbraucher) ein neuer (ergänzender) Markt eröffnet.«

Gute Idee, nicht wahr? Ich kaufe `ne CD. Wenn ich Glück habe läuft die in meinem CD-Player. Nun möchte ich auch eine Kopie ziehen auf MiniDisc oder den vielleicht mal vorhandenen “coolen” iPod, dann muß ich entweder eine “Wertkarte” kaufen und darf es dann einmal kopieren, oder in meinem Computer läuft eine Kontrollinstanz mit Zähler die “nach Hause telefoniert.” Wenn der Zähler abgelaufen ist (vielleicht war im MP3-Player nicht genug Platz, das Stück musste gelöscht werden, nun möchte man das Liedchen wieder draufziehen) muß man das Medium noch einmal kaufen. Oder ein Wertkärtchen. Oder einen weiteren gebührenpflichtigen Download. Oder ich gehe noch einmal ins Geschäft und kaufe mir das “Recht” meine eben erworbene CD auch auf ein anderes Medium überspielen zu dürfen.
Kurz und gut: Ein, wie so schön zu lesen ist, »Markt für Privatkopien« soll entstehen. Und das natürlich zum »zum Vorteil der Verbraucher.« Und die Abgaben auf Hardware sollen natürlich bestehen bleiben. Wegen der schweren Kontrolle unser allen kriminellen Tuns, hemmungslos wie wir nun mal sind kopieren wir die eben erworbene CDs einfach so, ohne zusätzlich erworbene Lizenz für Privatkopie, und zerstören mutwillig weitere Arbeitsplätze in der Musikindustrie …

Eigentlich hat man nach der Lektüre dieses Pamphlets nur eine Frage: Sind die noch ganz dicht?

Weblogtalk

Antville

In den letzten Tagen bin ich nicht so zum bloggen gekommen, meine nicht-monetär-produktive Computerzeit habe ich damit verbracht mal einen Antville-Server mit allen Schikanen aufzusetzen, natürlich nicht die simple “Antclick”-Variante, sondern das volle Programm mit Helma und Integration von Apache und MySQL. Mit dieser Anleitung war es einfacher als ich gedacht hatte, manchen Fallstrick vergessen die Autoren zu erwähnen und fortgeschrittene Features, gerade im Zusammenhang mit Apache, erschließen sich erst nach mühsamer Recherche in Mailing-Listen-Archiven. Aber einem “geschenkten Gaul” schaut man ja bekanntlich nicht ins Maul …

Und warum macht man das? Um Erfahrung zu sammeln und das System mal gründlich zu testen, vielleicht kann man damit ja etwas auf die Beine stellen …

Internet

Schöne alte Radios

[Bild: RFT-Intimo Röhrenradio] Michael Keller sammelt auf seiner Website rad-io.de Bilder und Informationen über Röhren-Radios aus den 50er und 60er Jahren. Dort habe ich einen alten Bekannten entdeckt, nämlich ein RFT-Intimo, dass in der DDR vom traditionsreichen “Stern – Radio” in den Jahren 1969 bis 71 gefertigt wurde (Bild links).
Als Jugendlicher war ich besessen von Radios und sammelte sie aus allen möglichen Quellen, um sie anschließend auseinander zu nehmen. ;-) Dieses RFT-Intimo verkaufte mir ein Klassenkamerad, der es von seiner Oma aus dem Osten bekam die “rübergemacht” hatte (samt Radio), für die stolze Summe von 15 DM. Bei irgendeinem Umzug habe ich das gute Stück dem Sperrmüll übergeben. Das ärgert mich nun, wenn ich mir das Bildchen so anschaue …

(Gefunden in der taz)

Musik

Urheberrecht und Privatkopie

Noch etwas zum Artikel von gestern:

Unsere Justizministerin Brigitte Zypries hat eigentlich in der ganzen Problematik keinen rechten Durchblick und gab das auch bei der Auftaktveranstaltung für den so genannten “Zweiten Korb” des neuen Urheberrechts öffentlich zu: »Eine weitere strittig gebliebene Frage: Soll die Privatkopie auch bei Kopiersperren durchsetzbar gemacht werden. Hier gerät das geistige Eigentum in Konflikt mit Interessen der Verbraucherschützer und der Informationsfreiheit. Aber auch die Frage der Sozialpflichtigkeit des Eigentums stellt sich, nimmt man z.B. Gruppen von Behinderten in den Blick. Ich kann darauf heute noch keine Antwort geben. Ihr guter Rat wird mir deshalb sehr hilfreich sein.« Den “guten Rat” liefern die Lobbyisten der Industrie sicherlich gerne …

Und noch ein Artikel zur Problematik in der heutigen taz: »Bitraten sind Profitraten«

Zeugs

Schluß mit Bloggen!

