Februar 2009

Mehdorn raus!

bahn mehdorn mehdorn

"Die Abmahnung gegen netzpolitik.org":http://netzpolitik.org/2009/deutsche-bahn-ag-schickt-mir-abmahnung/ ist nur der letzte Eintrag im langen Sündenregister von Bahnchef Mehdorn und seinen treuen Vasallen bei der Bahn. Ich kann mich "dem Kollegen mspro":http://mspro.blogspot.com/2009/02/gegen-die-bahn-mobil-machen.html nur anschließen: Mehdorn ist längst überfällig. Mehdorn ist nicht der Lehnsherr der Bahn, sondern vielmehr gehört die Bahn uns allen.

Interessant ist dieser bei mspro verlinkte "Artikel bei stern.de":http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Deutsche-Bahn-Mehdorns-Fahrt/613412.html aus den Zeiten des Theaters um den Börsengang der Bahn im März 2008. Und darin besonders die Rolle von Mehdorns Schutzherren bei der SPD. Und ein Kommentator dieses Artikels war prophetisch begabt ("Zitat":http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Deutsche-Bahn-Mehdorns-Fahrt/613412.html?id=613412&rendermode=comment):

bq. »Ob es schon eine Bahn-Geheimpolizei gibt, die Privatisierungsgegner aufspürt ? Würde mich nicht wundern, bei dem Propagandaapparat im Bahntower. Wenn dazu sogar Spitzenpolitiker brav nicken.«

Tja, "gut getroffen":http://netzpolitik.org/2009/das-memo-zu-der-rasterfahnung-bei-der-deutschen-bahn/.

Mehdorn raus!

Aus der Podcast-Playlist

podcast

iPod-Shuffle-Impression

Das Marathontraining hat wieder begonnen. Das bedeutet: Bei stundenlangen Läufen durch den Wald hat man Zeit für das Hören von Podcasts, Pendeln ist bei mir ja nicht mehr. Dieses Jahr möchte ich hörenswerte Podcasts als Empfehlung weitergeben, ich werde mich sowohl durch meine Lieblings-Podcasts hören als auch mal (für mich) neue Podcasts ausprobieren.

Z.B.: "Küchenradio Nr. 195":http://www.kuechenradio.org/wp/?p=356, mit "Herrn Spreeblick Johnny Häusler":http://www.spreeblick.com zu Gast. Es geht dort etwas chaotisch zu, nichtsdestotrotz gibt es einen für Blogarchäologen interessanten Streifzug durch die Spreeblick-Historie. Man muss anschließend den iPod trocken föhnen, denn ein Teil des Küchenradio-Personals geifert durch das Audio-File nach Informationen und Zahlen, als es um das heikle Thema »Werbung in Blogs« geht. ;) Außerdem erfährt man noch, wieso Nachwuchskräfte auf Journalistenschulen fürchterliche Spießer sind. Hörenswert, kurzweilig - Empfehlung!

Bewährte Kost ist "Chaosradio Express 100 »Das Internet und die Hacker«":http://chaosradio.ccc.de/cre100.html mit Hans Hübner. Es gibt zunächst einen etwas zähen Streifzug durch die Historie der Vernetzung und der Hacker der 80er Jahre. Ab etwa 1:30 h wird es aber richtig interessant, es geht u.a. um den "KGB-Hack":http://de.wikipedia.org/wiki/KGB-Hack aus der Sicht eines Beteiligten, nach dem Motto: »Ich wollte eine VAX, und ich wollte sie in Ost-Berlin«. Wer Zeitmangel hat, bis etwa 1:30 h »vorspulen«.

Ebenfalls Chaosradio Express, anderes Thema in "Episode 101 »iPhone Anwendungsentwicklung«":http://chaosradio.ccc.de/cre101.html. Für am Thema interessierte Pflichtprogramm, der Rest langweilt sich furchtbar.

h2. Meta Meta Meta

Ich will nicht dissen und daher lasse ich mich nicht über die Podcasts aus, die ich nach 10 Minuten weggedrückt habe. Generell frage ich mich stets, wie sich das die Damen und Herren Podcaster so vorstellen: Es gibt da draußen mehr als einen Podcast, und das Zeitbudget der potenziellen Hörerinnen und Hörer ist begrenzt. Denn ich bin nicht der Ansicht, dass man Sprachprogramme hören kann, während man etwas anderes macht dessen Grad geistiger Beanspruchung über Spülen und Wäsche falten hinausgeht. Dazu ist der Mensch nicht konstruiert. Warum also soll ich mir einmal in der Woche ausgerechnet Euren Podcast geschlagene 2 bis 3 Stunden anhören?

