Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Zeugs Perennen

Server-Konsolidierung, oder: Oh, Du göttliches Knoppix!

Nach dem Wochenende, welches den schönen Offline-Seiten des Lebens gewidmet war, habe ich mich zum Auftakt dieser Woche einem aktuellen IT-Modetrend gewidmet: Server-Konsolidierung. ;-)


Sprich: Ich habe meinen Hardware-Zoo ein wenig ausgedünnt, zur Reduzierung der Lärmentwicklung und des Stromverbrauchs, und zur Anpassung an meine durch das Powerbook veränderten Computer-Gewohnheiten. Das alte Notebook wurde verschenkt, ebenso der P75 der bisher als fli4l-Disketten-Router fungierte. Letzterer wurde durch einen leisen und stromsparenden Hardware-Router ersetzt.


Als Server im Netz fungiert nun der bisher nur als GiantDisc-MP3-Server eingesetzte PII mit Debian, beim Neuordnen der Platten passierte dann ein Malheur: Da der PII ein BIOS besitzt das nur Platten bis 33GB erkennt lief dort ein Diskmanager von IBM, um die 60GB-Datenplatte ansprechen zu können. Den habe ich in einem Moment geistiger Umnachtung von der Boot-Partition entfernt und wollte die 60GB-Platte in meinen P4-Arbeitsrechner einbauen. Das Problem: Da sie mit dem Diskmanager partitioniert worden war, erkannte kein installiertes System die Partitionen, kein Debian, kein Gentoo, Windows sowieso nicht. Die Diskette mit dem Diskmanager blieb unauffindbar. Gut, denkt man sich, holt man ihn sich bei IBM. Dort wird man zu Hitachi geleitet, nach einiger Sucherei findet man die lapidare Botschaft: »Looking for Disk Manager? Disk Manager is no longer available for download on our site, because systems with Windows XP and 2000 don`t require it.«

Na toll. Es gibt ja auch keine anderen Systeme, und dass man eine bereits mit Daten bestückte Platte besitzt und dafür noch mal einen Diskmanager benötigt ist ja so unwahrscheinlich wie Schnee im August. Was für ein Fruchtgetränke-Kontor! Damit haben wir einen weiteren Eintrag auf der “Schwarzen ralle-Liste” von Herstellern die bei zukünftigen Hardware-Anschaffungen keine Berücksichtigung mehr finden werden …


Das Problem verschärfte sich, mir wurde ganz ungut zu Mute, denn auf der 60er waren insgesamt 30GB wichtige Daten (alle mühsam von meinen CDs gerippten MP3s, das Archiv meiner Arbeit seit 1997, usw.), die ich schon immer mal auf DVD brennen wollte, aber irgendwie nie zu gekommen bin. ;-) Was nun? Mit einem Hex-Editor die Partitionstabelle bearbeiten? Sehr gefährlich!


Ein von zahlreichen Lucky-Strike begleitetes fieberhaftes Nachdenken über eine Lösung setzte ein, dann, auf dem Rückweg vom Rauchen, fiel mein nachdenklicher Blick auf eine Knoppix-CD. Debian und Gentoo konnten die Platte nicht ansprechen, wieso also Knoppix? Aber “Versuch macht klug”, also wurde flugs Knoppix gebootet, und, unfassbar aber wahr, die Platte konnte problemlos “gemounted” werden. Nun bleibt der Rechner an, die Daten werden auf eine andere Partition gesichert, und dann wird alles, was Diskmanager und seine Partitionen ist, gänzlich entfernt. Für dieses Gefühl der Erleichterung werde ich Klaus Knopper und seinem genialen Knoppix bis ans Ende aller Zeiten dankbar sein, oh göttliches Knoppix, ich bin Dein devoter Adept …


Was lernen wir daraus? Nie, nie, nie Festplatten mit verhärmten Diskmanagern einrichten, und wenn dann die Installationsmedien am berühmten “sicheren Ort” verwahren. Und man sollte bis ans Ende aller Zeiten Award für ihre saudummen BIOS-Bugs schlagen und prügeln, denn ich habe mit eigenen Händen in einen PII 266 mit Phoenix-Bios problemlos eine 120 GB-Platte einbauen können, dass das ohne Diskmanager nicht funktioniert ist also keineswegs ein Naturgesetz, auch nicht bei 3,5 Jahre alten Boards.


Und eine weitere Lehre: Mit Macs wäre das alles nicht passiert. ;-)