Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.

Qualitätsjournalismus de Luxe

Weblogtalk Seltsames

Der Brüller des Tages ist ein Elaborat von pressetext.at (‘Nachrichten für Meinungsbildner’) mit dem Titel ‘Täglich bis zu 17.000 neue Weblogs’, ich zitiere: »Weblogs haben sich in der Vergangenheit von reinen ‘Online-Tagebüchern’ zu einer neuen Kommunikationsform entwickelt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass ungefähr 45 Prozent der Weblogs in den vergangenen drei Monaten keine Post bekamen. Die Zahl der Personen, die nach wie vor jeden Tag Nachrichten posten, ist aber immer noch bedeutsam. Auch die Anzahl der Gespräche stieg weiter an, über 275.000 Einträge werden täglich gezählt. Im Durchschnitt werden insgesamt drei Blogs pro Tag aktualisiert.« Wie, das Weblog bekommt keine Post? Einfach mal in den Briefkasten gucken. Die Anzahl der Gespräche stieg weiter an, das ist erfreulich (“Weblog, oh Weblog, so rede doch mit mir”). Da ja “insgesamt drei Blogs pro Tag aktualisiert” werden, aber über “275.000 Einträge .. täglich gezählt” werden, sind diese drei richtig arme Schweine, denn sie müssen ein Pensum von 91.666,67 Einträgen am Tag schaffen, d.h. sie haben für jeden Eintrag gerade mal 0,94 Sekunden Zeit.

Es ist schon erstaunlich, was ohne mit der Wimper zu zucken an Texten unter das Volk geworfen wird, noch erstaunlicher ist es, dass dann z.B. Computerwelt solch’ einen offensichtlichen Unfug auch noch reinwirft. Was ist nur aus dem Berufsstand geworden, deren Vertreter einst “j’accuse” riefen oder die Watergate-Affäre ins Rollen brachten? Heute sitzen die Herrschaften an ihrem Rechner, nehmen einen Text in die Zwischenablage, fügen ihn wieder ein und klicken auf “Publish”. Hauptsache Content. Auch wenn es Unsinn ist. (Via Schockwellenreiter)



4 Kommentare



dee am 15.07.2004:


Der Artikel ist ein gelungenes Fressen für meinen Lieblingsübersetzer, aber ich werde sein Herz schonen..

alp am 15.07.2004:

sind doch auch alles nur PISA-Kinder … die Armen … können doch nix dafür …

Ralf am 15.07.2004:

dee, besser ist das, ich denke den Artikel hat ein Stück Software übersetzt.

alp, ist die PISA-Generation schon in den Journalismus eingedrungen? ;-)

Kristof am 15.07.2004:

Uaaah. Der Hammer.