November 2007

Entlassen!

weblogs twitter web2.0

Kauft Käse!

»In Wahrheit war ich nie verreist Wie das Protokoll beweist« Tocotronic »Aus meiner Festung«

Entlassen aus der Blogblues-Klinik. Wo war er denn? In der digitalen Kaufbedürfnisweckanstalt namens »Web 2.0«. Z.B. in "Twitter unterwegs":http://twitter.com/unlnx. Muss leider »privat« sein, denn natürlich kommt sofort wieder einer und baut eine "Twitter-Suche":http://twittermap.com/search. Als ob alles erhalten, archiviert, getaggt, zugänglich sein muss. Selbst 140 dahingerotzte Zeichen. Ich glaube, wenn ein Dienst käme und Eure Telefongespräche automatisch als Podcast zugänglich macht, dann würdet Ihr sogar das toll finden…

Apropos "Blogblues.":http://www.technorati.com/search/Blogblues?authority=a4&language=de Ein Blogger wäre kein Blogger, wenn er die Tatsache, gerade keinen Bock zu haben, nicht gebloggt und umgehend zum griffigen »Phänomen« stilisiert hätte. Zumal er (so er ein bißchen A-listet) weiß, dass die in den letzten ca. zwei Jahren entstandene Claque-Blog-Masse von niedrigem Blogtalent, also die, die »der Blog« sagen und begierig repetieren, was der Meister, wer immer das auch gerade ist, gebloggt hat, so etwas gleich gierig aufgreift. Einfach mal Mund halten ist nicht mehr drin, unter Phänomen geht hier nix. Blogosphäre, man muss Dich lieben! ;-)

Und ja, die Geschäfte als »Digitaler Bohème« laufen auch, auch ohne permanenten Ego-Striptease im Blog darüber. Letzteres ist tröstlich, oder? ;-)

6 Kommentare

Christian am 09.11.2007:

Hm, ich überlege tatsächlich, ob unter den gegenwärtigen Trends "Privacy" nach ihrem traditionellen Verständnis und in ihrer traditionellen Form verschwinden wird. Man bedenke, dass die Idee von Privatsphäre historisch ziemlich jung ist, gerade auch als Freiheitskonzept. Ich empfehle eine Lektüre von Sennett, "Verfall und Ende des öffentlichen Lebens", in Verbindung mit Rössler, "Der Wert des Privaten". Warum brauchen wir Privatsphäre? Weil wir uns eine Freiheit unseres Handelns, unseres So-Seins-wie-wir-sind bewahren wollen, ohne ein Urteil über das Ergebnis fürchten zu müssen. Zeichnen sich vielleicht irgendwo Pfade zu diesem Endziel ab, die an der bröckelnden Brücke der Privatsphäre mittels Datenschutz *vorbeiführen*? Auch "Privatsphäre" ist nicht das allerletzte emanzipatorische Heil, allein schon durch die Trennlinie, die hier zwischen dem Anspruch der Freiheit im Privaten und dem Gewährenlassen einer Unfreiheit im Öffentlichen gezogen wird. Findet vielleicht ein Ausgleich der Privatsphärenschäden dadurch statt, dass am Ende jeder sie hat und so keiner mehr Bedarf spürt, sich für seine 'Verfehlungen' individuell besonders zu rechtfertigen? Ist der Antrieb, etwas als geheimzuhaltende Verfehlung zu empfinden, nicht gerade der Trennung zwischen 'privat' und 'öffentlich' geschuldet? Können wir der durch Sammlung unserer Daten ausgedrückten Kontrollwut des Staates eventuell gar ein Bein stellen, *indem* wir alle unsere Daten öffentlich machen? Angriff ist manchmal die beste Verteidigung ... (Aus der Kategorie: Schreiben in Club-Mate-Zombifizierung. Sorry ;-) )

mspro am 09.11.2007:

Ahhh, deswegen sind deine Beiträge auf private. Dachte das wär jetzt der neuste Twitter-Trend... Und plomlompom: Es gibt es einen himmelweiten und wichtigen Unterschied zwischen Exposition und Exibitionismus. Es ist die Frage des bewussten Umgangs mit seinen Daten. Die Antwort liegt nicht im Web2.0 sondern bei Dir.

