Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Seltsames

Rheinländer! Auf ihn mit Gebrüll!

Michael Rudolf legt sich im Feuilleton der Frankfurter Rundschau mit uns Rheinländern (ich wohne nur in Wiesbaden, aber bin gebürtiger “Düsseldorfer Jong”) an:

»Womit der Rhein seit Wochen geizt, das verschwenden die rheinischen Brauereien: Flüssigkeit. Und mit ihr das Verderben. Alles, was ein Bier nicht braucht, haben Kölsch und Altbier im Übermaß: schlammige Säure, verbrannte Aromen, Schaumperlen, so groß wie Janis Joplins Brillengläser, prähistorische Hopfenauszüge. Und der Alkohol entstammt einer toxischen Fünfminuten-Terrine aus Gärungsnebenprodukten und Kölnisch Wasser, beziehungsweise aus der Niedrigwasseraufbereitungsanlage. Die einzige Anpassungsleistung der rheinischen Population scheint es zu sein, der nichtrheinischen Welt zu beweisen, diese liquiden Appetitnachzügler seien kein Gift.«

Erst einmal: Man kann nicht Altbier, den edelsten und vollkommensten aller Gerstensäfte, aufs übelste Verunglimpfen indem man es als “liquiden Appetitnachzügler” bezeichnet und dann auch, viel schlimmer, mit dem Gebräu des seltsamen Völkchens was rund um die große Bahnhofskirche am Rhein siedelt, dem Kölsch, in einen Topf werfen!

Weiter: »Schließlich ist der Rheinländer genuin expansiv disponiert. Seine Bonner Ultras sind schon nach Berlin umgezogen, die Popkomm bald dito. Und seine Lautsprecher Wolfgang Niedecken, Britta von Lojewski und Dieter Gorny sind nach wie vor auf freiem Fuß. Dass unsere Vergeltungsmaßnahmen bislang ruhen, interpretiert er womöglich als prinzipielles Einverständnis mit seiner Rheinkultur, ja unter Umständen sogar als Anerkennung. Vielleicht wird unser Zaudern auch als Schwäche ausgelegt. Wir sollten dringend etwas unternehmen.«

Das ist nun wirklich nicht mehr fair, alle Rheinländer mit dem “Südstaat-Dylan” Niedecken zu identifizieren ist gemein, mit der Zeitung in der Hand musste ich bitterlich in der S-Bahn weinen als ich das las. Zur Strafe wird die FR nun zwei Tage nur “für umme” im Internet gelesen. Das haben sie nun davon! ;-)