Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
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Tschernobyl, Motorrad und überhaupt: Man weiß es nicht!

Guten Morgen, verehrte Zielgruppe! Das ist immer das Problem mit den Geschichten im Internet: Man weiß es nicht! Da gab es diese tolle Geschichte von Elena, ihrem Motorrad und den Bildern aus der Todeszone. Alle haben sie verlinkt. Die “normalen” Medien, Presse Funk und Fernsehen, haben drüber berichtet. Und nun das: In einem Web-Forum behauptet eine Dame aus Kiew, dass diese Geschichte so nicht wahr sein könne, da niemand in der Todeszone mit dem Motorrad spazieren fahren dürfe. In Wirklichkeit sei sie ihrem Ehemann und einem Motorradhelm in einem Auto herum gefahren worden (via Bronski).

Ich hatte auf einen Link verzichtet, da mir an dieser ganzen Geschichte von der furchtlosen Frau auf dem Motorrad mit der Kamera in der Todeszone etwas komisch vorkam, das war aber mehr ein Gefühl als irgendwelches Faktenwissen. Darauf sollte man hören. Auf einer Internet-Seite etwas behaupten kann jeder. Man neigt dazu, vertrauensvolles soziales Wesen, dass der Mensch nun einmal an und für sich ist, an das Gute im Menschen zu glauben und alles für bare Münze zu nehmen, was da so auf dem Schirm erscheint. Aber letztendlich weiß man es nie so genau und muß immer abwägen, ob man auf etwas verlinkt. Auch wenn es alle tun, wird dadurch eine Geschichte noch lange nicht plausibler. Womit ich jetzt nicht behaupten möchte, dass die Tschernobyl-Motorrad-Geschichte komplett erfunden ist. Aber man weiß es nicht, und wenn der Bauch sagt “Vorsicht”, dann verzichtet man lieber drauf. Auch wenn es die großen wichtigen Superblogs und Spiegel Online als wahre Geschichte verkaufen.