Ralf G. am 09.11.2007:

@mspro Auch, weil Google sonst das Getwitter indiziert. Und es muss ja nicht sein, dass ein dahingerotztes "Boah, $Blogger scheibt aber heute wieder einen Mist" für alle Ewigkeiten indiziert,archiviert und reproduziert wird. Was soll das? Ich sehe Twitter mehr als Chat, nicht als Mini-Blog. @Christian Du möchtest also freiwillig das Geschäft derer erledigen, die mit Deinen Daten Geld verdienen wollen? Nach dem Motto: "Mach mit meinen Daten was Du willst, monetarisiere sie hemmungslos à la Facebook, aber bitte bitte lass mich mitspielen in der schönen neuen Web-2.0-Welt, dennPrivatsphäre ist eh überbewertet." Nö. Es droht Kontrollverlust. Das, was man von mir kursiert, ist mehr oder weniger das, was ich will, was von mir kursiert. Das ist ja auch normal, sonst könnten wir ja auch Häuser aus Glas bauen. Oder auf Kleidung verzichten. Man muss ja nicht gleich den berühmten "Arbeitgeber der googelt" bemühen (die Angst davor ist wiederum ein Zeichen von erbarmungswürdiger hemmungsloser Unterwürfigkeit), um auf eine gewisse Kontrolle seiner eigenen Daten zu bestehen. Das öffentliche "Ich-2.0" muss genau so kontrollierbar bleiben, wie ich kontrollieren kann, was ich anziehe. Und darum lehne ich diesen freiwilligen allumfassenden Erfass-Wahn, der Leute stets für alles eine Suchmaschine bauen und sich selbst aggregieren und für die Ewigkeit archivieren lässt, ab. Und die Geschäftemacherei damit sowieso. Selbstbetrugspropaganda à la "Werbung ist Information" hat für mich die Doppelsprech-Qualität von "Frieden ist Krieg".

Christian am 09.11.2007:

@Ralf: Um "Werbung ist Information" (vom wem kommt dieser seltsame Satz?) und Derartiges geht es mir doch gar nicht ;-) Insgesamt beziehe ich mich in meinem Kommentar gar nicht auf den geschäftlichen Aspekt. Ich versuche mal, etwas umzuformulieren, worum es mir geht: Wir haben uns in den letzten Jahrhunderten dieses Konzept "Privatsphäre" als gesellschaftliche Institution geschaffen. Diese Institution hat traditionellerweise einen sinnvollen Platz zur Sicherung der individuellen Freiheit in unserer Gesellschaft. Wir können uns bis jetzt die Institution Privatsphäre aus unserer Gesellschaft nicht wegdenken, ohne dass die individuelle Freiheit kollabiert. Du siehst, ich räume ihr durchaus einen nicht geringen Wert ein ;-) Nun gab es seitens totalitärer Systeme immer wieder Versuche, die Privatsphäre zu brechen, um so die individuelle Freiheit einzuschränken. Erst mit der Technologie von heute allerdings ist eine so umfassende und tiefgehende Kontrolle und Auswertung unserer Aktivitäten denkbar, dass das Konzept der Privatsphäre selbst fundamental bedroht ist. Die Politik scheint sich eher für die kurzfristigen 'Sicherheits'-Gewinne zu interessieren, die durch die neuen technischen Kontrollmöglichkeiten entstehen, als für das Problem, das langfristig eine Reduzierung der Privatsphäre für die Freiheit in der Gesellschaft bedeuten mag. Und der Markt trifft auf Konsumenten, die ihre Privatsphäre gegen die -- persönlichen oder geschäftlichen -- Gewinne von Socializing und Kollaboration im Web 2.0 einzutauschen bereit sind, und befriedigt diese Nachfrage. Alles deutet darauf hin, dass vor Eintritt irgendeiner größeren Katastrophe kein ausreichendes Gefahrenbewusstsein für das Zerbröckeln der Privatsphäre bestehen wird, das diese Trends umkehren könnte. Die Annahme, die Institution der Privatsphäre könnte im 21. Jahrhundert wieder in die Nacht verschwinden, aus der sie vor einigen wenigen Jahrhunderten ins bürgerliche Leben hinein trat, erscheint gar nicht so abwegig. Uns bleiben zwei Optionen, wenn wir die individuelle Freiheit, für die wir die Privatsphäre unterhalten, bewahren wollen: Die erste Möglichkeit wäre, diese Trends zu bekämpfen und umzukehren. Ich bin in dieser Hinsicht sehr pessimistisch. Meines Erachtens kann man hier auf einen Staat, der selber in größter Kurzsichtigkeit die Privatsphäre in einem besorgniserregenden Maße gegenüber anderen Prioritäten für vernachlässigbar hält, nicht setzen. Auf den Markt kann man ebenso wenig setzen, denn auf ihm gerade beweist sich, über das Verhalten der von ihm verwalteten Herde aus Individuen, wie sehr die Privatsphäre inzwischen für viele Menschen an Relevanz verloren hat -- eine Entwicklung, die der Markt nur amplifizieren, nicht aber dämpfen kann. Die zweite Möglichkeit läge darin, das Stützengerüst, auf dem die individuelle Freiheit ruht, zu rekonfigurieren. Ist die Privatsphäre, wenn sie gesellschaftlich breit erodiert, vielleicht kein brauchbares Baumaterial für die Säulen der individuellen Freiheit mehr? Dann müssten wir uns nach neuen Säulen für die individuelle Freiheit umgucken. Vielleicht ist das, was Web 2.0 macht, nicht so sehr ein Untergraben der individuellen Freiheit, als eine Erneuerung dieser Säulen mit neuem Baumaterial. Schafft es nicht ganz neue soziale Räume, in denen eine klassische Trennung zwischen Öffentlichem und Privatem nicht mehr gegeben ist? Das, was klassisch dem Privaten untergeordnet wurde, wird immer mehr einer breiten Öffentlichkeit ausgesetzt, aber wird nicht auch umgekehrt das Öffentliche zunehmend dem, was früher privat bleiben musste, geöffnet? Brauchen wir das Private überhaupt noch als Schutz unserer individuellen Freiheit, wenn wir sie auch im öffentlichen Raum ungestraft ausleben können? Tritt an Stelle alter Exklusivität und Diskriminierung dessen, was nicht ins einheitliche öffentliche Konzept passt, nicht zunehmend ein umfassendes Miteinander von Heterogenem, von der Norm Abweichendem, nicht in einen Standardlebenslauf Passendem? Wichtiger als geheim zu halten, was ich tue, ist mir die Freiheit, das zu tun, was ich tun will. Bis jetzt ist das zweite ohne das erste nicht möglich. Die Frage ist, ob das immer so sein wird, und ob die Trennung in eine Privatsphäre des Erlaubten und eine Öffentlichkeit des Unerlaubten wirklich das bestmögliche Freiheitskonzept unter den neuen kulturellen Bedingungen bleiben wird.

