Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Techkram

Von Betriebssystemen und kaputten Fenstern

John Gruber aka “Daring Fireball” philosophiert wieder einmal brilliant über Betriebssysteme und ihre Gefahrenpotenziale: »Broken Windows.« Ausgangspunkt ist die Frage, warum (in Windows-Dimensionen) relativ ungefährliche Sicherheitslücken in Mac OS X im “Mac-Web” ein Echo produzieren, dass bei Windows-Gefahren nur apokalyptische Killerwürmer erreichen. Er vergleicht das mit der bekannten Theorie vom urbanen Verfall, die besagt, dass wenn in einem Haus einmal eine Scheibe zerbrochen ist und nicht repariert wird, nach und nach alle Fenster kaputt gehen und die einzelne Scheibe nicht mehr wahrgenommen wird:

»It’s similar to the “broken windows” theory of urban decay, which holds that if a single window is left unrepaired in a building, in fairly short order, the remaining windows in the building will be broken. Fixing windows as soon as they are broken sends a message: that vandalism will not be tolerated. But not fixing windows also sends a message: that vandalism is acceptable. Worse, once a problem such as vandalism starts, if left unchecked, it flourishes.«

Der Mythos von “wenn Mac OS X verbreitet wäre wie Windows, gäbe es genauso viele Risiken” wird auch besprochen. Fakt ist, dass Windows einfach viel mehr Möglichkeiten und Angriffsflächen für üble Sachen bietet als unixoide Systeme wie Mac OS X oder Linux.

Es ist ja nicht so, dass ich Windows “hasse”. Aber ich habe wirklich überhaupt keine Lust, mich ständig um Sicherheitslücken, Viren, Würmer, Spy- und Adware, Anhänge in Mails (auch von bekannten Absendern, wer sagt mir, dass die sich nichts eingefangen haben?) und ähnliches Zeugs zu kümmern. Wenn ich für den Mac oder Linux im Netz etwas über ein interessantes Programm lese, “downloade” und installiere ich es. Unter Windows habe ich mir wahrscheinlich ein wenig Ad-, Spy- oder sonstwas-Ware eingefangen.
Bei meinem Arbeitgeber erledigen die Windows-Sicherheit meine Kollegen. Im HomeOffice löse ich dieses Problem, in dem ich einfach kein Windows benutze.

Es ist grotesk: Letztens habe ich den PC einer Bekannten neu aufgesetzt, die damit direkt an ihrer DSL-Leitung hängt. Daher habe ich den PC aus meinem Netz rausgenommen und testhalber direkt an die DSL-Leitung gestöpselt. Nach zwei Minuten “nackt” am Netz wurde der PC selbstständig herunter gefahren. Das ist lächerlich! Oder, letztens bei einer der Wurmwellen, hatte ein großes Maschinenbauunternehmen im Rhein-Main-Gebiet zwei Tage lang keine Email mehr, da ihr Windows-Netz samt Exchange-Server sich etwas eingefangen hatte. So kann man nicht arbeiten, so will ich nicht arbeiten. Ich bin kein Missionar, wer mit diesem ganzen Krampf leben möchte und kann, soll das gerne machen, ich wünsche viel Spaß dabei und fröhliches Gruseln bei der nächsten Wurm-Warnung in der Tagesschau. ;-)