April 2013

Echtes Bloggen

Schreibt Jürgen Finn auf Carta in einer ebenso wahren wie lesenswerten Replik auf Sascha Lobos »UNSERE MÜTTER, UNSERE FEHLER«:

»Kommerzielle Blogs sind keine Blogs. Deshalb können sie auch keinen Einfluß haben. Im Gegenteil: Gerade mit der Kommerzialisierung benimmt sich ein Blogger seines Einflusses. Er macht sich gemein mit den „Professionellen“, die nach dem Brot gehen und ihren Werbekunden verpflichtet sind. So entstehen rasch Interessenkonflikte und Abhängigkeiten. Er verliert seine Glaubwürdigkeit. Das Blog degeneriert zur „Plattform“, zur Werbeplattform nämlich. Es wird zum „Format“, das befüllt werden muß, um ständig neue Leser zu ziehen – siehe oben. Die Kommerzialisierung ist keine Lösung, sie bringt nur Probleme mit sich.«

Das haben »wir alten aus der alten Bloggerzeit« ja schon damals gesagt. Es fehlte nicht an Versuchen, wir erinnern uns an schauerliche Monetarisierungsversuche wie bezahlte Auftrags-Blogeinträge für den Gegenwert von zwei Kästen Bier. Oder sehen täglich »Pro-Blogs« Banalitäten zu Artikeln aufblasen weil ja wg. der Werbung täglich etwas im Blog stehen muss. Und wir erinnern uns auch an die schon vor 10 Jahren ausufernd diskutierte Relevanz-Huberei. Bloggen reicht nicht, nein, es muss die Massen mobilisieren und bei Schirrmacher und Co. das blogferne Bildungsbürgertum erreichen. Nö. Bloggen lebt, gerade in den angeblich »irrelevanten« Nischen. Und das prächtig.

Wird Zeit wieder ein wenig mitzumischen. Wo ich doch schon letztes Jahr mein eigenes zehnjähriges Blog-Jubiläum ver-blog-paust habe.

weblogs

Neues aus dem PPC-Lager

Das gute alte PowerBook G4, dessen »verlängertes Leben dank Linux« hier ja schon in einigen der spärlichen Beiträge thematisiert wurde, läuft immer noch wunderbar, obwohl es in ein paar Monaten schon seinen 10. Geburtstag erlebt. Das war halt noch Qualität, damals, als Apple noch richtige Rechner für Geekettes und Geeks herstellte statt Gadgets für Social-Media-Poserinnen und Poser die damit ihr Essen fotografieren und es twittern. ;-)

Das Setup ist seit den letzten Einträgen zum Thema vor schon fast 2 Jahren unverändert, das gute alte Motto »never touch a running system« habe ich mir dafür zu eigen gemacht. Es funktioniert, und Update-Bedarf sehe ich eigentlich nur bei Browsern und Clients für Twitter und ADN. Aber da wird sich wohl sowieso nicht mehr viel tun, gerade der Bereich »Clients für Twitter und ADN« sieht in Linux an sich ziemlich mau aus…

Ganz tot ist die Szene aber noch nicht. Auf Youtube hat jemand ein etwas langatmiges Video von seinem PowerBook mit Ubuntu 12.10 PPC gestellt. Scheint leidlich zu laufen, aber bei Ubuntus merkwürdigen Strategien habe ich meine Zweifel ob es den PPC-Port noch lange geben wird.

»PPC Luddite« testete kürzlich MintPPC 11 und Lubuntu 13.04 PPC an. Gerade MintPPC sieht recht vielversprechen aus, aber wie der Tester schrieb: »This being Linux, though, there are issues.«

Ja, »Issues«. Von daher hält sich meine Experimentierlust mit neuen Distributionen derzeit in Grenzen. Ich bin mir nicht mal sicher ob ich auf Debian 7 upgraden soll wenn es demnächst final wird, denn, wie gesagt: »Never touch a running system…«

linux debian powerbook ppc powerpc

20 Jahre NCSA Mosaic

Heute vor 20 Jahren, am 21. April 1993, schrieb Marc Andreesen auf der Mailing-Liste www-talk:

»Version 1.0 of NCSA Mosaic for the X Window System, a networked information systems and World Wide Web browser, is hereby released.«

Mosaic war nicht der erste Web-Browser der Grafiken »inline« darstellen konnte (das waren Erwise und Viola), aber der erste grafische Browser der auf den »Jedermann-Computern« jener Zeit (sprich, Windows und Macs) installiert werden konnte.

Den historischen Mosaic-Browser kann man übrigens noch immer downloaden und installieren (Windows ist in seinen Strukturen alt genug dass ein Download von 1997(!) problemlos installiert werden kann).

1994 wurden die kommerziellen Rechte an Mosaic vom NCSA einer Firma übergeben, die diese an Microsoft weiterverkaufte. Microsoft entwickelte auf der Basis von Mosaic die ersten Versionen des »Werkzeug des Teufels«, dem berüchtigten Internet Explorer. Im gleichen Jahr verließ Mosaic-Entwickler Marc Andreesen das NCSA und gründete mit einigen anderen Netscape, die dann ja auch einen recht bekannten Browser herausgaben. ;-) So haben beide Fronten des ersten großen Browserkriegs »Netscape vs. Internet Explorer« ihre Ursprünge im selben Projekt.

browser historie www

re:publica 13 in Sicht

Das Banner oben im Kopfbereich dieses kleinen Blogs am Rande der Stadt zeigt es an:
Es ist wieder Zeit für re:publica. Das kleine kuschelige Treffen der Blogger ist ein ganz schönes Monstrum von einer Konferenz geworden.

Nachdem ich 2007, 2008, 2009, 2010 und 2011 dabei war, ließ ich die Ausgabe 2012 »aus Gründen« aus. Deshalb bin ich wirklich gespannt auf den 2012 eingeführten neuen Veranstaltungsort.
Die überfüllte Kalkscheune und der finstere Friedrichstadtpalast waren zuletzt nicht mehr das Wahre und letztes Jahr hörte man vom neuen Ort nur Gutes.

Es wird ein kaum zu überblickendes Programm an Sessions und Tausende Besuchende geben. Und neben der obligatorischen Flut an Tweets und Gebloggtem aus den Kreisen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich die Berichte der Journaille, die (die Prognose wage ich mal) auch bei der 7. Ausgabe im Jahre 2013 nicht die ihren Berichten innewohnende Grundhaltung in der Art von Anthropologen, die einen Menschenfresserstamm in Papua-Neuguinea besuchen, wird ablegen können. Und einen täglich produzierten Reader als E-Book wird es auch geben. Sachen gibt’s!

berlin republica re-publica rp13 re-publica13