mspro am 09.11.2007:

@plomlompom Einverstanden. Das Konzept der Privatsphäre ist ad absurdum geführt worden. Die Unterscheidung privat/öffentlich macht zunehmend keinen Sinn mehr. Jedenfalls in diesem strikten Sinn nicht mehr. Ich würde dagegen den relativ neuen und auch passenderen Begriff der "informellen Selbstbestimmung" stark machen. D.h. Ich entscheide was öffentlich wird und was nicht. Ich entscheide auch, was damit gemacht wird und was nicht. Diesen Punkt halte ich für unabdingbar. Und zwar egal ob ich ihn gegen den Staat oder gegen Facebook in Stellung bringen muss.

Ralf G. am 09.11.2007:

Das Konzept »Privatsphäre« ist »Moden« unterworfen, aber nicht überflüssig. Früher war es undenkbar, mit einer Flasche Bier am Hals über die Straße zu gehen, ohne entrüstetes Echo zu ernten. Heute löst das allenfalls Achselzucken aus. So ist das auch mit dem öffentlichem Privatem im Netz. Daher würde ich eher sagen: Die Grenzen verschieben sich. Aber das Konzept "Privatsphäre" bleibt unverzichtbar, um überhaupt leben zu können. Nicht vergessen: Im Web-2.0 zerren Menschen nur Teilaspekte ins Öffentliche, ebenso mit Payback-Karten (etc.). Aber niemand wünscht sich (außer ein paar Irre mit Webcam auf dem Kopf ;-)), dass alles, was Mensch ausmacht, öffentlich ist. Und dieses freiwillige Öffentlichmachen von Teilen des Privaten ist Moden unterworfen, wie es das schon immer war (siehe Bierflasche). Und es muss unterschieden werden von staatlichem und privatwirtschaftlichem Interesse von Blicken in die Privatsphäre. Davor geschützt zu werden hat auch jemand ein Recht, der eine Paybackkarte oder einen Facebook-Account hat. Darum: Privatsphäre bleibt auch in Zukunft eine Säule individueller Freiheit. Auch in den neuen Räumen des Web-2.0 ist der Gegensatz »Privat vs. Öffentlich« vorhanden, nur in anderen Nuancen, mit erstaunlich weit verschobenen Grenzen. Aber ein radikalerer engerer Grenzverlauf ist nur einen richtig derben Skandal im Web-2.0 weit weg. ;-) Also: Die Unterscheidung privat/öffentlich macht sehr wohl noch Sinn, es muss sie sogar geben, wenn man nicht in einem orwellschen Albtraum enden möchte. Web-2.0-Offenherzigeit ist nur die 21.Jh-Version des öffentlichen Bierflaschentrinkens unserer Eltern oder Großeltern. Und zur Erhaltung der Grenze ist es wichtig, auf die informelle Selbstbestimmung zu pochen. Gegenüber dem Staat. Und gegenüber Unternehmen, auch wenn sie noch so cool und toll 2.0ig rüberkommen. Da gilt es dann auch einmal, sich selbst zu beschränken.