Aber nur ein paar Tage! Geschickt, wie Euer stets “wachsamer” Netzbuch-Schreiberling nun einmal ist, hat es ihn rückwärts eine Treppe runtergehauen, was mit einer unsanften Landung mit Kopf und linkem Ellenbogen zuerst auf dem Boden nebst anschließenden Besuch im Krankenhaus endete. Resultat: Ein “Cut” am Kinn der Witali Klitschko alle Ehre machen würde und eine Gelenkprellung am linken Ellebogen. Da es als “Einarmiger” keinen großen Spaß macht am Computer rum zu machen ist jetzt mal die nächsten Tage Netzbuch-Pause angesagt, ihre freundliche Netzbuch-Redaktion empfiehlt so lange den Besuch der hier aufgelisteten formidablen Damen und Herren.

Bis die Tage, verehrte Zielgruppe, und nicht zu deprimiert sein vom Ausgang der Wahl in Bayern ;-)

Linux

20 Jahre GNU

[GNU-Logo] Gestern vor 20 Jahren, am 27.9.1983, schrieb Richard M. Stallman folgenden Newsgroup-Beitrag:

»Free Unix!

Starting this Thanksgiving I am going to write a complete
Unix-compatible software system called GNU (for Gnu`s Not Unix), and
give it away free to everyone who can use it. […]

To begin with, GNU will be a kernel plus all the utilities needed to
write and run C programs: editor, shell, C compiler, linker,
assembler, and a few other things. […] We hope to supply, eventually, everything useful that
normally comes with a Unix system, and anything else useful, including
on-line and hardcopy documentation.«

20 Jahre später ist GNU-Software allgegenwärtig. Egal ob man in Linux, FreeBSD oder Mac Os X eine Shell öffnet und ein ls tippt oder ein Paket aus dem Netz zieht und es kompiliert: Man benutzt GNU-Software. Ohne die bestehende GNU-Software wäre Linux nur ein Kernel geblieben, fast alles was das System überhaupt erst benutzbar machte und macht ist GNU-Software. Tragisch dabei: Jeder redet von Linux, kaum jemand von GNU und der die GNU-Entwicklung tragenden Free Software Foundation. Eigentlich müsste man immer “GNU/Linux” sagen statt einfach nur “Linux.”

Das einzige GNU-Projekt was bis heute nicht richtig in die Gänge gekommen ist ist der Systemkernel, der GNU-Kernel namens Hurd ist auch zwanzig Jahre später noch eine große Baustelle.

Da bleibt nur zu sagen: Thanks a lot and happy birthday, old GNU!

Lagedernation

Joschka spricht!

Und zwar in der heute “relaunchten” neuen Frankfurter Rundschau. Nicht die Website ist “relaunched”, sondern die gedruckte Ausgabe. Dazu später mehr, nun aber zu Joschka Fischer, der der “neuen” FR ein lesenswertes Interview gegeben hat, einige Perlen daraus:

»Wir brauchen, gerade bei den bevorstehenden schwierigen Abstimmungen, unsere eigene Mehrheit – damit der Ball im Feld der Opposition liegt, die im Bundesrat die Mehrheit hat. Weitere Entscheidungen kommen noch. Die Opposition betreibt ein durchsichtiges Spiel. CDU und CSU setzen darauf, dass die Mehrheit links wegbricht und so rechts ihr Weizen blüht. Exakt das darf nicht aufgehen.«

»Wenn links sein soll, dass am Ende nach dem Verlust der Mehrheit die Rechten ihre Reformvorstellungen durchsetzen, verstehe ich die Welt nicht mehr.«

»Wenn es 1982 vielleicht einen entscheidenden Fehler der SPD gegeben hat, dann den, dass die Führung zu lange zugeschaut hat, wie Einzelne mit der Machtfrage gespielt haben, bis sie fast beliebig geworden war. Diesen Fehler macht Gerhard Schröder heute nicht. Ich verstehe seinen Hinweis auf 1982 eher als ein `Wehret den Anfängen`, als Warnung davor, die politische Gestaltungsmacht in zugegeben widrigen Zeiten einfach wegzuwerfen.«

Recht hat er, der Joschka. Alle die jetzt (berechtigt) über Rot-Grün jammern sollten sich mal klar machen was abgehen würde wenn heute Stoiber und Merz bestimmen würden wo es lang geht. Ich finde das Verhalten der sechs SPD-Renegaten unmöglich, sie hatten die Chance ihre Sichtweise in Partei und Fraktion einzubringen und haben verloren. Dann trotzdem dagegen zu stimmen und die Koalition aufs Spiel zu setzen ist das Letzte. Und es ist ja wohl ein absoluter Witz ein solches Verhalten als Gewissensentscheidung freier Abgeordneter zu deklarieren, Müntis Strafpredigten gegenüber diesen Damen und Herren können gar nicht intensiv genug in ihren Ohren klingeln …

Mehr: Frankfurter Rundschau

Internet

Büro-Pilot

Na, verehrte Leserin, verehrter Leser, Langeweile im Büro? Keiner da der auf den Schirm gucken könnte? Dann wird es Zeit für ein kleines Spielchen, nämlich ein Flugzeug punktgenau auf die Landebahn aufzusetzen: Krassair (Flash).

Ich habe immerhin eine Landung mit Note “9” hin bekommen!

(Via Netzeitung)