Viele Podcasts ufern zeitlich immer mehr aus, ohne dass der Inhalt das hergeben würde. Kann man z.B. »ja, ich glaube Du bist ein bisschen leise«, »du musst mal Skype lauter pegeln« etc. nicht raus schneiden? Und einigen würde ich etwas mehr Konzentration auf den »roten Faden« empfehlen. Zumindest wenn Ihr wollt, dass ich zuhöre, ziellos brabbeln ohne Punkt und Komma kann ich nämlich selbst ausgesprochen gut, dazu brauche ich keinen Podcast. ;)

Und natürlich würde ich mich über Empfehlungen freuen, was man denn noch so hören kann, unterwegs zu Fuß in den endlosen Weiten der Wälder.

5 Kommentare

Thibaud am 04.02.2009:

Sehr schön. Ich bin für Podcast-Tipps immer dankbar. KR195 werde ich mir mal anhören. Meta Meta Meta: Ich weiß gar nicht, wo das Problem ist. Es gibt auch so einige Podcasts, die ich nach 10 Minuten (oder weniger) wegdrücke, aber was solls? Denn es ist ja nicht wie beim klassischen Fernsehen/Radio und "es gibt da draußen mehr als einen Podcast". Das ist es ja, was den Charme von Podcasts ausmacht, denn dadurch dass jeder einen eigenen (wenn auch noch so schlecht gemachten) Podcast machen kann, entstehen ganz neue Formate, die es sonst vielleicht so nicht gegeben hätte. Klar, auch ich höre lieber gut produzierte Podcasts, die nicht zu lang sind und einem roten Faden folgen, aber die anderen, die schlechten, kann man ja einfach ignorieren/wegdrücken und dem Gesetz von Angebot und Nachfrage vertrauen. Die Fülle an (unterschiedlich guten) Informationen ist einfach die große Chance und zugleich das große Problem des Webs.

Ralf G. am 04.02.2009:

Naja, Problem ist da keines, man hört es einfach nicht, wohl wahr. Ich denke mir halt manchmal »Mensch, Ihr habt gute Themen und könnt es eigentlich, warum macht Ihr das durch Ausufern und gepodcastete technische Selbstreferenz kaputt?«

KaTe am 09.02.2009:

Tipps? Musik! Gerade zum Laufen. Netzklang (.twoday.net) ist eine nette Show, derzeit nur recht ruhig. Aber der Rest vom gleichen Typen mit seinem komischen Namen ist ganz fein. Wie die recht frische Pam Grier Hommage @ http://www.tobitobsucht.de/wordpress/?p=45. Sehr empfehlenswert. Und auf seine Art auch recht geekig, falls das hier ein relevantes Kriterium ist.

Ralf G. am 10.02.2009:

Danke für den Tipp, wird demnächst mal reingehört, immer nur Gequatsche auf den Ohren ist in der Tat nicht immer das Wahre. ;)

Gutti am 10.02.2009:

Hallo zusammen. Lustigerweise "muss" ich auch in diesem Jahr an einem Marathon teilnehmen und kenne daher das Problem. Wie es der Zufall so will bastelle ich gerade an der Webseite für einen neuen Podcast, den ich mit zwei Freunden gestartet habe. Die Page (http://www.oc-records.de/netzspannung/)ist noch lange nicht fertig, aber das Feed (http://www.oc-records.de/rss/netzspannung.php) wird schon zuverlässig generiert. Wir beschäftigen uns ähnlich wie Herr Tobsucht mit der Netaudio Szene und stellen in der zweistündigen Sendung zunächst ein paar Tracks vor, bevor es dann noch einen DJ Mix gibt. Über Kritik würden wir uns freuen.

Gentoo-Linux auf dem Powerbook G4, oder: Wenn dem Mac-Benutzer zu wohl wird...

powerbook linux gentoo

!/images/gentoo-g4-kompilieren.jpg!

h5. Warum denn das?

Der Schreiber dieser Zeilen war von 1994 bis 2003 vornehmlich mit Linux unterwegs. "Geswitcht":http://www.das-netzbuch.de/article/1001/ralle-the-switcher wurde damals vor allem, weil in Sachen »Notebook und Linux« bspw. die Rumfrickelei mit ndiswrapper-Skripten und dem Herausfinden des Chipsatzes einer WLAN-Karte für das Benutzen eines Computers im 21. Jahrhundert völlig unangemessen erschien. Und das habe ich nie bereut, der Mac ist und war die perfekte Plattform für meine Arbeit, er funktioniert einfach.