9. November

stasi vorratsdatenspeicherung 9.november

Stasi-Zentrale Normannenstraße

Neulich war ich in Berlin, im "Stasi-Museum just in der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR":http://www.stasimuseum.de/. Wenn man sich dort die Exponate anschaut und sich über die von der Stasi verwendeten Verfahren unterrichten lässt, dann "so etwas":http://www.zeit.de/online/2007/44/Militante-Gruppe-Ueberwachung oder "so etwas":http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/wenn-die-polizei-sortiert/?src=SZ&cHash=760b9c2b30 liest, heute die "Verabschiedung der Vorratsdatenspeicherung zur Kenntnis nimmt":http://www.zeit.de/online/2007/46/datenschutz-kommentar, die nur das jüngste Glied einer Kette von Gesetzesverschärfungen ist (und noch lange nicht das Ende der Kette, da sei Schäuble vor), dann kann man nur zu einem Schluss kommen: Meine lieben uniformierten Freunde im deutschen Staatsdienst hüben wie drüben, Ihr ähnelt Euch mehr als Ihr Euch unterscheidet. Die Verabschiedung der Vorratsdatenspeicherung an genau eben jenem 9. November sagt mehr über die geistige Verfassung unserer Volksvertreter aus als lange Debattenübertragungen in Phoenix. Aber, auch Du, verehrte Zielgruppe, hast sie gewählt…

Nun folgt die "massenhafte Verfassungsbeschwerde, der man sich noch stets anschließen kann":http://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/51/70/. Dazu "gibt es ein Bonmot von unserem Innenminister Schäuble":http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/klage-gegen-vorratsdatenspeicherung/?src=SZ&cHash=faaa498f82, das eine Menge sagt über seinen Respekt gegenüber der Rechtsordnung und den Bedenken derjenigen, in dessen Namen zu handeln er vorgibt:

bq. »Wir hatten den 'größten Feldherrn aller Zeiten', den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten.«

3 Kommentare

Plasma am 10.11.2007:

Womöglich landet mein Beitrag wegen des Links gleich im Schutt, aber ich probiers trotzdem mal: http://www.dingens.org/stasi/ Persönlich würde ich so eine Aufstellung noch durch Quellen belegen, aber selbst wenn nur die Hälfte stimmt sind das auch noch genug Gründe zum spontanten Auswandern. Und was Schäuble angeht .... ohne Worte, ich will hier nichts verunstalten ;-)

René am 10.11.2007:

Lohnt sich ein Besuch des Museums?

Ralf G. am 13.11.2007:

Auf jeden Fall, René, vorher oder nachher auch "hier in der Dauerausstellung in der City":http://www.bstu.bund.de/cln_043/nn_712522/SharedDocs/Ausstellungen/Region-Berlin/bln__stasi__ausstellung.html reinschauen. Wer der allgemeinen medialen Verdummung in den letzten Jahren nicht völlig anheim gefallen war, wird in Grundzügen sowieso wissen, was da ausgestellt ist. Allerdings machen solche »echten Exponate« diese Dinge realer als Literatur das je kann. Und sich das gerade im Hinblick auf die Stasifizierung der Bundesrepublik anzuschauen (Post durchsuchen, Geruchsproben, Abhören, etc.), ist extrem interessant. Man bemerkt Unterschiede, aber auch erstaunlich viele Parallelen.

Panta Rei. Alles fliesst im Web.

web2.0 rails pantarei

Arm aber Sexy - 3

Letztens habe ich was aus uralten Zeiten gesucht. Und dann in meinem alten Blog gefunden. Immer gut, ein paar Kübel mit Daten parat zu haben!

