Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.

Ein »geekigeres« Wiki: Instiki

Webworking

Also, wissen Sie, verehrte Zielgruppe, ich bin ja nicht so der Wiki-Typ. Kollektiv-Wiki sowieso nicht: Basisdemokratisches Problematisieren ist mir ein absolutes Greuel. Aber heutzutage hat ja auch jede/r BloggerIn ein individuelles Wiki (qed). Ich natürlich auch, schon seit Mai 2003, das darbte aber greulich vor sich hin. Außer ab und an lieblos einen Link reinzuklatschen, habe ich damit nix gemacht, und wer es sich anschaut stellt fest, dass ich bei der Gestaltung der Fußzeile endgültig die Lust daran verlor. Ausge-wiki-t!

Dann aber begab es sich, dass ich mal wieder bei “Blog-Legende” Matthew Haughey vorbei schaute und Instiki entdeckte. Ein Wiki, entwickelt in einer exotischen Sprache namens Ruby. Instiki bringt seinen eigenen Web-Server mit. Und für Mac OS X gibt es ein “Rundum-Sorglos-Paket”, welches man einfach runtersaugt und anklickt, und schon läuft ein kühles lokales Wiki auf dem Mac, inklusive neuem Menüpunkt “Wiki” in der Safari-Menüleiste. Und das Allerbeste daran: Es versteht, wie mein Blogsystem TXP, Textile (und Markdown und RDoc). Instiki hat auf meinem Powerbook nun das MacJournal als lokale Notiz- und Schreibapplikation, oder, hochtrabend ausgedrückt, als zentrales Knowledge-Management-System, abgelöst.

Wenn man einen eigenen virtuellen oder echten Server zur Verfügung hat, kann man Instiki natürlich auch als Wiki im Internet verwenden. Da Instiki einen eigenen Server auf Port 2500 startet, kann man es nicht auf einem Shared Host aka Webspace verwenden.

Man benötigt unter Linux erst einmal den Ruby-Interpreter. Unter Debian-Woody hat man das Problem, dass das mit apt-get erhältliche Ruby-Paket hoffnungslos veraltet ist, ergo habe ich ruby 1.8.1 aus dem Source selbst gebacken, einfach downloaden und den Dreisatz ./configure, make und make install anwenden, schon hat man ein frisches Ruby auf der Debian-Kiste. Sodann besorgt man sich Instiki als tgz, packt es aus und startet instiki.rb. Fertig! Und es funktioniert nicht. ;-) Das tgz “vergisst” im Instiki-Verzeichnis die Verzeichnisse “storage/2500” anzulegen, holt man selbiges händig nach, läuft Instiki auf http://server:2500.

Da ein URL auf :2500 hochgradig unkühl ist, nutzt man den sowieso vorhandenen Apachen als Proxy (Modul mod_proxy muß natürlich vorhanden und aktiviert sein), indem man in der httpd.conf einen virtuellen Host hinzufügt:

<VirtualHost *>
    ServerName ein.toller.virtual.host
    ProxyPass / http://127.0.0.1:2500/
    ProxyPassReverse / http://127.0.0.1:2500/
</VirtualHost>

Nun ist das wiki unter http://ein.toller.virtual.host verfügbar.

Läuft Instiki einmal, kann man mit ein paar Mausklicks beliebig viele neue, in sich geschlossene Wikis hinzufügen, auch das ein Pluspunkt für Instiki. Und man kann einzelne Wikis mit Passwörtern schützen, das Wiki als Bündel von HTML-Seiten exportieren, usw. usw., einfach mal die Feature-Liste lesen.

Um wieder zum Anfang dieses länglichen Beitrags zurück zu kommen: Nun wird mein Wiki mit Instiki neu aufgebaut, vielleicht bin ich ja doch der Wiki-Typ. ;-) Instiki ist genau die Software, die einen ausreichenden Spaß- und Geek-Faktor besitzt, um einen neuen Wiki-Anlauf zu unternehmen.