Mein schönes altes Powerbook G4 aber, dass noch stets als mein Zweitgerät für Reisen und Konferenzen aller Art am Start ist, "wird demnächst von Apple offiziell zum alten Eisen erklärt":http://www.tuaw.com/2009/02/04/apple-welcome-to-the-obsolete-list-powerbook-g4/. Man bemerkt schon, dass Apple einen rigorosen Strich ziehen möchte. Der »Snow Leopard« wird Gerüchten zufolge keine Unterstützung mehr für Power-PC-Prozessoren enthalten, und der aktuelle Leopard und neuere Programme überfordern das kleine Powerbook mit seinen 867Mhz und 640 MB RAM ein wenig. Man sieht trotz leistungsfördernder Massnahmen wie das Deaktivieren von Spotlight fast so oft den Strandball wie auf vergurkten Windows-Kisten die Sanduhr. ;)

Also entstand die Idee, mal wieder ein wenig in die nerdige Welt des Betriebssystem-Frickeln abzutauchen und das kleine Powerbook mit einem alternativen, schnelleren Betriebssystem für den Alltags-Bedarf unterwegs zu versehen.

h5. Der Power-PC, das Stiefkind der Distributionen

Mein Lieblingslinux Ubuntu wäre eigentlich erster Kandidat dafür gewesen, aber "PowerPC-Rechner werden seit Ausgabe 6.10 nicht mehr unterstützt":https://wiki.ubuntu.com/PowerPCFAQ, es gibt nur noch "einen inoffiziellen veralteten Release":http://cdimage.ubuntu.com/ports/releases/hardy/release/, der schon beim Boot von CD abstürzt. Danke, Herrschaften, so viel frickeln wollte ich dann auch wieder nicht. ;)

Nach ein wenig Herumschauen blieb als ernsthafte halbwegs aktuelle Alternative nur noch die »Linux-Distribution für Masochisten«, "Gentoo":http://www.gentoo.org/, übrig. Auch "das hatte ich einst schon mal im Einsatz":http://www.das-netzbuch.de/article/769/gentoo-linux, war dann aber nach dem ersten Ubuntu-Release gewechselt, weil die ewige Kompiliererei für alles und jedes eigentlich ein Witz ist. Auf dem PowerPC stellt sich gerade das als Stärke heraus. Da nicht irgendwer eine Binärdistribution erzeugen muss, steht für fast alles, was man so braucht, ein Paket zur Verfügung.

h5. Installation

Frisch ans Werk, mit einem Boot von der Leopard-DVD wurde die Festplatten-Partition von Mac OS X um 15 GB verkleinert, das funktionierte wunderbar ohne Datenverlust.

Dann besorge man sich "die Installations-CD für ppc/ppc64":http://www.gentoo.org/main/en/where.xml und boote das Powerbook durch das Halten der »C«-Taste beim »Tataa« von der Installations-CD. Es folgt der mühsame Part, grafische Installation und ähnliches neumodisches Zeug gibt es nicht. Die Installation von Gentoo läuft noch wie im letzten Jahrhundert mit der Eingabe einer Myriade von Kommandozeilen-Befehlen ab. Man halte sich sklavisch an "die Installationsanleitung der Online-Dokumentation":http://www.gentoo.org/doc/en/handbook/handbook-ppc.xml?part=1&chap=1, dann klappt die Installation ohne größere Probleme. Dabei nicht vergessen, ein Ethernet-Kabel an das Powerbook zu hängen. Und bei der Erstellung des Kernels unbedingt "die manuelle Methode":http://www.gentoo.org/doc/en/handbook/handbook-ppc.xml?part=1&chap=7#doc_chap3 verwenden, die genkernel-Prozedur funktioniert nämlich nicht. Und auf gar keinen Fall die plausibel klingende Tastaturbelegung »mac-latin-1« verwenden, diese führt zum kompletten Chaos auf allen Tasten und der Notwendigkeit, von der CD zu booten, die Festplatte zu mounten und die Tastaturbelegung wieder auf »de-latin-1« umzustellen…

h5. Grundkonfiguration

Nach dem ersten Boot mit dem neuen System steht man vor einem nackten Terminal-Login. Nun ist man noch lange nicht fertig, denn wir wollen ja auch eine grafische Oberfläche haben. Was es bei der Konfiguration der einzelnen Komponenten zu beachten gibt, steht im "Gentoo Linux/PowerPC-FAQ":http://www.gentoo.org/doc/en/gentoo-ppc-faq.xml.

