Januar 2008

Der 24C3-Rundumschlag

24C3: Simulation

Nun ist er schon wieder Geschichte, der 24C3. Nach vier Tagen und Nächten im bunten Hackertreiben mussten sich alle Beteiligten um den Jahreswechsel herum erst einmal ausruhen. Es gibt kaum eine intensivere Veranstaltung dieser Art, man stürzt sich – »Volldampf voraus« – hinein ins Treiben und denkt nach vier Tagen: »Was, schon wieder vorbei?« 4.013 Besucherinnen und Besucher schauten sich 100 Vorträge und zahllose Workshops und Projekte an oder blieben einfach vier Tage im Keller sitzen und hackten.
Zum Abschluss möchte ich hier das Congress-Geschehen beleuchten und zu jedem Themenkomplex Empfehlungen für das nachträgliche Anschauen der Vorträge geben. Denn erfreulicherweise sind dieses Jahr die Videoaufzeichnungen bereits kurz nach dem Congress verfügbar, einen kräftigen Applaus für das Dokumentations-Team (vgl. dazu NetzpolitikTV 028).

Weiter lesen…

24c3 berlin ccc stasi2.0 congress

»Organisierte Internetauftritte der Verlage«

Gerade im Web-Stream eine Diskussionsveranstaltung des Journalistenverbandes DJV zum Thema »Journalismus im WWW« angeschaut. Jene, die auch Herr ix besucht hat. Die Diskussion war eine diskursive Aufbereitung einer wüsten Brandrede, die der DJV-Vorsitzende Konken im November 2007 gehalten hatte, und die u.a. das Bonmot enthielt (zit. nach Herrn Knüwer):

»Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.«

Darüber sollte also debattiert werden. Wurde aber nicht. Wie immer, wenn Journalisten anfangen, eine Runde über das Internet zu problematisieren, wurde das Thema vorher nicht klar genug eingegrenzt. Während Herr Knüwer und Herr Alphonso über die Rolle von Weblogs sprechen wollten, wollte Herr Konken in seiner Brandrede plötzlich gar nicht über Weblogs gesprochen haben. Und Herr Jörges von stern.de, der sich süffisant von Don Alphonso Qualitätscontent wie eine »Anni-fastnackt«- und eine »kleine-Eisbären«-Fotostrecke unter die Nase reiben lassen durfte, sorgte sich nur um die Kontrolle der wüsten unflätigen Kommentatorenhorden, die seinen (Zitat) »organisierten Internetauftritt des Verlages« überrennen möchten. Gerade bei Jörges konnte man förmlich die Verachtung für die Pleb-Horden, die sich gefälligst durch ellenlange werbeverseuchte Klickstrecken klicken und Einnahmen generieren, ansonsten aber ihr Maul halten sollen, mit den Händen greifen.

Und in der Mitte drin saß Prof. Donsbach, für den verlässliche und wahre Orientierung für die konsumierenden Pleb-Horden in den Angeboten des Internets nur aus den Qualitätsschmieden der Verlage kommen kann. Na klar, Herr Donsbach, Anni und der kleine Eisbär helfen uns, in der unübersichtlichen Welt den Überblick zu bewahren. Das könnten Blogs wirklich nicht. Danke, Profis, dass Ihr uns so aufklärt und informiert…

Fazit: Eine merkwürdige Veranstaltung. Wie eine TV-Talkshow. Aber im Unterschichten-TV.

[Nachtrag:] mspro hat ein wenig in den Abgründen und Zwistigkeiten der verbandsmäßig organisierten Journaille gewühlt und die Ursache für Konkens pathologischen Web- und Bloghass ausgegraben. Dass Konken nicht in der Lage ist, eine solche anonyme Seite vom Rest zu differenzieren, disqualifiziert ihn in meinen Augen als ernst zu nehmenden Journalisten. Wir bloggende Zeitgenossen sagen ja auch nicht: Alle Journalisten sind wie Kai Diekmann…

weblogs journalismus djv

ByteFM - ein neues Internet-Radio wie aus der guten alten Zeit?

Pop-Musik im Radio ist in Deutschland eine traurige Veranstaltung. Es gibt Privatradios wie, exemplarisch hier in Karlsruhe, das gruselige »die Neue Welle« mit »dem besten Musikmix aus vier Jahrzehnten«, bei denen chartkompatibler Mainstreammüll die Strecken zwischen Gewinnspielen, Verkehrshinweisen und Werbung überbrücken soll. Die meisten popmusikorientierten Radios öffentlich-rechtlicher Herkunft gleichen sich dem langsam aber sicher an, SWR3 ähnelt Privatdudelfunkern nicht nur von der Website her. Der Mix aus dem immergleichen Chart-Kram, berufslustigen Moderatoren, Verkehrshinweisen, Werbung und Mini-Nachrichten ist auf die Dauer für jedes Musikhörer-Ohr mit nur ein wenig Anspruch eine Zumutung.

Der Ausweg für alle, deren Anspruch ans Radio sich mit »weitestgehend Maul halten und gute (und manchmal auch überraschende) Musik spielen« zusammen fassen lässt: Internet-Radio. So lausche ich während der Arbeit z.B. gerne den verschiedenen Kanälen von Soma FM oder den Amerikanern von KEXP (die übrigens auch einen hörenswerten Podcast haben).

