Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Momentaufnahme Ontour

Einwandfreie Zweckbauten

In der Leopoldstadt in Wien, im 2.Bezirk, mitten im idyllischen Augarten, findet der neugierige Betrachter zwei monströse Betonklötze: Die Flaktürme. Die Bilder können die Monströsität dieser Klötze nur unzureichend einfangen, wenn man direkt davor steht, insbesondere vor dem auf dem unteren Bild, dann kommt man sich ziemlich klein vor. Umgeben von der Stille des Augartens, nur unterbrochen vom heiseren Krächzen der Vögel, welche die Türme umfliegen, und wenn genau in dem Augenblick, in dem man davor steht, die Sonne hinter den Wolken verschwindet, wirken sie besonders eindrucksvoll. Die beiden Monster wurden ab 1940 von den Nationalsozialisten als (Zitat) »in konstruktiver Hinsicht einwandfreie Zweckbauten« errichtet. Die Türme waren völlig autark, mit eigener Wasser- und Stromversorgung. Für das Wien von heute stellen sie ein Problem dar, da sie mit ihren 5 Meter dicken Wänden nicht abgerissen werden können, ohne den halben Stadtteil in Schutt und Asche zu legen. So stehen sie also da, als Monument einer finsteren Zeit …



1 Kommentar



Wolfgang Jungheim am 26.10.2004:


Diese Dinger haben schon ihre Reize, zeugen sie doch von einer sehr dunklen Zeit.

In Hamburg Wilhelmsburg steht auch so ein Klotz. Augenzeugen sagten mir, dass mal versucht wurde, diesen zu sprengen … es gab einen Ruck, die Erde bebte … und die Kiste steht immer noch da.

Vielleicht ergibt das einen Sinn, und sei es nur, uns daran zu erinnern, wie “sinnlos” Kriege und wie schmerzlich sie doch sind.

Gruß Wolfgang