Aber heute sind die Zeiten anders. Man bloggt an verschiedenen Orten, produziert bombastische Inhalte in Web-2.0-Diensten, man schwimmt in einem Strom dezentraler Informationsströme wie eine Amöbe im reißenden Gebirgsbach: Die Form variierend, aber stets der selbe Einzeller. ;-)

Wiederfinden und Einsammeln wäre aber trotzdem nicht schlecht. Drum hat, wer was auf sich hält, einen so genannten »Lifestream« in seinem Blog, so wie "Jeremy Keith":http://adactio.com/extras/stream/. Brauche ich auch!

Dienste wie "Yahoo Pipes":http://pipes.yahoo.com/pipes/ oder "Jaiku":http://www.jaiku.com/ liefern brauchbare Werkzeuge dazu, aber das moralische Gebot, stets das »Eigentum an Produktionsmitteln« anzustreben, erfordert eine eigene Lösung.

Et voilà, ein wenig Rails mit den "FeedTools":http://rubyforge.org/projects/feedtools/, und fertig ist die ultimative »Ralf-im-Web-Total-Seite-mit-Feed«: "Panta Rei":http://www.uninformation.org/pantarei

"Panta Rei":http://www.uninformation.org/pantarei aggregiert allerlei RSS-Feeds von Quellen mit meinen Inhalten. Im Gegensatz zu anderen Lösung, die live APIs oder RSS-Feeds abrufen, habe ich mich zu einer Datenbanklösung entschlossen. Die Feeds werden regelmäßig überprüft und neue Einträge in der Datenbank abgelegt. Dadurch erreicht man mehr Stabilität und gewinnt die Möglichkeit, Tag-Wolken und tag-basierte Aggregierungen von seinem gesamten Web-Output durchführen zu können.

So haben die geneigte Leserin und der geneigte Leser also fortan zwei RSS-Feeds zur Auswahl:

  • "Uninformation.org - Der Blog-Feed.":http://www.uninformation.org/index.xml Wie bisher, ab und an mal ein Eintrag in diesem Weblog.
  • "Panta Rei - Der Total-Feed.":http://www.uninformation.org/pantarei.rss Dieser Feed enthält neben allen Inhalten aus Uninformation.org zusätzlich die dort aufgelisteten gesammelten Werke.

Die Bedingungen sind wie bisher: Alles steht unter einer Creative-Commons-Lizenz, kommerzielle Verwendung (und dazu zähle ich auch öffentliche RSS-Aggregatoren mit Werbung aller Art) ist nicht erlaubt, Zuwiderhandlungen werden mit einer scharfen Axt nach Einbruch der Dämmerung verfolgt…

24C3 - Volldampf voraus!

24c3 berlin ccc

"!/images/24c3-maschinentelegraph.png!":http://events.ccc.de/congress/2007/Main_Page

In den letzten Jahren stets ein Pflichttermin und ein Garant für einen entspannten und anregenden Ausklang »zwischen den Jahren«: "Der Congress":http://events.ccc.de/congress/2007/Main_Page. So früh wie selten ;-) haben die Organisationen, "168 Jahre nach dem Erscheinen des allerersten Fahrplans in Großbritannien":http://events.ccc.de/2007/11/22/publishing-the-timetable-for-the-24th-chaos-communication-congress/, den "Fahrplan für 24C3":http://events.ccc.de/congress/2007/Fahrplan/ veröffentlicht:

bq. »May it be your useful assistant and companion to data travelling. May it wet your appetite for what we believe will be the best Congress ever.«

Wie stets in den letzten Jahren werde ich auch dieses Mal dabei sein. (Un-)Konferenzen hin oder her, der Congress ist etwas ganz besonderes und in seiner Art einzigartig, da sollte man mal gewesen sein, wenn man als digitaler Netzbürger etwas auf sich hält. ;-)

Zur Retrospektive, mein Schriftgut zum Congress der letzten Jahre:

  • "23C3":http://www.uninformation.org/tag/23c3
  • "22C3":http://22c3.konferenzblogger.de/
  • "21C3":http://21c3.konferenzblogger.de/

Kindle — Die Zukunft des Lesens?

kindle drm lesen

!/images/mein-name-ist-ismael.jpg!

Das handliche kleine Gerät voller Wissen und Weisheit, in das Captain Picard hinein starrte und irdische Buch-Klassiker aus einer riesigen digitalen Bibliothek las, in der Hoffnung, aus diesen Ratschlag und Legitimation für sein imperialistisches Handeln zu gewinnen, gilt auch heute noch als Inbegriff Realität gewordener Science-Fiction. Deshalb ist das »digitale Buch« der Heilige Gral der Computertechnik.

