Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

Stimmungsmache für Studiengebühren

Letztens geisterte eine Umfrage durch die Gazetten (den Link habe ich “ergoogelt”, war an zahlreichen Stellen zu lesen): »Studenten mehrheitlich für Studiengebühren«

Die FR enthüllt, wie solche Umfragen ergebnisorientiert “gebacken” werden: »Stimmungsmache für Studiengebühren«. Ein “Centrum für Hochschulentwicklung” und eine Initiative mit dem wunderschönen Namen “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM) versuchen, ihre Lobbyarbeit für eine Bildungspolitik im Arbeitgeberinteresse durch Umfragen und Kooperationen mit Bildungsträgern vom Stigma der Lobbyarbeit zu befreien und selbiger einen “objektiven” Anstrich zu geben, Zitat:
»Die Initiative selbst versucht, durch eine Reihe von Kuratoren und Botschaftern den Eindruck einer Bürgerinitiative zu vermitteln. Dabei wird sie von den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie finanziert. Seit vier Jahren arbeitet INSM mit einem millionenschweren Budget auf marktwirtschaftliche ‘Reformen’ hin, auf den Rückzug des Staates und den Abbau und die stärkere Privatisierung sozialer Sicherung. Mit der Verschleierungstaktik versucht die Initiative, das Glaubwürdigkeitsproblem der Wirtschaftsverbände zu umgehen. […] Diese PR-Tricks und Verflechtungen hebeln eine demokratische und transparente Entscheidungsfindung aus. Obwohl diese Strategien in den letzten Jahren zugenommen haben, wird ihre Problematik bislang kaum diskutiert. Es ist Zeit für eine neue Debatte um wirtschaftliche und neoliberale Einflussnahme auf die Politik.%laquo;

Lesen und lernen, wie Demokratie in diesen Zeiten funktioniert, und anschließend nur müde lächeln wenn der nächste “PR-Meldungen – Copy and Paste”-Journalist interessengeleitete Umfragen als Fakt verkaufen möchte …