Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Zeugs

Wiener Notizen

Einige hier getätigten Aussagen muß ich relativieren. Vorletzte Nacht um halb Drei, und gestern Nacht erst um halb Vier ins Bett gekommen, und schon bemerkt man von dem Lärm auf der Straße rein gar nix mehr, sondern schläft trotz Radau draußen und irgendwelcher Renovierungsarbeiten vier Zimmer weiter wunderbar, und wird gegen halb Zwölf vom Zimmermädchen geweckt. So ein Lotterleben ist zu hart in meinem Alter. ;-)

In den Wiener U-Bahnhöfen sind überall Kameras, und sie entdecken alles. Beispielsweise müssen in Wien Hunde in der U-Bahn einen Maulkorb tragen, heute lief ein Hund ohne herum, umgehend tauchte ein dreiköpfiges uniformiertes Rollkommando von irgendwoher auf, umzingelte den Hund, und bestand unmißverständlich auf den Maulkorb. Solche Konsequenz traut man den sonst eher lockeren Wienern gar nicht zu. Von mir als Zeitgenossen mit einer leichten Tendenz zum Hundephobiker (unbewältigtes Kindheitstrauma ;-)) gab es dafür ungeteilte Zustimmung.

In Wien kann man nirgendwo friedlich sitzen, ohne dass jemand Geld möchte. Würde man jede Obdachlosenzeitung, grotesk überdimensionierten Schlüsselanhänger “für die Armen” und anderes Zeugs kaufen, käme man abends mit zwei großen Tüten voller Kram ins Hotel zurück. Und an jeder zweiten Ecke steht ein Straßenmusikant mit durchaus wechselhaftem Qualitätsniveau. Da kommt es dann auf die richtigen Marketing-Methoden an, die bezaubernde Cellistin im halbdurchsichtigen schwarzen Kleid hatte doch erheblich mehr Münzen im Kasten als die beiden Russen zwei Ecken weiter, von denen einer fürchterlich schräg ein unschuldiges Akkordeon quälte und sein immens voluminöser Kumpel mit Rauschebart dazu irgendwelche tragischen russischen Weisen “sang”.

Und noch etwas “BlogTalkiges”: Martin lief am Dienstag abend mit seinem schicken Tablet-PC herum und sammelte die Unterschriften aller Anwesenden. Nette Idee, und endlich mal eine sinnvolle Anwendung von “Geek-Technologie”. ;-)



6 Kommentare



Matthias am 08.07.2004:


Nicht zu vergessen die Typen, die einem an jeder Ecke Konzertkarten andrehen wollen.

apU am 08.07.2004:

naja das mit den bettlern und straßenmusikern ist wohl auf die im vorigen beitrag angesprochenen touristenmassen zurückzuführen, konzertkarten nicht unbedingt ;)

TH am 08.07.2004:

In punkto Bettler und Strassenverkäufer sind wir halt doch schon am Balkan hier. Den “Ich-will-dich-jetzt-nicht-sehen”- oder den “Is-ja-nett-ich-geb-aber-jetzt-trotzdem-nix-her”- Gang und Gesichtsausdruck muß man halt erst üben.

Ralf am 09.07.2004:

Mittlerweile habe ich diesen Gang und Gesichtsausdruck drauf, das geht schnell. ;-)

Konzertkarten habe ich bisher noch nicht angeboten bekommen, aber irgendwelche Handzettel von “kühlen” Clubs.

Adalbert am 09.07.2004:

Cooler Text. Gleich gebloggt (hast ja kein Trackback).

Adalbert

Ralf am 09.07.2004:

Besten Dank! :-) Trackback kommt eines Tages, ich warte nur ab ob jemand anders die Gedulf verliert und ein TXP-Plugin für Trackback schreibt!