Jekyll 3.0

Dieses kleine Selten-Blog und das kleine Fußball-Blog nebenan laufen nun beide mit der kürzlich freigegebenen neuen Version Jekyll 3.0.

Sonderlich überzeugt vom Weg, den Jekyll geht, bin ich nicht. Diese Tendenz, alle möglichen Funktionen in Gems auszulagern (wie die Paginierung, meines Erachtens eine Blog-Kernfunktion) ist IMHO nicht der richtige. Das erhöht nur die Komplexität. Der Reiz war, einfach gem install jekyll einzutippen und dann loszubloggen.

Wenn der Entwicklungsweg, den der nahe Verwandte Octopress gehen möchte, für die Entwicklungs-Kultur rund um Jekyll repräsentativ ist, soll »mach ein Gem draus« wohl der empfohlene Weg zur Erweiterung werden.

Aber warum? Bspw. hat das Plugin, das mein Archiv erstellt, ohne Kommentare und Leerzeilen ca. 40 Zeilen Code. Warum soll ich daraus ein Gem machen, statt einfach eine Datei in _plugins zu werfen?

Der als Milestone gefeierte »Incremental Build« funktioniert nicht korrekt, und bringt auch keinen nennenswerten Geschwindigkeitsvorteil. Fairerweise muss man anmerken, dass dieser auch noch »beta« ist.

Und dann soll jetzt alles in »Collections« rein, damit man nicht nur Blog-Posts, sondern Datenstrukturen aller Art irgendwie in statische Seiten umwandeln kann. Das kann ganz praktisch sein (z.B. wird im Fußball-Blog meine Grounds-Karte so erzeugt), aber sollte nicht der Hauptanwendungsfall sein.

Auch die Blog-Posts wurden mit 3.0 nun in Collections umgewandelt. Das ist der breite Weg weg von dem, was Jekyll eigentlich ist – ein kleines Tool, um ein Bündel Markdown-Dateien in ein statisch gerendertes Blog zu verwandeln – in Richtung eines »kannste alles mit machen, Digga«-Tool. Was dann leicht zum Wordpress-Holzweg werden kann…

Das ist wohl eine beklagenswerte Tendenz, dass alle erfolgreichen kleinen Tools irgendwann zu viel werden wollen und sich dann unnötig aufblasen. Man darf gespannt sein, was daraus noch werden wird und ob man irgendwann dann zu einem anderen kleinen Tool wechseln muss, bei dem dieser Zyklus dann wieder von vorne beginnt…

jekyll