Dropbox: Tod durch Featuritis

Dekobild: Eine Mülltonne voller Kartons vor einer weißen Wand.

Es läuft immer gleich: Jemand hat eine gute Idee für die Lösung eines verbreiteten Problems. Z.B.: Automatisches Syncen von Dateien zwischen der »Cloud« und diversen Endgeräten, das gut und problemlos funktioniert. Das hatte Dropbox in der »großen Zeit des Web 2.0« exzellent hinbekommen und wurde schnell populär und der Service zum problemlosen Syncen. Dann wird der Laden größer und größer, denkt sich »Enterprise«-Features aus (die VC-Investoren wollen irgendwann einmal Geld sehen…) und verliert sich in »Featuritis«. Und dann, die suizidale Technologieentscheidung: Sie bringen eine »bloated« App heraus!

Das neueste Opfer: Die gute alte Dropbox!

(Photo by Jilbert Ebrahimi on Unsplash, thanx!)

»The New Dropbox sucks«

Dropbox hat einen neuen Client gebastelt und bei der Lektüre denkt man sich: »WTF? Was ist das alles für Zeug, was habt Ihr aus dem guten alten Dateien-Syncen gemacht?«

Einige Abenteurer haben sich über deren »Early Access Program« den neuen Client besorgt und sind entsetzt: Das ist jetzt wohl eine Electron-App. Was bedeutet: Das Ding läuft im Hintergrund und benötigt nun zum Syncen seiner Files einen kompletten eigenen Chrome-Browser…

Gruber kommt zu dem Schluss:

»The New Dropbox sucks. (..) I don’t want any of this. All I want from Dropbox is a folder that syncs perfectly across my devices and allows sharing with friends and colleagues. That’s it: a folder that syncs with sharing. And that’s what Dropbox was.«

Genau. Michael Tsai hat Stimmen gesammelt, und bis jetzt lassen sich weder bei ihm noch bei einer Twitter-Suche begeisterte Stimmen vernehmen…

Die Alternative: Nextcloud

Bei mir läuft Dropbox nur noch zum Syncen eines Verzeichnisses voller Textdateien, das u.a. meine ToDo-Listen im Taskpaper-Format (was nur »Plain Text« mit ein paar Tabulatoren ist) enthält, damit ich diese bei Bedarf auf mobilen (iOS-)Endgeräten bearbeiten kann. Denn Dropbox-Integration war in fast allen einschlägigen iOS-Textbearbeitungs-Apps vorhanden.

Der »Game Changer« in dieser Hinsicht war iOS 11 mit der damals neuen »Dateien«-App. Sie fungiert als zentraler Zugriff auf lokale und Cloud-Speicher für alle Apps, die sich dort einklinken. App-Entwickler können das in ihre Apps einbauen und sich damit von »jede App implementiert seinen eigenen Cloud-Zugriff« verabschieden. Seit etwa einem Jahr integriert sich auch die iOS-Nextcloud-App in »Dateien«. Damit haben alle »ordnungsgemäß« programmierten Apps (sprich, die »Dateien« nutzen) Zugriff auf die Nextcloud-Ordner. Und diese, also »ordnungsgemäße« Apps, werden immer mehr.

Screenshot: Nextcloud-Integration in der iOS-Dateien-App

Die nextcloud läuft bei mir schon länger zum Vorhalten von PDFs, E-Books und sonstigen Dokumenten. Und das, für eine PHP-Anwendung erstaunlich ;-), absolut problemlos und hat auch noch keine Dateien »verschluckt«. Für das Umstellen der Textdateien auf die Nextcloud brauchte es noch einen kleinen externen Anstoß, den hat Dropbox nun geliefert…

Was soll das mit dem Electron?

Mir kommt keine Electron-App auf den Rechner. Letztendlich zeigt die neue Dropbox-App einen besorgniserregenden Trend: Immer mehr Anwendungen werden mit Electron (oder ähnlichen Technologien) entwickelt. Und bringt dann ein eigenes Webbrowser-Framework mit. Wenn jemand zukünftig an seinem Arbeits-Notebook sitzt, fröhlich mit VSCode, Atom und Slack werkelt und im Hintergrund Dropbox seine Arbeit syncen lässt, sollte dieser Jemand das Arbeitsgerät besser mit reichlich RAM und einer schnellen CPU ausstatten…

dropbox nextcloud electron

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