Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Mac

Angetestet: PulpFiction

Schon vor der Veröffentlichung in der Blogosphere ordentlich “angehypt”, erschien am Wochenende mit PulpFiction ein neuer RSS-Reader für Mac OS X, der angetreten ist dem Platzhirsch in diesem Segment, NetNewsWire, das Fürchten zu lehren. So ein Hype wirkt natürlich auch auf mich ;-), daher habe ich PulpFiction gestern mal angetestet.

Screenshot: PulpFiction in Action!

Der Test

Ich habe mal meine 226 Feeds aus dem NetNewsWire exportiert und in PulpFiction importiert, um gleich mal einen realistischen Härtetest durchführen zu können. Um es vorweg zu sagen: Bronskis ersten Eindruck kann ich bestätigen, auf meinem 867MHz-Powerbook ist PulpFiction unerträglich träge. Während des Saugens der Feeds springt der Ventilator an, die Prozessorlast steigt auf 100% an und das Programm ist nicht mehr ansprechbar, während ich beim NetNewsWire bereits während des Downloads mit dem Lesen beginnen kann.

Das Hauptfenster orientiert sich (wie der Screenshot zeigt, den man mit einem beherzten Klick vergrößern kann), an Apples Mail.app. Was nicht unbedingt eine gute Idee ist, denn Mail und RSS-Feeds sind in meinen Augen verschiedene Dinge. Man kann seine Feeds in PulpFiction nicht gruppieren, sondern muß sie zur Ordnung mit farbigen “Etiketten”, den Labels, versehen. In dem anderen Fenster (auf dem Screenshot oben links) sind die Feeds aufgelistet, leider kann man nicht mit einem Klick auf einen Feednamen zu den dazu gehörigen Beiträgen springen. Wenn man nicht linear alles in einem Rutsch lesen möchte, sucht man sich in dem “Mail”-Fenster einen Wolf nach den Einträgen eines speziellen Blogs.
Ein gutes Feature, was ich im NetNewsWire schon immer vermisst habe, ist das Markieren von “zu bloggenden Einträgen” mit einer kleinen Flagge, sehr praktisch. Ebenfalls praktisch: Ähnlich wie in einem Mailprogramm kann man Filter definieren, die dann die gesaugten Einträge in Ordner kopieren oder verschieben.

Unpraktisch hingegen, zumindest für deutsche Tastaturen, ist der “Shortcut” für das Springen zum nächsten ungelesenen Beitrag. Während NetNewsWire dazu einfach das “+” benutzt, besteht PulpFiction auf Fingerakrobatik. Das “[” springt weiter, für Deutsche nur mit Apfel-Alt-7 erreichbar.

Wie “wir Insider” ja wissen ;-), ist die Versionslandschaft der RSS-Feeds, bedingt durch die persönlichen Eitelkeiten der Protagonisten, ein einziges Durcheinander. Jeder Feed jedes Weblogtools ist irgendwie anders. NetNewsWire ist fehlertolerant, PulpFiction hingegen hatte mit gut 20% meiner Feeds (die wahrscheinlich syntaktische Fehler enthielten) Probleme und “loadete” sie nicht “down”. Fehlertoleranz ist aber in meinen Augen in der heutigen RSS-Landschaft ein “Muß” für jeden Feedreader!

PulpFiction speichert alle Einträge in einer Datenbank, die dann beim zweiten Download aller Feeds eine Kette von Fehlermeldungen produzierte, jeden dieser Fehler muß man in einem modalen Fenster bestätigen. Ungut!

Fazit

PulpFiction bietet gute Ansätze, ist aber im gegenwärtigen Zustand eindeutig “Beta” und viel zu ressourcenhungrig, um damit arbeiten zu können. Die Bedienung ist mir zu umständlich, im NetNewsWire kann ich mit zwei Tasten, “+” und “K”, meine über 200 Feeds komfortabel und schnell durchschauen. Die unterschiedlichen Anzeigemöglichkeiten (Einträge pro Blog, pro Gruppe oder alle auf einmal durchblättern) des NetNewsWire erscheinen mir auch praktischer als die Anordnung à la Mail.app. Ich werde vorerst bei NetNewsWire bleiben.

P.S.: Natürlich nöhle ich nicht nur hier im Blog herum, sondern habe die Fehlermeldungen und den Gesamteindruck auch an die Entwickler “gemailt”.