Digital Bohemian Rhapsody: re:publica 13 – Tag 1

flickr-Bild: re:publica 13

Wie schon einmal erwähnt, die re:publica 12 am neuen Ort hatte ich ausgelassen. Um so gespannter ging es an den neuen Veranstaltungsort, die STATION Berlin. Und man wurde nicht enttäuscht, großzügige und liebevoll dekorierte Räumlichkeiten warteten auf die jährliche Versammlung der »Internet-Elite«.

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Zur Eröffnung gab es Videos vom Aufbau in den Räumlichkeiten der STATION und einen hübsch illuminierten großen Vortragsraum. Die vier Hauptprotagonisten machten Appetit auf das Vortragsprogramm und auf eines der von Aktualität (Stichwort »Drosselkom«) in den Mittelpunkt geschobenen Hauptthemen, die Netzneutralität, aufmerksam.

Ein paar Vorträge gab es auch ;-), natürlich schafft man es wie jedes Mal in viel weniger Vorträge als man sich vorher im Programm vorgemerkt hat, der soziale Aspekt eines solchen »Meet-Ups« muss ja auch zu seinem Recht kommen.

Die maschinenlesbare Regierung

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Mein erster Vortrag gab einen Überblick über Akteure und Stand des Themas Open Datain Deutschland. Wie bei solchen Themen üblich ist das in Deutschland ein Trauerspiel. Öffentliche Daten werden in Deutschland unter einer eigens dafür konstruierten »Datenlizenz Deutschland« veröffentlicht, dabei hätte es dafür schon etablierte Lizenzmodelle wie die »ODC Open Database Licence« gegeben. »Not Your Govdata« erläutert, warum das ein Problem ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Daten im deutschen Datenportal GovData bereits Auswertungen sind, »wir Datennerds« möchten aber natürlich die Rohdaten haben.

Grundsätzlich sind die deutschen Behördenapparate ein Ort »wo Preußen noch lebt«. Die Behörden haben keine Verpflichtung zur Veröffentlichung von Daten, ergo tun sie das auch nicht. In Politikkreisen wird dann gerne vorgebracht, man müsse einen kulturellen Wandel zur Offenheit in den Behördenapparaten auslösen, dann würde das schon besser werden. Referent fukami hält das für Unfug, der einzige Weg die Behörden zur Rausgabe der Daten zu bewegen sei eine gesetzliche Pflicht.

Weitere Vorträge am ersten Tag

Horst Zuse berichtete in einem viel zu kurzen und deshalb viel zu hektisch geratenen Vortrag über die Geschichte des Computers, was natürlich die Maschinen seines Vaters Konrad Zuse meinte. Garniert mit Anekdoten und Nacherzählungen (aus technischen Gründen) ausgefallener Videos gab es einen Ritt durch die Anfänge der Computerei. Alles im Vortrag nur angerissene findet man ausführlich auf Horst Zuses Website über Konrad Zuse. Diesen Vortrag kann man sich bereits bei Youtube anschauen.

Kathrin Passig referierte im Vortrag »Mass Customization – Da geht noch mehr« über Erfahrungen und Ansätze unter besonderer Berücksichtigung ihres Projekts zufallsshirt.de. »Mass Customization« scheint ein schwieriges Feld zu sein ist das Fazit diese Vortrags. Man findet zwar ein paar Anbieter die individuelle Anpassungen erlauben, in Sachen brauchbarer APIs sieht es aber mau aus. Auch den Vortrag gibt es bereits bei Youtube.

Das popkulturelle Feuilleton tobte auf der rp13-Bühne bei einer kruden Mischung aus Diskussion und Interview von Mercedes Bunz und dem alten Spex-Chefproblematisierer Diedrich Diederichsen unter dem Titel »Immer dieses Internet«. Es bestätigte sich mal wieder dass ältere Herrschaften alles Neue stets im Referenzsystem ihrer jüngeren Jahre bewerten, so der Herr Diederichsen halt im Kontext von »Vinylscheiben aus dem Mailorderkatalog«. Wer Spaß am feuilletonistischen Problematisieren »bis es kracht« hat sollte sich dieses Gespräch ansehen.

Nur am Rande bekam ich die jährliche Massenpredigt von Sascha Lobo mit. Diese kulminierte in der Vorstellung eines Wordpress-Tools zur freiheitsfördernden Aggregierung von anfallenden Inhalten im Social Web in der eigenen Wordpress-Installation namens reclaim.fm. Das leistet in etwa das was mein guter alter »Panta Rei« bietet. Und »was würde Merkel tun« soll die Maxime des Handelns der »Netzgemeinde« werden…

Fazit

Was kann man anderes sagen als Frau @antischokke auf Twitter:

»hach. alles.«

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