Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

Das Einheitsgeschenk: Konvent für Deutschland

Hallo Zielgruppe! Dem deutschen Teil der Leserschaft wünsche ich einen fröhlichen Einheitstag verbracht zu haben, dem Rest einen fröhlichen Arbeitstag. ;-)

Wenn man sich während eines albtraumgeschwängerten Drogenrauschs die ultimative “Sabine-Christiansen-Dummbabbler-Talkrunde” zusammenfantasieren würde, käme genau das dabei heraus: Konvent für Deutschland. Heute, am deutschen Nationalfeiertag, wie Dieter Bohlen sagen würde, “supi-super-symbolisch”, hat Ex-Bundespräsident Roman Herzog, von Hause aus schon immer einer der enervierendsten Schwätzer Deutschlands, den Konvent für Deutschland gegründet, und alle Laberköppe dieser Republik machen mit: Roland Berger, Hans-Olaf Henkel, der selbsternannte grüne Querdenker (warum ist eigentlich jeder Grüne der sich auf den Weg nach Rechts macht ein “Querdenker”?) Oswald Metzger, Otto Graf Lambsdorff, Peter Glotz und noch ein paar Gestalten dieses Kalibers. Motto der Unternehmung (Zitat):

»Heute sind Tempo und Umfang der Reformen zu langsam und zu wenig nachhaltig. Anhaltende hohe Arbeitslosigkeit, steigende Staatsverschuldung, sinkende Qualität der Bildung und immer schlechter funktionierende Sozialversicherungssysteme zeigen deutlich, dass Deutschland im internationalen Vergleich in vielen Bereichen zu spät reagiert und zurückfällt. Während man anderswo eigene politische Entscheidungsprozesse überprüft und den neuen Verhältnissen angepasst hat oder dabei ist, es zu tun, müssen die Verantwortlichen in unserem Land immer noch auf der Grundlage eines vor 55 Jahren zustande gekommenen Entscheidungssystems zurechtkommen, welches zudem noch durch fortschreitende Vermischung von Verantwortlichkeiten zwischen Gebietskörperschaften, Bundestag und Bundesrat immer weiter an Bewegungsfähigkeit eingebüßt hat. Zusätzlich hat eine wachsende Bürokratisierung in fast allen Lebensbereichen die direkte Beteiligung der Bürger an politischer Willensbildung eingeschränkt.«

Sie wollen also im Prinzip unser politisches System abschaffen. Das Beste daran: Die Krise die sie nun beklagen, haben die honorigen Polit- und Wirtschafts-Pensionäre (außer Metzger, der politische Frührentner, er hatte eh nie viel zu melden) in ihren besseren Zeiten selbst nach Kräften herbei geführt, oder, wie die Berliner Zeitung trocken bemerkt: »Man [braucht] keine Kommission, schon gar nicht eine der größten Kritiker der Elche, die früher selber welche waren.«

Man darf gespannt sein was uns diese weisen Leute schenken werden, aber schon in der Antike wusste man: “Was auch immer das sein mag, ich fürchte die Danaer, wenn sie Geschenke bringen.” Andererseits (wenn man schon in antiken Metaphern versinkt) sollen die Herren sich lieber ihrer Danaidenarbeit widmen, bevor sie sonst irgendwo Schaden anrichten …