Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
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Die Eigendynamik der Digitalkamera ...

… beschäftigt Telepolis:

»Wer sich mit einer gezückten Kamera zeigt, wird, so unauffällig er sich geben mag, als bewaffnet angesehen. Fußgänger bleiben stehen und warten, bis er seine Arbeit beendet hat, Radfahrer ducken sich unter der Linse weg. Eine eigenartige Nervosität breitet sich im Umkreis des Fotografen aus, als sei jemand anwesend, der etwas belegen kann. Mit einem Wort: Kamera und Fotograf erzeugen im Handumdrehen Paranoia. Diese Paranoia drückt sich auch in dem misstrauischen, verwunderten oder ausgesprochen feindseligen Tonfall derer aus, die ihre Angst überwinden, und den Fotografen nach Motiv und Motivation fragen: Was da zu fotografieren sei? Welche Zeitung das drucken wolle? Was man eigentlich im Sinn habe mit diesen Blumenbildern aus einem privaten Vorgarten?«

Feindseligen Tonfall habe ich bisher noch nicht erlebt, aber man erregt eine Aufmerksamkeit an die man sich erst gewöhnen muß, anfangs fühlte ich mich unbehaglich mit der Kamera irgendwo zu stehen und angeguckt zu werden. Mit der Zeit stumpft man da aber ab und verliert jegliche Hemmungen. Je nach dem, wo man fotografieren möchte, muß man auch erst den im lokalen Kontext bestehenden “Respekt vor bestehenden Eigentumsverhältnissen”, wie das eine Autorin im c`t-Sonderheft so schön ausdrückte, einschätzen.

Noch ein blumiges Zitat: »Worauf will die digitale Fotografie hinaus? Auf eine technologische Form der Telepathie. Das Ideal wären Bilder und Filme, von den Augen selbst aufgezeichnet und im Gehirn gespeichert, die ohne Umwege über externe Apparate in Echtzeit überallhin versendet werden können.«

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