Peak Apple! Oder: Wer will schon nach Yosemite?

Desktop Apr. 2015 - Yosemite

Ich bin nun schon einige Jahre auf OSX unterwegs (man beachte den spaßig-naiven Tonfall des Bloggens anno 2003, so war das damals!). Neuerdings nun also auf OSX Yosemite. Fazit: Ich bin noch nie so unzufrieden mit einer OSX-Version gewesen.

Aber wir wollen ja nicht nur motzen (denn wer mit der schönen neuen Apple-Konsumenten-Welt unzufrieden ist kann ja nur ein »Hater« sein), darum zeigt der Rest des Artikels wie ich das »schon« 4 Jahre alte MBP mit frischer Hardware für Yosemite ein wenig aufgerüstet und wieder lauffähig bekomen habe.

Schon Mavericks hatte mein aktuelles Arbeitsgerät, ein Macbook Pro »Late 2010«, per Softwareupdate »deprecated«. Mit 4GB RAM und einer guter alten rotierenden Festplatte ausgestattet war OSX praktisch nicht mehr benutzbar, obwohl die Vorgängerversion »Mountain Lion« einwandfrei lief. Es scheint bei Apple Usus geworden zu sein, neue Features ohne besondere Rücksicht auf einen effizienten Umgang mit den Betriebssystem-Resourcen zu entwickeln, man schaue sich dazu z.B. dieses kleine Video »Performance decline OS X Tiger -> Yosemite« an.

Damit trägt Apple nach Kräften zum stetig wachsenden Elektroschrottberg bei. Da ich das MBP nicht wegwerfen wollte, musste also wie in den alten Zeiten der Spezialschraubendreher in die Hand genommen werden. Ausgestattet mit einer RAM-Verdoppelung und dem formidablen SSD-Upgrade von hardwerk begab ich mich auf den Trek gen Yosemite, Richtung Westen:

MBP und Material

MPB HD-Umbau vorher Der Umstieg auf SSD war sowieso fällig, das Komplettpaket von Hardwrk enthält Werkzeug und Material sowie eine Anleitung zum Umbau. Mit dieser lässt sich der Umbau schnell bewerkstelligen. Meiner Meinung nach kann man sich beim Umbau den einzigen heiklen Teil, nämlich das Abziehen des ziemlich filigranen Steckers der Airport-Karte (unter dem Ventilator) um oben links (im Bild) das CD/DVD-Laufwerk auszubauen, schenken. Man bekommt Aus- und Einbau (des neuen Teils von Hardwrk mit der HD, schwarz in dem Bild unten rechts) problemlos hin indem man ersteres vorsichtig unter dem Airport-Kabel hinaus zieht und zweiteres dann hinein schiebt. Wie immer bei solchen Dingen gilt: YMMV.

MPB HD-Umbau vorher

Das Tauschen der RAM-Bausteine benötigt keine große Demontage. Wenn man das MBP sowieso aufschraubt kann man das bei der Gelegenheit gleich erledigen, ich empfehle den RAM bis zum maximal Möglichen aufzurüsten, Yosemite kann davon nicht genug haben.

Die Bastelei sollte man genießen, das könnte schließlich eines der letzten Male »Hardware-Schrauben« im Leben sein. Wenn man nicht gerade unter die PC-Kisten-Schrauber gehen möchte, werden die MBP dieser Generation die letzten Apple-Rechner sein in denen man noch selbst Hand anlegen kann. Die Miniaturisierung der Hardware mit fest verlöteten RAM- und SSD-Bausteinen (beim neuen Macbook 12 Zoll zu bewundern) wird das in Zukunft unmöglich machen.

Das Betriebssystem klonte ich mit CarbonCopyCloner von der alten HD auf die SSD und nahm dann das Upgrade auf Yosemite vor. Das ging, nachdem der unfassbar langsame AppStore-Download endlich fertig war, dank der neuen SSD sehr schnell. Häufiger liest man dass eine Neuinstallation besser wäre, das ist aber Windows-Switcher-Logik, OSX kann Upgrades und ein jahrelang fortgeführtes home-Verzeichnis problemlos ab.

Nun läuft der Rechner endlich wieder mit akzeptabler Performance. Yosemite ist aber an allen Ecken und Enden unfertig und man stößt dauernd auf Bugs. Dazu kommt das gewöhnungsbedürftige »Flat«-Design dass z.B. dazu führt dass das Dock nun verbastelter aussieht als einer der früher von OSX-Anhänger_innen belächelten Linux-Dock-Klone Docky oder wbar.

Zeug wie Spotlight und vor allem iCloud belasten ständig die Systemresourcen, insbesondere die beiden iCloud-Daemonen cloudd und bird sowie Spotlights mds beschäftigen das System auch ganz ohne lästige Tätigkeiten von Benutzer_in. So soll das ja sein. ;-)

Nach jedem Boot lasse ich ein Skript laufen dass diese Daemonen ein wenig mit den Unix-Bordmitteln, nämlich renice, in ihrem Resouren-Hunger bremst (ist im Terminal auszuführen):

sudo renice -n 20 -p `pgrep mds|head -n1`; sudo renice -n 20 -p `pgrep cloudd`; sudo renice -n 20 -p `pgrep bird`

Nun läuft dank SSD und RAM-Verdoppelung das System wieder flott und flüssig und man muss sich nur noch über die halbfertigen Features und Bugs aufregen. So hört z.B. einfach so mal Mission Control im laufenden Betrieb auf zu funktionieren und ist erst nach Reboot wieder da (die klassische Windows-Lösung). Und von iCloud fange ich gar nicht erst an, dem ersten der gigabyteweise Fotos verliert weil er sie der neuen Photos-App und iCloud anvertraut und dann in Twitter rumheult lache ich öffentlich aus. iCloud ist intransparent und latent unzuverlässig, ich würde das für nichts benutzen was über das Syncen von ein paar Kontakten und Terminen hinaus geht.

Fazit: Erst einmal werde ich bei OSX bleiben, habe aber spätestens seit Yosemite ernste Zweifel was die Zukunft dieser Plattform angeht.

osx yosemite peakapple