Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Zeugs

Gartenarbeiten in Wiesbaden-Freudenberg, oder: Meine Kamera, die Waffe

Ein Bild und seine Geschichte. Ein Meilenstein auf meinem langen Weg zum Meisterfotografen, erstmals bekam ich wg. eines Bildes Schläge und Anwalt angedroht. Aber der Reihe nach. ;-)
Gestern Morgen mache ich mich, wie immer auf dem letzten Drücker, auf den Weg in Richtung Haltestelle um ins Büro zu fahren. Auf dem Weg dorthin wird mein Vortrieb von einer “wilden Sperrung” des Fußgängerwegs zwischen den Gärten abrupt eingebremst, irgendwelche Typen schreddern Stücke von Bäumen, die sie aus einem der anliegenden “ich sitze so gerne mit Unterhemd und Bierpulle in der Sonne”-Gärten schleppen. Auf meine Rufe, mal einen Moment aufzuhören, mit Holzspänen herumzuspritzen, damit ich vorbei kann, reagiert der Meister des Schredders nicht. Dadurch werde ich zu einem exorbitant zeitraubenden Umweg genötigt, und das öffentliche Verkehrsmittel fährt ohne mich gen Bahnhof …
Nun hatte ich also etwas Zeit, also beschloß ich, das zu tun was ich immer mache, nämlich ein Foto von den Verhärmtheiten des Lebens. Als ich mich mit der Kamera im Anschlag dem Tatort nähere, kommt jener freundliche Herr, der mich vorher (s.o.) geflissentlich ignoriert hat, angelaufen und schreit was von “hier wird kein Foto gemacht”, verbunden mit Andeutungen über bei Zuwiderhandlung drohenden gewalttätigen Sanktionen. “Klar”, denke ich mir, und drücke erst einmal ab (siehe Bild oben). Daraufhin wird er noch wilder, ruft was von “wenn das Bild in der Zeitung erscheint, hetze ich dir meinen Anwalt auf den Hals”. Zeitung? Boah, ich muß professionell wirken! Langsam dämmert mir, dass hier irgend etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, wahrscheinlich wurden die Bäume ohne Genehmigung gefällt (mal abgesehen von der “wilden Sperrung” eines öffentlichen Weges), das wird teuer, wenn die Behörden davon Wind bekommen. Mit den Worten “ist nicht für die Zeitung, sondern für’s Ordnungsamt” verabschiede ich mich, während der freundliche Herr mir noch ein “Pass bloß auf!” hinterher ruft.

Nun kämpfe ich noch mit mir, ob ich dem Amt mal einen Tipp geben soll, aber wahrscheinlich mache ich es nicht. Einerseits bin ich ja nicht der Gartenblockwart vom Freudenberg, und andererseits ist es mir völlig egal wie die Verhärmten ihre Gärten zurichten. Aber mir den Weg einfach so sperren (mit der Straße hätten sie das nie gemacht, die Autos müssen ja vorbei können, aber Fußgänger sind ja völlig egal, die kann man ruhig zu Umwegen nötigen), das schreit eigentlich nach Strafe…

Schönes Wochenende allerseits!



6 Kommentare



Boris am 21.08.2004:


Hat da vielleicht das zuständige Amt einer seiner inzwischen in GmbHs ‘ausprivatisierten’ Abteilungen einen kleinen Auftrag am Rande zugeschanzt – und du hast dich wg. Fotoapparat als potenzielle investigative Gefahr geoutet?

Ralf am 22.08.2004:

Möglich ist auch das, irgendetwas ist da nicht ganz sauber.

Michelle am 22.08.2004:

Baumarbeiten sollten eigentlich bis September nicht gestattet sein (kommt allerdings drauf an, wo man wohnt). Vielleicht lags daran.

Yay für investigativen Fotojournalismus:)

Mark am 2004-08-22 15:06:50 +0200:

Möglicherweise ist auch an der aktion bäume fällen selbst nix faul. Als schwarzarbeiter würde es mich bestimmt nicht freuen bei der arbeit fotografiert zu werden…

Aber so eine aussage is doch geradezu eine aufforderung sich an die zeitung zu wenden ;-)

Ralf am 23.08.2004:

Michelle, ein Nachbar meinte auch, dass um diese Zeit keine Bäume gefällt werden dürfen. Möglicherweise ist das das große dunkle Geheimnis. ;-)

Mark, ich wollte ja nur den abgesperrten Weg fotografieren, er kam dann ja aus dem Nichts angelaufen …

Mark am 2004-08-23 21:07:39 +0200:

deine absicht kam schon klar rüber, aber wenn mir einer so blöd kommt wie oben beschrieben, kann ich mich nur schwer davon abhalten, genau das gegenteil davon zu tun, was diese person will.