Dezember 2008

Bundesarchiv bei Wikimedia Commons

Da entrutscht einem vor Verblüffung schon mal ein »Hell freezes over«:
Das Bundesarchiv in Koblenz stellt 100.000 Bilder aus dem Archiv unter eine Creative-Commons-Lizenz bei Wikimedia Commons ein. Das Bundesarchiv stellt die Bilder unter Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC-BY-SA) zur Verfügung (Zitat):

»Unseres Wissens ist die Spende von 100.000 Bildern die bisher größte Einzelspende an Wikimedia Commons und wir hoffen, dass dies nur der Anfang einer längerfristigen Zusammenarbeit und für andere Archive und Bilddatenbanken beispielhaft sein wird.«

Die Bilder sind zwar nur 800 Pixel breit, aber immerhin, wer hätte gedacht, dass es so etwas in Deutschland geben würde?

Netzpolitik.org hat ein Interview mit Mathias Schindler von Wikimedia e.V. zu den Hintergründen.

Ich habe gleich mal ein wenig herum geguckt und gleich dieses wunderschöne Bild da oben mit Erich Honnecker bei einer FDJ-Konferenz in Chemnitz aus dem Jahre 1951 gefunden.

Schöne Sache, ein erster Schritt Sachen, die sowieso uns, den Bürgern, gehören, auch zugänglich zu machen. Wie das in den USA z.B. mit der Library Of Congress schon länger üblich ist. Mathias Schindler im Interview:

»Was aus öffentlichen Mitteln finanziert ist, sollte bereits von Anfang an der Öffentlichkeit zur uneingeschränkten Verwendung freistehen. Die Kooperation mit dem Bundesarchiv ist deshalb sehr wichtig, denn sie zeigt auf, was alles mit Inhalten möglich ist, sobald sie Teil der Allmende geworden sind.«

[Nachtrag 6.12.] Es gibt noch ein paar Hintergründe dazu bei Wikimedia Deutschland zu lesen.

wikimedia bundesarchiv cc commons

Netztand VI - Kauf, Du Sau!

Der Tag ist nicht mehr fern, wir sind auf dem besten Weg dahin, da transportiert das so genannte »Social Web« nur noch eine »Message«:

»Kauf, Leser. Hörst Du nicht? Kauf, Leser, Du Sau, kauf endlich!«

Ich negiere nicht die individuelle Notwendigkeit eines Netz-Publizisten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wenn aber der Feed eines bekannten deutschen Mac-Weblogs nur noch aus Überschrift, Lamer-Bar-Links und fettem Werbe-Banner besteht, dann ist einfach ein Punkt erreicht, wo ich mir sage:

Nö Du, Blogger, Publisher, was auch immer, ich abonniere das nicht mehr.

Das ist natürlich zunächst einmal nur mein höchstpersönliches Problem. Es ist aber meine Überzeugung, dass jemand, der für seine treuen Leser, und das sind ja in der Regel die, die einen Feed abonnieren, keinen Inhalt, sondern nur noch ein »Kauf, Du Sau« übrig hat, auf die Dauer diese treuen Leser verlieren wird.

Alle Artikel der »Netztand«-Reihe

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Arbeitswelt 2.0, oder: Der Dot-Com-Tod ist wieder da!

Die Älteren unter den drei LeserInnen dieses kleinen Blogs werden sich noch an die so genannte »Dot-Com-Tod-Phase« zu Beginn des Jahrtausend erinnern. Nun, in den Zeiten der ökonomischen Rezession, fallen zwischen den kippenden Dominosteinen des Banken- und Autokonzernmonopolys auch Arbeitsplätze in »coolen Internetunternehmen« vom Spielbrett, und die »coolen Internetunternehmen« zeigen ihre hässlichen Seiten.

So zum Beispiel Yahoo bei der selbst für Ami-Unternehmen besonders stillosen Entlassung des bei flickr für »The Commons« zuständigen George Oates (siehe auch »The Tragedy Of The Commons«). Derartiges Verhalten scheint bei Yahoo! wohl auch kein Einzelfall zu sein, unangenehmer Laden.

Wie gesagt, das hatten wir ja alles schon einmal. Ende des letzten Jahrtausends kamen sie, die ein Geschäft witterten, an, zu jedem der »Internet« sagen konnte:
»Arbeite für uns, hey, hier, coole Internet-Projekte, und hey, das ist »New Economy«, wir haben nicht mehr die alten Hierarchien und Grenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wir arbeiten alle als große Familie an coolen Sachen und sind alle Freunde«. Bis etwa 2000 und 2001, dann gab es reihenweise die »Du hast 5 Minuten, Deinen Schreibtisch auszuräumen«-Shows zu bewundern, die »Freundschaft« war beendet.

