Ausgetwittert

Photo: Jeremy Zero on Unsplash

Neulich erst (2016) feierte Twitter seinen 10. Geburtstag, und wir wünschten damals: »Bleib wie Du bist, altes 140-Zeichen-Haus!«

Das hat das (mittlerweile 280-Zeichen-)Haus nicht gemacht, und so ist Twitter kurz nach dem Ende März gefeierten 15. Geburtstag leider erledigt.

Deshalb ist mein einst im Januar 2007 als »Brüllr 2.0« angelegter Twitter-Account @leralle in seiner bisherigen Form Geschichte. Er wurde geleert, umbenannt und ist nun ein »Kanal« im Sinne von »POSSE«. Klassisch getwittert wird nur noch im Fußball-Account @ballreiter

(Photo by Jeremy Zero on Unsplash, thanx!)

Die guten alten Twitterzeiten…

Ja, das waren noch Zeiten auf Twitter, damals, als man sich noch über »Guten Morgen – gute Nacht«-Tweets aufregte oder angeblich irrelevante und banale Twitter-Inhalte mokierte. Letzteres lustigerweise genau in jenem ehemaligen politischen Wochenmagazin, das heutzutage mit nicht minder relevanzfreien Emo-Artikeln für das grüne Klientel reüssieren möchte. So ändern sich die Zeiten. »Relevanzfrei-emotional«, einst verpönt, ist heute en vogue. Da war »Social Media« wohl Vorreiter…

Lange Jahre lebte Twitter gut in seiner angeblichen »Irrelevanz« und seinem bunten Themenmix. Es war unterhaltsam und informativ. Man konnte mit netten Leuten plaudern, die man dann vielleicht sogar im Stadion traf. Twitter hatte seine gute Zeit. Die ist aber leider vorbei!

… sind leider vorbei!

Denn Anno 2021 ist das gute alte Twitter nur noch ein Schlachtfeld. 24/7/365 tobt der Corona-, Klima- und Politik-Krieg. In den 280-Zeichen-Schützengräben verläuft die Frontbildung anhand der Grenzen des Front-Feind-Schemas. Was, Du heulst nicht, weil »das Meer brennt«? Blocki-Di-Block! Und die Claque spendet reichlich Herzchen und replied zustimmend. Was für ein übler Mob!

Internetz-Weggefährten aus alten Zeiten sind komische Schrate geworden und feuern aus ihrem Twitter-Schützengraben rund um die Uhr auf »die Feinde«. Man ist erstaunt, wie schnell sich »seit Corona« Leute, die man zumindest digital kannte, verändert haben. Der Lack der Zivilisation, er ist, wie nicht nur die deutsche Geschichte zeigt, schon immer dünn gewesen! Durch Social Media bekommt man es nur direkter mit.

Bei manchem, den man schon länger kennt, ist man versucht zu sagen: »Junge, drucke mal drei Tage Deiner Tweets aus, lese sie und beantworte die Frage: Bist Du darauf stolz?«

Ausgezwitschert! In gewisser Weise.

Lange Rede, kurzer Sinn: Auf diesen ganzen daueraufgeregten konfrontativen Polit-Bullshit habe ich keine Lust, deshalb wurde mein Account »leralle« nach 14 Jahren mit dem Skript »zwitschiloesch.rb« geleert, umbenannt und ist bis auf Weiteres nur noch ein »Ausgabekanal« im Sinne von POSSE. Der Account wird vorerst auch nicht mehr aktiv gelesen.

Twitter nutze ich nur noch mit meinem »streng kuratierten« Fußballaccount @ballreiter. Leute mit Hang zu Polit-Geplärre werden dort gar nicht erst gefollowed oder schnell wieder geunfollowed.

Schade um Twitter. Aber so ist das halt. Alles hat seine Zeit. Und die ist dann irgendwann vorbei. Mittlerweile muss ich angesichts der Social-Media-Realität schon dem Internetz-Plauderer Jaron Lanier zustimmen. So weit ist es gekommen!

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