Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Weblogtalk

Der große Bruder, Marke Eigenbau

Die wenigsten Weblogger machen sich über das Gedanken, was die hinreichend gebloggte Studie »Expectations of Privacy and Accountability« (z.B. bei Martin und bei Arnold) an den Tag brachte. Interessant finde ich das Ergebnis hinsichtlich der 36% die “in Trouble” gerieten wegen der von ihnen gebloggten Dinge, scheint mir ein wenig zu hoch um “valide” zu sein.

Das Netz vergisst nix, alle im Weblog geschriebenen Beiträge lassen sich via Suchmaschine bequem durchgehen, und so entsteht, zumindest bei denjenigen die mit ihrem richtigen Namen bloggen, ein Bild vom Weblogger das erheblich realer und authentischer ist als z.B. die geschliffene Selbstdarstellung in Lebensläufen und Profilen. Der Weblogger schafft sich einen “großen Bruder”, und das auch noch freiwillig. Dabei bräuchte man eigentlich nur die Suchmaschinen via “robots.txt” ausschließen und schon wäre das Problem gelöst. Aber die Webloggern eigene Eitelkeit, gepaart mit dem Bewußtsein, der Welt wichtige Dinge mitzuteilen, verhindert das, man möchte ja in Google auftauchen. ;-) So kann es dann passieren, dass einen in der scheinbaren digitalen Idylle geschriebene Dinge im “realen” Leben einholen. Wer heute im Weblog über den MS Internet Explorer ablästert, weil dieser den Benutzer vor die Wahl “Sicherheitslücken vs. SSL-Verschlüsselung” stellt, darf vielleicht übermorgen deshalb auf den lukrativen Job bei Microsoft verzichten (siehe Gretchens Kommentar).

Was ist also zu tun? Schere im Kopf aktivieren, also keine “linksverdächtigen” Kommentare zur Lage der Nation mehr abgeben? Übrigens fällt mir auf, dass sich viele der deutschen “A-List-Blogger mit professionellem Anspruch” mit politischen Aussagen in ihrem Weblog äußerst zurück halten, Schere bereits aktiv? Nicht über Produkte lästern deren Produzenten vielleicht mal Arbeitgeber werden? Google-Roboter aussperren?

Am einfachsten ist es wohl, Arnolds Ratschlag zu befolgen:

»Now it`s time to live your goals and principles and treat everybody the way you want to be treated, because if you don`t, everybody will know. And after all, for all the good things you do, you won`t have to spent millions of dollars in PR for letting the people know, they will find it for themselves. Great!«

Conclusio: Im echten Weblog mit Realnamen “brav und positiv” sein, und sich ein anonymes Zweitblog zum lästern zulegen? ;-)