16 Kommentare



Flo am 06.09.2004:


Gut finde ich das Markdown (bzw. Textile) unterstützt wird, denn bei meinem ungepflegten Wiki konnte ich mir nie die Syntax merken :)

Ralf am 06.09.2004:

Hast Du auch ein ungepflegtes Wiki? Willkommen im Klub! ;-)

Das mit der Syntax hatte ich vergessen zu erwähnen, mein tumber Geist kann sich nicht für jedes System eine eigene Syntax merken,war auch ein Hindernis auf dem Weg zum “Wiki-Typ”!

bwolf am 07.09.2004:

Danke. Als lokales System habe ich genau so etwas gesucht.

kellerkind am 07.09.2004:

betr: basisdemokratisches geschwätz

meine erfahrung: das verhältnis von inhalt/arbeitsergebnissen zu gesabbel ist in wikis um ein vielfaches besser als z.b. in weblogs (oder gar in der gesamten blogoschschphäre). dont know, wo du den eindruck her hast.

Ralf am 07.09.2004:

“Geschwätz” habe ich nicht geschrieben, sondern “Problematisieren”, ein feiner Unterschied! ;-)

Ich habe Projektwikis gesehen, wo nie eine Entscheidung getroffen und endlos diskutiert wurde, bei (Software-)Projekten muß jemand sagen, wo es langgeht, sonst wird das nie was.

andreas am 08.09.2004:

Allerdings muss man MacJournal zu Gute halten, dass man dort ganz easy drag’n’dropen kann. Egal ob Bild, Text etc. und die Formatierung bleibt sogar erhalten, bei Webausschnitten sogar die Links. Finde ich auch recht praktisch…
Trotzdem wird das andere da mal durchgetestet. Allerdings ist mir gleich beim ersten Eintrag übel aufgestoßen, dass die Formatierung von Text mit den für mich noch kryptischen Formatierungszeichen noch sehr gewöhnungsbedürftig und dementsprechen langsam von der Hand geht. Da kommt dann schnell die Frage auf, was man eigentlich will. %{-Zeugs auf der Tastatur zusammensuchen oder einfach nur seine Gedanken sammeln…

Ralf am 09.09.2004:

Andreas, wenn man mit TXP bloggt, hat man Textile-Codes sowieso drauf, dann hält sich das “Kryptische” bei Instiki in Grenzen.

Ralf am 11.09.2004:

Danke für den Tipp, Beate, kommt eines Tages ins Wiki. ;-)

benni am 08.11.2004:

Hi!

Ich hab hier auch mal instiki installiert und direkt angesprochen läuft das auch wunderbar.

Ein Problem hab ich aber mit der Methode, das übern normalen Apachen sichtbar zu machen, die du da beschrieben hast:

Wenn ich das so in meine httpd.conf schreibe (natürlich mit angepasstem vhost-namen), kommt bei mir beim Aufruf von adresse.tld/ die “normale” Seite des Servers, die für alle unbekannten Subdomains eingestellt ist. Erst wenn ich adresse.tld// aufrufe, leitet der mich zu adresse.tld/wikiname/show/HomePage weiter (dabei allerdings wieder ohne doppel-/).

Kannst du mir da vieleicht irgendwie helfen?

Viele Grüße,

Benni.

P.S.: textile rockt.

Ralf am 09.11.2004:

Keine Ahnung, Benni, hast Du das exakt so eingetippt wie in meinem Artikel beschrieben?

benni am 09.11.2004:

jap.
(natürlich hab ich den servernamen angepasst, aber ansonsten schon)

Ralf am 10.11.2004:

Ich habe echt keine Idee, benni, sowas habe ich bei meinen Apachen noch nicht erlebt.

Marcus am 04.12.2004:

Ich bin durch dich auf Instiki gekommen; bin ziemlich begeistert und, oh Wunder, mittlerweile hat sich seit September das Wiki richtig gefüllt.

Nun läuft alles auf meinem Apachen über SSL, und ich hätte gerne, dass auch das Instiki über SSL läuft. Meine Apache-Kenntnisse sind allerdings recht rudimentär und hören bei Proxies definitiv auf; allerdings kann man mir bei instiki.org auch nicht weiterhelfen.

In deren FAQ http://instiki.org/revision/FAQ?rev=162 steht jetzt:

How do you run Instiki under https?
Try a secure reverse proxy as Instiki front end.

Klapppt bei mir auch nicht (evtl. mache ich aber auch was falsch). Hast du (oder ein Mitleser) vielleicht einen Tipp für mich?

Marcus am 04.12.2004:

Ach, manchmal ist so ‘ne Woche doch sehr lang und so ‘ne Lösung doch sehr nah: Die ProxyPass und ProxyPassReverse-Zeilen einfach in <IfModule mod_ssl.c> reinschieben, Apache neustarten, und gut is’.