Der nächste Versuch dahin: Der "»Kindle«":http://www.amazon.com/dp/B000FI73MA?tag=2020-20&link_code=as3&creativeASIN=B000FI73MA&creative=373489&camp=211189. (Ich hoffe, der Name klingt im Englischen nicht so bescheuert wie auf Deutsch. ;-)) Ein wahrlich nicht sonderliches schönes Lesegerät, das Lesevergnügen ohne das Schleppen schwerer Stapel toter Bäume verspricht. Lesen darf man darauf aber nur Amazons eigene elektronische Bücher. Die Zeiten sind vorbei, in welchem man ein Buch in der Hand hielt und sagen konnte: »Mein Buch«. Mit dem Kindle bekommt man DRM verseuchte E-Books von Amazon zur Verfügung gestellt. Diese darf man lesen. Und das war es auch schon an Rechten, "Mark Pilgrim hat das wunderbar gegenüber gestellt":http://diveintomark.org/archives/2007/11/19/the-future-of-reading. Früher galt, in den Worten von Amazons Jeff Bezos aus dem Jahre 2002 (zit. nach "Pilgrim":http://diveintomark.org/archives/2007/11/19/the-future-of-reading):

bq. When someone buys a book, they are also buying the right to resell that book, to loan it out, or to even give it away if they want. Everyone understands this.

Davon will man im selben Hause 2007 nichts mehr wissen (Amazon, Kindle Terms of Service, zit. nach "Pilgrim":http://diveintomark.org/archives/2007/11/19/the-future-of-reading):

bq. You may not sell, rent, lease, distribute, broadcast, sublicense or otherwise assign any rights to the Digital Content or any portion of it to any third party, and you may not remove any proprietary notices or labels on the Digital Content. In addition, you may not, and you will not encourage, assist or authorize any other person to, bypass, modify, defeat or circumvent security features that protect the Digital Content.

Wie es DRM-Diensten so eigen ist, zeichnet der Kindle-Dienst sämtliche Aktivitäten des Kindle-benutzenden Kunden auf und kann die Nutzung der Bücher durch den Kunden auf Knopfdruck beenden.

Schöne neue Welt. Da gehen sie dahin, die naiven Science-Fiction-Träume. Der Kindle ist nicht nur ein anderes Medium, ein Tausch digitales Gerät vs. tote Bäume. Es ist vielmehr der Versuch eines Wandels des jahrhundertealten Kulturguts Buch hin zu kostenpflichtigen »Content«. Buch lesen und dann verschenken? Nö. Buch lesen und dann in "Bookcrossing":http://www.bookcrossing.com/ aussetzen? Nö. Buch Deiner Freundin zum Lesen auf ihr Gerät geben? Nö.

Echo: "Viel zu naiv technokratisch von Anil Dash":http://www.dashes.com/anil/2007/11/kindle-wonder.html. Ein "Verriss von »Indiskretion«, der das Gerät an den falschen Stellen zerreisst.":http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1592 Und "eine techno-affirmative Hymne von Neunetz, die den kulturellen Wandel durch DRM als eine Randerscheinung des Fortschritts verniedlicht.":http://www.neunetz.com/2007/11/23/die-zukunft-des-lesens/

Die Zukunft des Lesens? So nicht. Der Kindle ist ein dreister Versuch, das gute alte Buch in die abzockende Verwertungskette von DRM–Kontrollfreaks zu ziehen. Und das ausgerechnet von einem Unternehmen, das seine Millionen mit eben jener freien Handelbarkeit des Gutes »Buch« gemacht hat. Die Zeitung wird immer mehr ins Netz wandern. Ich lese auch nur noch digital, weil mir der regelmäßige An- und Abtransport von Papier zu aufwändig ist. Aber ich halte jede Wette, dass auch in 100 Jahren der gute alte »Moby Dick« (Abb. oben) noch auf Papier gelesen wird. Darum wird der Versuch, mit dem Kindle als »iPod des Lesens« einen ähnlichen Paradigmenwechsel auszulösen, zum Scheitern verurteilt sein. Glücklicherweise…

[Nachtrag 25.11.2007] "O'Reilly-Radar":http://radar.oreilly.com/archives/2007/11/kindle_fundamen.html hat ein paar Stimmen, die sich nicht auf orgiastische Technik-Apologetik beschränken sondern mehr in Richtung »Kultur« denken. Aber trotzdem unsinnig sind. So wird zum wiederholten Male das angebliche proprietäre Format von Apple für Musik auf dem iPod als Beweis für die Folgerichtigkeit der Kindle-Lösung angeführt. Nur: Häufiges Wiederholen macht »falsch« nicht »richtig«. Der iPod hat kein proprietäres Format. Es steht jedem iPod-Benutzer frei, Musik aus beliebigen Quellen drauf zu hauen. Und damit stürzen diese Vergleiche ein wie ein Kartenhaus im Durchzug.