Es wurde zunächst einmal nach dem "X-Server-Konfigurations-HOWTO":http://www.gentoo.org/doc/de/xorg-config.xml der X-Server eingerichtet und als Window-Manager "Fluxbox":http://www.gentoo.org/doc/de/fluxbox-config.xml installiert. Für das Alu-Powerbook G4 aus dem Baujahr 2003 verwendet man übrigens den »nv«-Videotreiber. Nach der Eingabe der entsprechenden emerge-Kommandos stellt man dann das Powerbook erst einmal ein paar Stündchen in die Ecke, denn das ganze Zeug muss nun erst einmal aus dem Code kompiliert werden. Am Ende stand dann ein funktionierendes grafisches System mit fluxbox, ein wenig »gepimpt« mit dem "GSM-Theme":http://customize.org/fluxbox/themes/49241.

flickr-Bild: Gentoo with fluxbox on a Powerbook G4

h5. Software besorgen

Man braucht natürlich auch eine Software-Grundausstattung für den Unterwegs-Einsatz, als da wäre:

  • "Firefox":http://www.mozilla-europe.org/de/firefox/ als Webbrowser: emerge firefox. Stundenlange Kompilierung.
  • "mutt":http://www.mutt.org/ als E-Mail-Client für Zugriff auf den E-Mail-Server: emerge mutt. Als grafische Alternative "claws":http://www.claws-mail.org/.
  • Der "Midnight-Commander":http://de.wikipedia.org/wiki/Midnight_Commander für Dateimanagement: emerge mc.
  • "mpg123":http://www.mpg123.de/ als MP3-Player für die Konsole: emerge mpg123.
  • "vlc":http://www.videolan.org/vlc/ für Streams, Video und sonstigen Bedarf an Tönen und Bewegtbildern. Damit der auch etwas Abspielen kann, muss vlc per USE-Flags auf alle denkbaren Formate vorbereitet werden: USE="aac altivec dvd flac id3tag matroska mmx mp3 mpeg ogg skins stream theora vorbis win32codecs x264" emerge vlc. Stundenlange Kompilierung folgt.
  • Als kleines Gadget für die Anzeige des Batteriestands, CPU-Auslastung etc., "gkrellm":http://members.dslextreme.com/users/billw/gkrellm/gkrellm.html: emerge gkrellm gkrellm-themes gkrellm-pmu.
  • "Psi":http://psi-im.org/ für Jabber: emerge psi.

h5. Problemzonen

Wie sich das für ein ordentliches Frickel-Linux gehört, funktioniert natürlich außer den Basisfunktionen nichts »einfach so«.

Trackpad und die drei Maustasten

Das Trackpad hat natürlich keine rechte Taste, und die Sache mit »Ctrl-Klick« ist eine Funktion von Mac OS X, nicht der Hardware. "In den weiten des Webs":http://www.ncc.up.pt/~rvr/kh/kh.html findet sich ein Würgaround, nämlich das Legen von Maustaste 3 und 2 auf die Funktionstasten F11 und F12, dazu schreibt man in /etc/sysctl.conf an das Ende:

	dev/mac_hid/mouse_button2_keycode=87
	dev/mac_hid/mouse_button3_keycode=88
	dev/mac_hid/mouse_button_emulation=1

Sonderzeichen auf der Tastatur

Die Powerbook-Tastatur wird nicht vernünftig unterstützt, also muss man sich eine Datei ins Home-Verzeichnis legen unter dem Namen .Xmodmap. Da Alt unter Linux als Meta-Key benötigt wird, und die Apfel-Taste beschäftigungslos ist, und eine unterschiedliche Tastaturbelegung auf unterschiedlichen Systemen die geistige Flexibilität bis ins hohe Alter erhält, habe ich die Sonderzeichen wie »[] {}@« auf die Apfel-Taste umgelegt, die .Xmodmap:
	keycode 13 = 4 dollar dead_tilde
	keycode 14 = 5 percent bracketleft
	keycode 15 = 6 ampersand bracketright
	keycode 16 = 7 slash bar
	keycode 17 = 8 parenleft braceleft
	keycode 18 = 9 parenright braceright
	keycode 20 = ssharp question backslash
	keycode  94 = less greater bar
	keycode 115 = Mode_switch
	keycode 46 = l L at 
	keycode 57 = n N dead_tilde 

Je nach verwendetem Window-Manager wird die .Xmodmap evtl. nicht gelesen, dann muss man mit einem xmodmap ~/.Xmodmap in einem Terminal nachhelfen.

