Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Linux

Pinguineskes: Großes Update und KDE3.3

Linux feiert heute 13. Geburtstag, sagt der vom H-Blog in sein eigenes Ameisendorf umgezogene thorte (die Release-Notes des ersten Kernels 0.0.1 kann man sich noch anschauen, und sogar den Kernel 0.0.1 downloaden), und irgendwann diesen Monat vor 10 Jahren installierte ich mein erstes Linux. Das genaue Datum lässt sich nicht mehr nachvollziehen, es waren sowieso mehrere Tage (und Nächte, selbstredend), die ich damals brauchte, um mein erstes Linux in Gang zu kriegen, ein SuSE war das damals noch. Und da auch noch eine wohlbekannte Bloggerin sich hochgradig enthusiasmiert über das neue KDE 3.3 äußerte, war es an der Zeit, mein vor lauter Apfel-Begeisterung in letzter Zeit arg vernachlässigtes Gentoo Linux-System mal wieder zu aktualisieren.

Mit einem beherzten Tippen von emerge rsync, emerge portage und, schließlich, die Krönung, der herrschaftliche Befehl schlechthin, zwei Worte die eine gewaltige Download-, Stromverbrauch- und Kompilierorgie auslösen, emerge world in die gierig auf Eingabe wartende Kommandozeile, startete der Upgrade des elegantesten Linux-Systems von allen. Etwa 34 Stunden dauerte die Neukompilierung und Aktualisierung des Gesamtsystems, dreimal blieb es stehen. Einmal, weil ich die von mir selbst gebloggten weisen Ratschläge natürlich nicht beherzigt habe (obwohl ich schwören könnte, die LINGUAS-Variable in /etc/profile gesetzt zu haben, aber sie war nicht da ;-)). Beim zweiten Mal stolperte emerge über die DSL-Zwangstrennnung nach 24 Stunden, die wohl zu einem ungünstigen Zeitpunkt kam, und beim dritten Mal ließ sich ein Paket namens ml_donkey (Wer hat denn das installiert? So etwas würde ich nie benutzen!) nicht kompilieren. Ansonsten lief alles problemlos, alles war aktuell, und vor allem, alles funktionierte auf Anhieb. Lieber 34 Stunden warten, als nach dem Upgrade gewisser RPM-basierter Systeme anschließend tagelang in Newsgroups und Foren nach einer Lösung für beharrliches Nicht-Funktionieren zu suchen. Nach dem grafischen Login erfreute sich mein von der Kommandozeile schon arg getrübtes Auge an der frischen Pracht eines KDE 3.3.-Desktops (ein Klick! auf das Bildchen öffnet den Screenshot in der Originalgröße von 1280×1024 Pixeln, und die artifizielle Dame, die sich neckisch im Hintergrund des transparenten Terminals präsentiert, gehört nicht zur KDE-Distribution): Der Unterschied zu KDE 3.2 ist nicht so arg groß, Spielsachen wie die transparenten Menüs funktionieren nun zügiger, es gibt endlich einen vernünftigen “Theme-Manager”, und die Integration des ganzen PIM-Gerödels zu einem großen Outlook-Imitat ist weiter fortgeschritten. Der KDE-Stammbrowser Konqueror wurde weiter verbessert. Er hat nun ein sehr kühles Feature, wenn man einen der Tabs angeklickt hat, kann man mit dem Scrollrad der Maus schwungvoll zwischen den einzelnen Browser-Tabs hin und her wechseln.

Eine für Blogger interessante Neuerung ist die Integration eines RSS-Readers in den Konqueror, Newsticker genannt. Das Anlegen der Feeds ist etwas umständlich, ohne Zwischenablage und Dialog-Klickerei geht es nicht, da ist noch Raum für Verbesserungen, ich denke da an automatisches Erkennen des Feeds einer Seite auf Knopf- oder Tastendruck. Hat man den Feed angelegt, erscheinen die Einträge in der Seitenleiste, und mit einem Klick bekommt man den entsprechenden Eintrag im Browserfenster angezeigt. Nett, aber wäre mir für Dauerbenutzung zu umständlich und zu langatmig.

Eine eher putzige Neuerung ist das neue Malprogramm Kolourpaint, ein astreines Plagiat des mit Windows ausgelieferten MS Paint. Wenn Gimp zu kompliziert ist, findet man in Kolourpaint ein einfacher zu bedienendes Pixel-Grafik-Programm zum Malen und Zeichnen großer digitaler Meisterwerke in KDE. Die beiden kleinen Screenshot-Ausschnitte kann man sich übrigens auf einem weiteren großen Screenshot in 1280×1024 Pixel in Originalgröße betrachten.

Fazit: Gefällt mir gut, das neue KDE 3.3. Nicht-Linuxer sollten sich mal eine Linux-Live-Distribution wie z.B. SLAX besorgen und es einfach mal ausprobieren, im Grunde unterscheidet sich die Arbeit mit Linux und KDE nur noch in Spezialfällen von der mit Windows. Ob das so wünschenswert ist, aus der Linux-Perspektive, steht natürlich auf einem ganz anderen Stück Papier …