[Nachtrag 28.11.2007] "»A Brief Message« setzt den Schlusspunkt":http://abriefmessage.com/2007/11/28/kidd/: »PEOPLE DON’T WANT TO READ BOOKS ON A SCREEN.«

8 Kommentare

marcel weiß am 23.11.2007:

Ich verniedliche DRM? Man kann mir viel unterstellen, aber das ist schon starker Topak. Ich habe lediglich festgestellt, dass bei den großen Verschiebungen, was die Inhaltedistribution angeht, der Firstmover immer auf DRM setzt. Ich halte DRM für Stuß und habe das in der Vergangenheit auch und besonders in Richtung Apple zB oft scharf zum Ausdruck gebracht. Mein Text entstand letzte Nacht, kann also sein, dass die eine oder andere Formulierung etwas unscharf war. Aber: Ich habe auch gesagt, dass DRM sich eben nicht wird halten können (Markt, Angebot, Nachfrage, blahblah). Und ich habe DRM als einen der Hauptnachteile von Kindle bezeichnet. "Der Kindle ist ein dreister Versuch, das gute alte Buch in die abzockende Verwertungskette von DRM–Kontrollfreaks zu ziehen." Wie bei Musik und Ipod. Ich hoffe, dass ein DRM-Reader sich nicht so festsetzt wie es das bei portablen Musikplayern der Fall ist. Übrigens: Romane werden sich länger auf Papier halten. Aber alles andere, Periodika und Sachbücher, das wird in Papierform zurückgehen und digital werden. (Ich hatte es auch bei mir in den Kommentaren gesagt, ich seh das vor einem Zeithorizont von 5+ Jahren) P.S.: Ja, zu sagen, ich würde DRM verniedlichen, trifft mich da wo's wehtut, weil ich ein vehementer Gegner von DRM bin und so einen Vorwurf entschieden zurückweise. :)

Ralf G. am 23.11.2007:

DRM und Verharmlosung: Im Zusammenhang mit dem Kindle meine ich das natürlich nur, nicht generell und überhaupt. ;-) Den DRM-Stunt von Amazon mit "naja, zu Beginn einer technischen Entwicklung haben halt alle DRM" abzutun, wird dem nicht gerecht. Es ist ein Versuchsballon, Bücher als kostenpflichtigen digitalen "Content" hinabzuwürdigen. Und als solches elementarer Teil des Gesamtprojekts, wichtiger als das abscheuliche Design, und nicht ein Randaspekt einer eigentlich faszinierenden Entwicklung. Und der iPod/iTunes-Vergleich hinkt übrigens auf das Allergewaltigste.;-) Auf meinem iPod befindet sich 95% DRM-freie Musik von meinen eigenen CDs. Den iPod kann man benutzen, ohne auch nur einen einzigen Connect mit dem iTunes-Store gemacht zu haben. Wohingegen der Kindle nicht mal meine Fachbuch-PDF-Sammlung anzeigen darf.

marcel weiß am 23.11.2007:

Der Vergleich zwischen dem E-Reader-Markt und dem Musikplayer-Markt sollte keine Verniedlichung für Kindles DRM sein (auch wenn ich jetzt besser nachvollziehen kann, was Du meintest), sondern war lediglich eine Beobachtung sich ähnelnder Marktvorgänge. Besonders dass Amazon hier den selben Weg geht, während es als erste große Company einen DRM-freien MP3-Shop aufzieht, entbehrt ja wohl nicht einer gewissen (nicht verniedlichenden) Ironie. It's like deja vu all over again. Und okay, den DRM-Aspekt habe ich nur am Rande betrachtet. Weil ich vom Gefühl her davon ausgehe, dass das in der zweiten oder spätestens dritten Generation eh offener wird. Bzw. ein Konkurrent mit einem besseren, offeneren Gerät um die Ecke kommt. Hätte man allerdings mehr drauf eingehen sollen. Vielleicht bin ich schon zu doctorowisiert, weil ich davon ausgehe, dass das DRM-Konzept eh keine Zukunft hat. Und man das nicht immer breit ausführen muss, warum und wieso. Muss man aber. Weil die Welt nicht aus Corys besteht. Ich hatte aber auch extra auf den LockIn nochmal hingewiesen, bei den Nachteilen: "LockIn, es ist nicht ein Produkt, sondern ein Amazon-Service, ohne Amazon geht hier (fast) gar nix" Was den Ipodvergleich angeht: Okay. Ich habe selbst keinen, aber meines Wissens nach wird Musik auf den Ipod doch vorher in AAC umgewandelt, oder? Wird das dann nicht auch mit DRM versehen, so dass man die Stücke nicht einfach von da wieder runterladen kann? Du bekommst die DRM-freie Musik zwar drauf, dann ist sie aber nicht mehr DRM-frei. :) Dass Kindle keine einfachen PDFs anzeigen kann, ist allerdings in der Tat ein schlechter Witz.

