Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

ARD-Tagesthemen: Regierungs-Fernsehen in Reinkultur

Hat jemand gestern abend die ARD-Tagesthemen gesehen?

Wie ein staatlicher Propagandasender, der uns suggerieren möchte, dass Regierung und Unternehmen Hand in Hand für unser nationales Wohl tätig sind. Denn die Kosten, die Kosten. Diese ganzen sozialen Wohltaten – die armen Unternehmen, die armen Manager, sie müssen einem einfach leid tun.
Das “Gewerkschafts-Bashing” durfte natürlich auch nicht fehlen, die sind natürlich alles schuld, da sie nicht umgehend freudig erregt aufspringen wenn Schröder, Clement und die Wirtschaftsbosse gemeinsam neue Ideen entwickeln. Das hatte mit objektivem Journalismus (der ja sowieso eine Illusion ist) nichts mehr zu tun.

Von Weinkrämpfen ob des harten Schicksals der von ihren Arbeitnehmern und Gewerkschaften gequälten armen armen deutschen Unternehmen geschüttelt, habe ich mich danach gleich ins Bett gelegt, und von Frankreich im Jahre 1789 geträumt …



5 Kommentare



Boris am 22.07.2004:


Das ist die mediale ‘Muss-alles-unbedingt-sein’-Tünche, die für Ruhe im Lande unbedingt notwendig ist. Früher stand die sozial völlig desinteressierte Wirtschaft damit alleine, jetzt hat sie die Neoliberalen in der Regierung (von der Opposition gar nicht zu reden..) auf ihrer Seite. Da muss dieser ‘Schulterschluss’ natürlich medial entsprechend unterstützend begleitet werden…

Ralf am 23.07.2004:

Alleine schon die unreflektierte Übernahme des Begriffs “Reform” ist nicht mehr “objektiv”. Denn “Reform” ist ja positiv besetzt, es bedeutet da ist etwas, das ist so schlecht dass es verbessert werden müsste. Und darüber kann man streiten.

Ich möchte jetzt wirklich kein Arbeitslosengeld II Kandidat sein und diese entwürdigende Fragebogenprozedur durchführen müssen.

Werner am 2004-07-26 17:02:26 +0200:

Und heute die dpa-Meldung, dass Merz (klar, der muss noch eins draufsetzen) die totale Abschaffung des Kündigungsschutzes fordert. Er unterstützt das mit dem “Argument”, in der Schweiz gebe es gar keinen Kündigungsschutz – und Vollbeschäftigung.

Auch ich träume vom alten Frankreich. Wo gehts hier zur Bastille?

Ralf am 26.07.2004:

So ist es! Nennt mich Robespierre!

Merz hake ich ab in der Kategorie “Sommertheater”, das ist ja nicht einmal in seiner eigenen Partei ansatzweise mehrheitsfähig.

Ole Windmüller am 2004-10-17 00:00:17 +0200:

In den heutigen Thagesthemen wurden im Beitrag über Opel in Bochum, für die Lohnzahlungen, folgende Zahlen genannt:
Im Moment seien die Arbeiter 20% über dem Tarif bezahlt, also 120% des Tarifs und die Arbeitgeber möchten, das die Arbeiter in Zukunft für 10% unter Tarif arbeiten, also 90% des Tarifs. Im folgenden ist davon die Rede, dass die Arbeiter somit auf 30% Lohn verzichten sollen. Wenn ich die Zahlen zugrunde lege, komme ich aber auf einen Verzicht von 25%.
Denn in diesem Fall sind 120%, des Tariflohns, die zugrunde zu legenden 100%. Schaut man sich die Differenz zwischen den jetzigen 120% des Tarifs und den geforderten 90% an, so stellt man fest,das es 30% des Tariflohns sind, also 1/4 des jetzigen Lohns. 1/4 entspricht aber 25% und nicht den genannten 30%.