Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Fotografie

Henri Cartier-Bresson

Oh, mich dünkt ich muß demnächst noch nach Berlin: meines Foto-Idols wegen. Henri Cartier-Bresson ist nicht nur ein großer Fotograf, sondern auch ein begnadeter Auslöser-Philosoph: »Letztendlich interessiert mich das Foto selbst überhaupt nicht. Das einzige, was ich will, ist, einen Sekundenbruchteil der Wirklichkeit festzuhalten.« Diese Philosophie kann man als “durchgesetzt in der Realität” sehen, wenn auch auf anderem Niveau, man muß sich nur anschauen, was vor Sehenswürdigkeiten aller Art stattfindet. Heerscharen der Nachfahren Cartier-Bressons versuchen, Stimmung, Raum und Zeit einzufangen, was aber nur selten gelingt. Das gelang nur ihm. Gut ist auch: »Der Fotograf muss (…) das Leben überrumpeln beim Sprung aus dem Bett.« Henri Cartier-Bresson – Retrospektive, Martin-Gropius-Bau Berlin, via dem heimlich doch wieder bloggenden Ralph.



4 Kommentare



Boris am 16.07.2004:


Andreas Feininger schrieb mal so etwa, dass das Foto schon längst gemacht ist, wenn man auf den Auslöser drückt. Das legt vielleicht den Schwerpunkt mehr auf die Komposition, trotz allem bleibt aber auch für ihn ‘der Moment’ das Entscheidende.

goncourt am 16.07.2004:

Manchmal scheint es nur darum zu gehen, einer bestimmten Konstellation das Klickgeräusch hinzuzufügen. “Auslösen” paßt dann als Wort sehr schön. “Ein Bild auslösen”.

ralph am 16.07.2004:

Verena und ich wollen auch zur Ausstellung. Vielleicht können wir uns in Berlin mal treffen, wenn sich das zeitlich vereinbaren liesse. Eine solche Ausstellung bekommt man nicht alle Tage geboten!

Ralf am 17.07.2004:

Boris, den Moment zu erkennen, ist ja auch die Kunst. Feininger habe ich auch gelesen, zeitlos gut!

goncourt, “auslösen” im Sinne von “erlösen”, für die Konstellation. “Herauslösen” wäre ja genau das Richtige, einen Moment aus seinem Fluß in Raum und Zeit herauszulösen und zu konservieren.

ralph, sehr gute Idee. Das sehe ich auch so, muß man einfach gesehen habe. Und das zeitnah, die Ausstellung läuft ja nur noch bis zum 15. August.