Ralf G. am 25.11.2007:

Was Du meinst ist der Zune, nicht der iPod. ;-) Der iPod versteht sowohl MP3 als auch AAC. Und letzteres ist nur ein anderer (besser komprimierender) Codec und hat zunächst mit DRM gar nichts zu tun. DRM kommt nur (und nur dann) ins Spiel, wenn man entsprechende Titel im iTunes-Store kauft. Die Software iTunes (nicht der Store!) und der iPod arbeiten dahingehend zusammen, dass iTunes die Musik organisiert und auf den iPod kopiert. Die Notwendigkeit, auf dem iPod auf Dateisystemebene rumzufrickeln, wie das Windows-User mit dem USB-Stick vom Discounter gerne machen, ist damit nicht gegeben. Warum sollte man das auch tun wollen? Wenn die Windows-Schädigungen halt so tief sitzen, dass man dass doch tun möchte, gibt es inofizielle Werkzeuge. Der iPod lebt aber mit der Software iTunes zusammen und macht alleine eigentlich keinen Sinn. Aber mit DRM hat das nichts zu tun, dann wäre jede Musik-Organisations-Software außer »ich schiebe Dateien auf ein gemountetes Laufwerk« DRM. Und nachdem wir das festgestellt haben ;-), bricht auch Deine Argumentation ein wenig zusammen. Der Kindle ist eben nicht, wie der iPod, Innovation mit ein bißchen DRM, die aber später verschwindet, weil der weise Cory das so sagt (als ob das ein Argument wäre). Von wegen »frühe Ausprobierer« und so. Sondern der Kindle ist das Gerät zur DRM. Nicht umgekehrt. Darum verwundern mich auch die Reaktionen auf den (vor allem englischsprachigen) Technik-lastigen Seiten. Manchmal glaube ich, dass im Web ein naiver Technizismus grassiert, nach dem Motto: »Technik + Neu = Gut«.

WortWerker am 25.11.2007:

'tschuldigung, ist das hier eine Privat-Diskussion? Nein? Gut. Zwischenfrage: Wurden eBook-Reader nicht schon im letzten Jahrtausend als "die Zukunft des Lesens" bezeichnet?

Ralf G. am 25.11.2007:

Aber immer doch, Herr WortWerker. ;-) Ja, wurden sie, eben weil sie der Geek-Traum aus der SF sind. Deshalb wird ja auch jeder noch so klägliche Versuch so gnadenlos als »zukunftsträchtig« abgefeiert. Es gibt in dieser Richtung durchaus "technische Entwicklungen":http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronisches_Papier, die interessant sein könnten. Heutzutage kommt halt neben der bezahlten PR auch die freiwillige Hype-Erzeugung der so genannten »Tech-Blogger« dazu, die in ihrer Technikverliebtheit öfter mal den kritischen Geist abschalten. Die hässliche Schleuder voller DRM von Amazon ist es jedenfalls nicht, der große Schritt in die Zukunft zu Capt. Picards Philosophenbibliothek auf dem handlichen Gerät. ;-)

Boris am 25.11.2007:

Eher als die Bücher durch solchen Quatsch wie Buchlese-Computer ersetzt werden, haben wir das papierlose Büro. Viel eher.

Ralf G. am 25.11.2007:

@Marcel: Mäßige Deine Wortwahl, so einen Ton gibt es hier nicht, klick und weg! Die Argumente sind ja nun zur Genüge ausgetauscht, Du kannst und willst nicht unterscheiden, aber das ist ja Dein gutes Recht. @Boris: Das ist ein weiterer Mythos, an den traut sich aber niemand mehr ran, weil das Scheitern zu offensichtlich ist.