Seit heute (11.1.2008), 12:00 Uhr, gibt es in Deutschland ein vielversprechendes neues Internetradio: ByteFM. Das vom Kopf hinter dem Projekt, Ruben Jonas Schnell, in einem Zeit-Interview vorgestellte Konzept sieht so aus (Zitat):

»Wir haben keine Rotation. Alle Sendungen werden nach musikalischen Gesichtspunkten gestaltet. Unser Programm beginnt täglich um 16 Uhr. Dann gibt es eine Stunde mit dem Tourkalender, da weisen wir auf deutschlandweite Konzerte hin und laden Bands ins Studio ein. Danach kommt Mixtape, eine Sendung, gemacht von Journalisten, Kneipen, Plattenläden oder Clubs. Danach beginnen die Autorensendungen, die am folgenden Tag bis 16 Uhr wiederholt werden.«

Klingt zu schön, um wahr zu sein. Radio, in dem »coole« Radio-DJs mit Geschmack »ihre« Musik vorstellen und Hörer auf Entdeckungsreise schicken. So etwas gab es früher auch im öffentlich-rechtlichen Radio. Vor der Einführung der computergesteuerten Chart-Rotation. Im Moment gibt es keine Werbung im Programm von ByteFM oder auf der Website. Sponsoring, wie der von Panasonic gesponsorte externe Player, sollen das notwendige Geld aufbringen, die Radio-DJs arbeiten derzeit ehrenamtlich.

Die ersten zweieinhalb Stunden von ByteFM waren schon sehr vielversprechend, da kann etwas Gutes entstehen. Darum: Viel Erfolg, ByteFM!

radio bytefm musik internetradio

Die Form beherrscht den Inhalt

Die Gestalt eines Weblogs hat Einfluss auf den Gebrauch. Schreit die Form nach großen Artikeln, traut man sich nicht an die kleinen heran. Und das, was gebloggt werden will, bleibt ungebloggt. Außerdem ist ein Paradigma aufzubrechen, das besagt: In einem Weblog müssen alle Artikel gleich aussehen. Darum braucht ein Weblog Arten von Artikeln, die ihre eigene Form mitbringen.

Idealerweise speichert sich ein Weblog-Artikel mitsamt dem Erscheinungsbild seines Erscheinungstages ab. Was aber, eingedenk der Tatsache, dass Stylesheets nicht für die Ewigkeit sind, nicht so einfach ist. Die Form muss mitleben, die »Template-isierung« ist von Übel und zu bekämpfen. Eine Aufgabe!

Als Erstes: Eine Form für kleine Artikel.

[Bild: Wikisource]

weblogs problematisieren

Thema verfehlt, oder: St. Google und die Webdrachen

Learntec 2008 - Podiumsdiskussion

Letztes Jahr im Dezember sorgte die Publikation eines Papiers mit dem Titel »Report on dangers and opportunities posed by large search engines, particularly Google« (PDF) für Aufsehen und, besonders wg. der darin angeführten »Google-Wikipedia-Verschwörung«, für Heiterkeit. Autor dieser Studie ist der »Informatik-Doyen« (futurezone) Prof. Herrmann Maurer von der TU Graz.

Auf der Learntec 2008, die gerade hier in Karlsruhe statt findet, kam es am Abend zu einer Podiumsdiskussion mit dem wunderschönen Titel »St. Google und die Webdrachen« mit, u.a., genau jenem Prof. Maurer. Das musste ich mir natürlich anschauen, es geht doch nichts über die persönliche In-Augenschein-Nahme…

Weiter lesen…

learntec maurer google web2.0 karlsruhe

re:publica08 nimmt Gestalt an!

Für die zweite Auflage der re:publica ist eine erste Version des Programms verfügbar. Für die Fanatiker ist die Rubrik »zänken & kränken« sicher die erste Wahl. Geld in Blogs und Journalismus ist das, woran sich dann beizeiten Apologeten, fanatische Werbefreiheitsprotagonisten und die schon-immer-alles-gewusst-habenden-Überchecker abarbeiten können…

Für den Rest, der wirklich an Themen interessiert ist, bietet das Programm eine Vielzahl von interessanten Vorträgen. fukami wird Tunnel graben, freifunk wird thematisiert, über die lokale Arbeit abseits der großen Blog-Schlachten im regionalen Bürgerjournalismus wird geredet werden, monochrom wird für Unterhaltung sorgen, und Bicyclemark die Rolle von Podcasts als Werkzeug im investigativen Journalismus beleuchten. Und das war nur ein erster Blick auf das Programm.

IMHO wird sich ein Besuch lohnen. Man sollte sich auch nicht ablenken lassen in seiner persönlichen Beurteilung der Veranstaltung von jenen, die sachlich nicht gerechtfertigte Kritik an der Veranstaltung als Vehikel zur persönlichen Abrechnung mit tatsächlich oder vermeintlich daran Beteiligten nutzen.

Ich werde wieder dabei sein, und freue mich schon drauf. Der Vorverkauf hat begonnen. Und ein Wiki für die Selbstorganisation gibt es auch.

republica re-publica08 republica08 berlin

Wie abgebrochen

Twitter ist kaputt. Im virtuellen Großraumbüro der Digitalen Bohème ist das große Schweigen eingekehrt, niemand hört mehr die getippten Schreie aus den Abgründen des digitalen Wirtschaftens…

Und das, wo sie gerade ihren Hoster geradezu peinsam abgefeiert haben. ;-)

[Nachtrag] War wohl nicht so gemeint, denn seit der Monster-Auszeit gestern/heute gehen Twitter und Joyent getrennte Wege. Was lernen wir draus: Traue keinem Corporate-Blog-Schmu, den Du nicht selbst verbrochen hast!

twitter web2.0 digitaleboheme