Hässliche Schriften

Die Standardschriften im Browser sind einfach unbeschreiblich abscheulich. Mit den "Informationen aus dem Gentoo-Wiki":http://en.gentoo-wiki.com/wiki/X.Org/Fonts kann man Abhilfe schaffen. Ein emerge world, wie dort empfohlen wird, habe ich aber nicht ausgeführt, denn das hätte zu einem tagelangen Rekompilieren des gesamten Systems geführt.

Sound

Töne möchte man auch gerne hören. Ist aber nicht so einfach, natürlich. In der Kernel-Config »ALSA« (Advanced Linux…) aktivieren, PowerPC-Sound-Devices in den Kernel einbauen und »Apple Onboard Audio Driver« als Modul erstellen. Drauf achten, dass das Modul snd_powermac durch einen Eintrag in /etc/modules.autoload.d/kernel-2.6 beim Systemstart geladen wird. Alsa-Mixer mit emerge installieren und schauen, dass der Ton nicht stumm geschaltet ist, was er als Standardeinstellung aus welchem Grund auch immer stets ist…

WLAN

Eine einzige Katastrophe, offensichtlich gibt es hier seit 2003 nur marginalen Fortschritt zu verzeichnen. Das "PowerPC-FAQ von Gentoo gibt nur eine marginale Hilfestellung":http://www.gentoo.org/doc/en/gentoo-ppc-faq.xml#airportextreme, man muss dann "hier im Forum weiterlesen":http://forums.gentoo.org/viewtopic-t-409194.html und "mit obskuren Tools mit Firmware rummachen":http://linuxwireless.org/en/users/Drivers/b43?action=show&redirect=en%2Fusers%2FDrivers%2Fbcm43xx und dann die systemunabhängigen Ratschläge "im Handbuch beachten":http://www.gentoo.org/doc/en/handbook/handbook-ppc.xml?part=4&chap=4. Das hat dann irgendwie tatsächlich funktioniert. Und Hände weg von grafischen Tools wie NetworkManager, der stundenlang kompiliert, um dann die Einstellungen des obskuren »WPA-Supplicant« zu zerstören. Oder gar »wicd«, der für überhaupt keine Konnektivität mehr sorgt, sondern mit D-BUS-Fehlern glänzt. Man arbeitet lieber mit iwlist wlan0 scanning im Terminal, das funktioniert besser und zerstört nichts.

Epic FAIL

Was überhaupt nicht funktioniert: Der »Sleep-Modus«, hibernate und Co. führten nur zum Einfrieren des Rechners. Ärgerlich, aber verkraftbar, da der Rechner mit Gentoo innerhalb eineinhalb Minuten hoch- bzw. runter fährt.

Und es gelang mir nicht, das USB-Kernel-Geschlonz samt gphoto davon zu überzeugen, Bilder von meiner Powershot G5 herunter zu laden.

Und es gibt kein Flash und kein AIR, da Adobe nichts für Linux auf PowerPC anbietet, das sind die Freuden proprietärer Pseudo-Standards. Und auch keinen brauchbaren Twitter-Client, da ohne Gnome, KDE und Adobe-AIR einfach nichts Brauchbares im Gentoo-Angebot steckt.

h5. xfce

Da mir fluxbox doch zu minimalistisch erschien, habe ich mir zum guten Schluss noch die Pakete des Window-Managers "xfce":http://www.xfce.org/ besorgt: emerge xfce4 xfce4-mixer. Dessen Kompilierung dauert dann auch »ein wenig«, ist aber problemlos. xfce ist resourcenschonend, aber trotzdem in Verhalten und Optik einem richtigen Computer ähnlich und sieht auch leidlich hübsch aus:

flickr-Bild: Gentoo with xfce on a Powerbook G4

h5. Praxiseinsatz

Diese Woche war das kleine Powerbook dann unterwegs im Einsatz. Hat gut funktioniert, das episch kompilierte Gentoo läuft rasend schnell und ist auch beim Offenhalten eines Firefox mit 10 Tabs sehr genügsam, im typischen Einsatz benötigt es nicht mehr als etwa 300 MB RAM. Und das grausame WLAN-Gefrickel buchte sich tatsächlich automatisch in die verfügbaren Hotspots ein, einem technischen Wunder gleich.