In der Web-2.0-Blase wiederholt sich das. Die Arbeitswelt sieht nicht mehr so aus wie auf dem Bild ganz oben. Heute gibt es coole Büros (Bild nicht ganz oben), Sitzsäcke, ’nen Mac auf dem Schreibtisch, und auch ’ne Wii für die Pause. Und wieder sind wir eine große Familie die coole Internetprojekte baut. Bis zu dem Zeitpunkt, wo das Geld ausgeht, dann unterscheiden sich die Arbeitswelten auf den beiden Bildern nicht mehr. Die Frage der Macht in Arbeitsverhältnissen ist unverändert und glasklar und hat sich seit der Industrialisierung nicht geändert.

Das bedeutet: Auch wenn Ihr in coolen zwonulligen Startups oder sich zwonullig gebenden Alt-Unternehmen mit ja ach so flachen Hierarchien arbeitet – achtet auf klare vertragliche Regelungen des Arbeitsverhältnisses, macht Euch Eure Rechte als Arbeitnehmer bewusst. Zieht eine klare Grenze zwischen der abhängigen Arbeit und dem »Rest des Lebens«, auch wenn die Arbeit Spaß macht.
Gründet vielleicht ab einer bestimmten Größe des Unternehmens Betriebsräte – ja, ist so gar nicht neu, bunt, cool und zwonullig und scheinbar ja so total altmodisch. Aber es kann der Tag kommen, wo man froh sein könnte über solche ach so altmodischen Sachen. Glaubt es einfach einem alten Mann ;), der so manches ruhmlose Ende einer »coolen« Internet- oder IT-Unternehmung und die damit einhergehenden Verwerfungen miterlebt hat.

[Bilder: Bundesarchiv und jiry@flickr.]

Und passend zum Comeback des digitalen ökonomischen Sensemanns ist auch DotComTod 2.0 da. ;)

web2.0 neweconomy web2.0-blase arbeit kapital

Der Congress naht

24C3: Simulation

Dezember, Jahresendzeitfestivitäten rücken näher, und damit auch der Congress. Wie stets in den letzten Jahren, bin ich auch in diesem Jahr dabei. Mittlerweile gibt es ein gut gefülltes Wiki und den Fahrplan.

Eine Neuerung dieses Jahr, im im Wiki versteckt: Es gibt an Tag 0 und Tag 1 zwei verschiedene Schlangen zum Ticketerwerb, vielleicht wird dadurch dieses Mal das fast schon obligatorische etwas längliche Warten in der Schlange verkürzt.

Wie jedes Mal werde ich auch ein wenig von dort bloggen. Irgendwie bin ich, wenn ich irgendwo bin, motivierter zu bloggen, als wenn ich nirgendwo bin. Dabei wären doch auch Beiträge aus den Nirgendwo irgendwo lesenswert. Aber wir schweifen ab. ;)

Wer vielleicht noch nie beim Congress war und in Sachen Teilnahme noch ein wenig unentschlossen ist (es lohnt sich, das ist etwas anderes als die »normalen« Web-(Un-)-Konferenzen), möge ein wenig in der folgenden Sammlung Congress-bezogener Blog-Beiträge aus den letzten Jahren in meinen diversen finsteren Archiven wühlen.

Und etwas zur Information zum anstehenden 25C3:

Demo gegen Vorratsdatenspeicherung beim 24C3

25c3 congress berlin

25c3 - Der volle Congress

[Bild: »The eagle has landed – 25c3« by MrTopf]

Congress also wieder. Der überfüllteste von allen, zum ersten Mal waren 4-Tages-Tickets schon am ersten Abend ausverkauft. Es ist wirklich voll. Voll in den Vortragssälen, voll im WLAN, voll in der Lounge und im Hackcenter, voll auf den WCs ;), voll bei der Getränkeausgabe. Die Popularität des Congress’ wird langsam zum Problem, Örtlichkeit und Infrastruktur skalieren nicht mehr mit.

Den Preis für den verpeiltesten Nerd des Congresses bekomme übrigens ich, denn ich habe die Kamera daheim vergessen. Epic Fail!

Dieses Mal also keine Bilder, aber man kann ja im reichhaltigen Fundus des Netzes (oder auch hier) gucken oder sich bedienen. Theoretisch zumindest. Praktisch stehen aber die meisten Bilder in flickr unter »böser« Lizenz. Ich finde partout kein Bild von einem vollen Raum das unter einer freien Lizenz steht. Toll, Kameraden, vom freien Austausch beim Congress partizipieren, aber selbst in eifersüchtiger Raffzahn-Pose auf alte Lizenzen setzen. Fail, um nicht zu sagen: epic fail!
Eigentlich würde es wieder besser und leerer, würde man alle rauswerfen, die ihre Fotos vom Congress nicht unter eine freie Lizenz stellen. Verstoss gegen die ideellen Grundlagen der ganzen Veranstaltung wäre das damit zu ahndende Vergehen. ;)

25c3 congress berlin bcc