Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Linux

Computer-Philosophisches: Linuxzeit - Bastelzeit

Ich konnte es natürlich nicht lassen: Irgendwo gelesen dass Gnome 2.4 draußen ist, musste ich natürlich haben. Dank des genialen Gentoo-Portage-System sollte das ja kein Problem sein – ist es natürlich doch. Es scheint einfach so zu sein: Alle, aber wirklich alle, Paketverwaltungen für Linux saugen. Die eine mehr, die andere weniger. Sicher, ich kann ja bei Debian Woody bleiben, da saugt die Paket-Verwaltung eigentlich nicht, nur kann ich dann frühestens im Frühjahr 2005 mit Gnome 2.4 rechnen. Bei einem Produktivsystem würde ich das sogar machen, mein Linux daheim ist aber zu einem gewissen Grad auch “Fun”, und da gehört es einfach dazu dass man neue bunte Sachen einmal ausprobieren möchte.

Es liegt einfach in der Natur der Sache: Mit den immer komplexeren Desktop-Umgebungen ist einfach ein Durcheinander von Abhängigkeiten im Linux-System erreicht dass man nur von, nun ja, Windows kennt. Gentoo will alles mögliche kompilieren für ein Gnome-Update, und mittendrin bleibt ein Paket mit einem Kompilierfehler stehen. Und damit geht nun kein X mehr. Sicher, nun kann man lesen, suchen, lesen, suchen, kompilieren, lesen, suchen, und irgendwann ist der Fehler dann behoben. Ich habe schon im Gentoo-Forum gelesen dass genau dieses Paket bekannt für seine Probleme ist. Nur eine Lösung gab es keine. ;-)

Ich will Euch mal was verraten: Ich mag Linux wirklich. Ist ein feines System, ein Traum, wenn es einmal läuft. Macht einfach Spaß damit zu arbeiten. Aber: Vielleicht liegt es am zunehmendem Alter, ich habe einfach keinerlei Lust mehr bei jeder Aktualisierung damit rechnen zu müssen dass irgendwas Schlimmes passiert. Seit 1994, als ich mein erstes Linux installierte, wird das schlimmer statt besser. Wie gesagt, die Komplexität nimmt zu. Das wird das Problem sein. Und das ist keine spezifische Gentoo-Sache, damit muß man bei allen Linux-Distributionen rechnen. Dieses ewige suchen, lesen, basteln, suchen, lesen, basteln, wenn man etwas “außergewöhnliches” wie z.B. einen PDA an die USB-Schnittstelle anschließen, möchte. Braucht man erst mal dieses und jenes Kernelmodul, dank des grandiosen Prinzips dass Treiber im Kernel laufen heisst es dann erst einmal: Fröhliches Kernel-Backen. Und dann 7 Man-Pages, 3 Docs in /usr/share und 37 HTML-Dokumente lesen, konfigurieren und machen und tun – einfach keinen Bock mehr drauf!

Als Alternative (Windows ist natürlich indiskutabel) gefällt mir MacOsX immer besser. Eigentlich sitze ich auch daheim nur noch am Powerbook. Gut, MacOsX kostet Geld. Aber nicht nur Geld ist eine Ressource, sondern auch Zeit, insbesondere für den erwachsenen Menschen der einer geregelten Tätigkeit nachgehen muß. Und da stellt sich die Frage ob es nicht einfacher ist ab und an Steve und seinem Apfel-Laden 130 Euro für ein MacOsX-Update, dass man dann einfach reinschiebt, einen Moment wartet und es läuft, in den Rachen zu werfen als ständig stundenlang seine Zeit mit dem Studium von trockenen Dokus, Basteleien und Suchaktionen im Netz zu verbringen nur weil man jetzt gerne mal schöne neue Sachen hätte (oder “Unmögliches” verlangt wie den PDA an USB anschließen, oder gar PowerManagement auf einem Notebook). Ich tendiere nun ernsthaft zu ersterem. Vielleicht sollte ich den PC verkaufen, den Sparstrumpf füllen und dann durch einen G5 ersetzen. ;-)