h5. Fazit

Eigentlich ist der Einsatz von Gentoo grotesk, jede Installation kann den Rechner für Stunden beschäftigen, vieles was selbstverständlich funktionieren müsste, erfordert ewige Frickeleien. Ohne meine 14 Jahre Linux-Erfahrung und dem reichhaltigen Refugium Google wäre ich daran grandios gescheitert. Der Frickelfaktor beim Einsatz von Linux auf einem Notebook ist auch 15 Jahre nach Erscheinen des Linux-Kernels 1.0 unverändert hoch, zumindest mit Gentoo und einem Powerbook.

Auf der »Haben-Seite« steht ein flottes System mit einer Grundausstattung für den elementaren Bedarf, ein »Eigenbau-Netbook«, dass dem kleinen Powerbook neues Leben einhaucht.

9 Kommentare

Stefan am 22.02.2009:

Ein sehr unterhaltsamer Bericht, aber wieso taucht an keiner Stelle das Wort Debian auf?

Fred am 22.02.2009:

Von Ubuntu statt zu Debian zu Gentoo überzugehen finde ich auch etwas seltsam, bin aber froh dass es geklappt hat ;)

krisz am 22.02.2009:

Der Frickelfaktor ist nicht so hoch, wenn man ein "normales" Notebook besitzt. In den letzten 2-3 Jahren hat sich da schon einiges getan, nicht zuletzt auch dank der Invasion der linuxbetriebenen Netbooks. Ich konnte die Entwicklung relativ gut mitverfolgen - ich habe 3 verschiedene Notebooks, das älteste läuft nun schon seit ~6 Jahren mit Linux.

onli am 24.02.2009:

Für einen Apple-Rechner stelle ich mir als Oberfläche eher E17 statt Xfce und Fluxbox als passend vor. Krisz hat zum Glück recht, normalerweise läuft eine Linux-Installation inzwischen etwas anders ab. Glückwunsch zum Durchhalten.

Ralf G. am 24.02.2009:

Debian (zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung war die neue Version noch nicht da) ist mir einfach zu »abgehangen«. Was hier nicht erwähnt ist, ich brauche auch noch ein bisschen Ruby und Gems die andere Libraries brauchen, und die sind nach meinen Erfahrungen auf Rechnern anderer Leute bei Debian regelmäßig derartig veraltet, dass sich neue Gems nicht mehr »builden« lassen. onli, E17 kenne ich gar nicht, sieht aber nach den Screenshots im Web interessant aus, kann man das Rechnerchen noch mal ein paar Stunden dampfen lassen. ;)

Andreas am 24.02.2009:

Respekt! Und, wie lange hat es gedauert? Auf meinem alten Dell Inspiron 5000 hatte ich nach 2 1/2 Tagen zum ersten mal KDE auf dem Schirm... ;)

Ralf G. am 26.02.2009:

Gute Frage, kann man schlecht sagen, nach der aufwändigen Installationsprozedur kann man den Rechner ja alleine kompilieren lassen. Im Gegensatz zu Ubuntu und Debian fällt Gentoo glücklicherweise nicht ein, mitten drin in einer stundenlangen Installation blöde Fragen zu stellen, ganz so als säße man selbstverständlich stundenlang davor und schaute dem Rechner beim Installieren zu. Aber es werden locker so drei Tage gewesen sein, bis das alles kompiliert war. Die Hölle bricht halt los, wenn irgendein Programm qt- oder gtk-Abhängigkeiten hat, dann wird Zeugs kompiliert bis zum Abwinken und es dauert Stunden über Stunden.

ditsch am 03.04.2009:

Dass es von Ubuntu nur veraltete Releases gibt, stimmt nicht. Von Ubuntu 8.10 (Intrepid) gibt es nur eine Installer-CD, ok. Die "Jaunty-Beta":http://cdimage.ubuntu.com/ports/releases/jaunty/beta/ (die diesen Monat noch final wird) läuft allerdings bereits recht ordentlich und erfolgreich auf meinem iBook G4. Gentoo ist aber wahrscheinlich im täglichen Einsatz schneller auf der Kiste...

Ralf G. am 04.04.2009:

ditsch, das mit den verfügbaren Ubuntu-Isos galt natürlich zum Zeitpunkt meiner Installationsbemühungen.