Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

Joschka spricht!

Und zwar in der heute “relaunchten” neuen Frankfurter Rundschau. Nicht die Website ist “relaunched”, sondern die gedruckte Ausgabe. Dazu später mehr, nun aber zu Joschka Fischer, der der “neuen” FR ein lesenswertes Interview gegeben hat, einige Perlen daraus:

»Wir brauchen, gerade bei den bevorstehenden schwierigen Abstimmungen, unsere eigene Mehrheit – damit der Ball im Feld der Opposition liegt, die im Bundesrat die Mehrheit hat. Weitere Entscheidungen kommen noch. Die Opposition betreibt ein durchsichtiges Spiel. CDU und CSU setzen darauf, dass die Mehrheit links wegbricht und so rechts ihr Weizen blüht. Exakt das darf nicht aufgehen.«

»Wenn links sein soll, dass am Ende nach dem Verlust der Mehrheit die Rechten ihre Reformvorstellungen durchsetzen, verstehe ich die Welt nicht mehr.«

»Wenn es 1982 vielleicht einen entscheidenden Fehler der SPD gegeben hat, dann den, dass die Führung zu lange zugeschaut hat, wie Einzelne mit der Machtfrage gespielt haben, bis sie fast beliebig geworden war. Diesen Fehler macht Gerhard Schröder heute nicht. Ich verstehe seinen Hinweis auf 1982 eher als ein `Wehret den Anfängen`, als Warnung davor, die politische Gestaltungsmacht in zugegeben widrigen Zeiten einfach wegzuwerfen.«

Recht hat er, der Joschka. Alle die jetzt (berechtigt) über Rot-Grün jammern sollten sich mal klar machen was abgehen würde wenn heute Stoiber und Merz bestimmen würden wo es lang geht. Ich finde das Verhalten der sechs SPD-Renegaten unmöglich, sie hatten die Chance ihre Sichtweise in Partei und Fraktion einzubringen und haben verloren. Dann trotzdem dagegen zu stimmen und die Koalition aufs Spiel zu setzen ist das Letzte. Und es ist ja wohl ein absoluter Witz ein solches Verhalten als Gewissensentscheidung freier Abgeordneter zu deklarieren, Müntis Strafpredigten gegenüber diesen Damen und Herren können gar nicht intensiv genug in ihren Ohren klingeln …

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