März 2007

Böse! Raub! Terror! Alles!

ard hr internet

Gestern, nach Harald Schmidt und Polylux, blieb ich bei einer Reportage des Hessischen Rundfunks hängen. Der Einstieg: Bilder der Attentate von London und Madrid sowie des angeblichen Kofferbombenattentats in Deutschland und der Sprecher raunt aus dem Off, mit einem triumphierenden Timbre in der Stimme (aus dem Gedächtnis sinngemäß zitiert): »Na, was haben die Burschen gemacht? Genau, Sie haben sich im Internet verabredet und alles geplant!« Und damit war die Marschroute abgesteckt für die krude Reportage mit dem Titel »Betrüger, Erpresser, Terroristen. Die unheimlichen Herrscher des Internet.«.

Wer das verpasst hat und mal die häufig zu hörende These, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender in Machart und fachlichem Niveau längst dem Unterschichtenfernsehen angeglichen haben, bestätigt sehen möchte, kann sich den Film als Video auf der Website des HR anschauen.

Die Thesen waren: Überall sind Kriminelle, Milliardenschäden allüberall, lauter ahnungslose PC-Benutzer, und, na klar, gefährlicher Terror aus, im und mit dem Internet. Immerhin haben die Kollegen des HR sich dieses Mal die sich nach einem Angriff aus dem Internet öffnenden Tore der Stauseeen verkniffen und »lediglich« über abstürzende Flugzeuge geunkt…

Um den skeptischen Zuschauer zu überzeugen, bedarf es natürlich der »Kronzeugen vom Fach«, ohne die keine Reportage dieser Art auskommen kann. Einer war der notorische D.K. Matai, Gründer von Mi2G und als solcher von Beruf Panikmacher. In der noch kurzen Geschichte des Internets sorgte Mr. Matai bspw. 1999, 2002 und 2004 mit apokalyptischen Prophezeiungen über bevorstehende (und dann ausgebliebene) Cyberterrorismus-Katastrophen für Furore und, vor allem, für Zweifel an seiner eigenen Firma, Person und Methodik.

Was man dem Film vorwerfen muss: Er warf real existierende Probleme wie die Botnetze aus gekaperten Virenschleudern, Internet-Kriminalität und die tatsächliche oder hypothetische Bedrohung durch Terror in einen Topf und kochte daraus eine große Suppe des nebulösen Bösen, den »unheimlichen Herrschern«, im Netz. Diese Suppe wurde aber nicht in ihre Bestandteile zerlegt und nüchtern analysiert, sondern zusätzlich in einen großen goldenen Trog der mythischen Bedrohung gekippt, womit diese die Dimension einer religiös offenbarten Apokalypse gigantischen Ausmasses annimmt. Dem verschreckten Zuschauer, dem das Wissen fehlt, um das einordnen zu können, bleibt nur noch ein Stossgebet: Schäuble, hilf uns! Deshalb durfte selbiger natürlich auch zu Wort kommen. Er sagte das Übliche…

Wer diesen Film für bare Münze nimmt, für den liegt die Lösung für alles eigentlich auf der Hand: Windows muss verboten werden, damit verschwinden die Botnetze und Viren, und damit die Bedrohung vor Kriminalität, Online- und Offline-Terror…

Für diesen Film wollen die Macher lt. eigener Aussage ein Jahr recherchiert haben. Etwas weniger Recherche bei zweifelhaften Kronzeugen und eine deutlich stärker ausgeprägte analytische Trennschärfe hätten dem Werk deutlich besser zu Gesicht gestanden…

Das Fernsehen in unserem Büro

deutschewelle tv oliverg

Oliver Gassner war wieder für das Fernsehen im Einsatz, als »Hero Protagonist« in Sachen Second Life. Da die Dreharbeiten aus Gründen übergeordneter Administration, Koordination und Lokation in Karlsruhe stattfinden mussten, wurde ein Home-Office in Karlsruhe benötigt. Na, und wessen Büro musste dran glauben? Genau! ;-)

Nach einer hektischen Jagd auf Staubmäuse und dem Verstecken von Bücher- und Zeitschriftenstapeln wurde der Hero Protagonist an den Schreibtisch von TheGirl gesetzt und spielte ’ne Runde Second Life, während das Team der Deutschen Welle ihn mit der Kamera beobachtete. Das Endergebnis ist heute (Freitag, 2.3.07) diverse Male im TV-Programm der Deutschen Welle zu bewundern (Zeitplan), es gibt neben der Ausstrahlung per Satellit auch einen Livestream im Web.

Was lernen wir daraus? Glaubt nix im TV (lehrt uns nicht nur dieser Beitrag), der Hero Protagonist sitzt gar nicht in seinem Second-Life-Stüblein, sondern spielt das nur. So ist TheGirls aufgeräumter Schreibtisch nun weltweit zu sehen. Internet macht’s möglich, was sind das für Zeiten! 15 Minuten Ruhm sogar für Möbelstücke! ;-)

Update: Und so sah das Ganze dann im fertigen Werk aus:

Wir leben noch

fußball borussia mönchengladbach

Wird alles gut? Die Borussia macht die Schlagzeilen in letzter Zeit lieber außerhalb des Rasens, zur Abwechslung gab es mal neues Personal. Und dann das: Ausgerechnet (oder gerade dann?), wenn ich mich auf in den Nordpark mache, gibt es drei Punkte gegen eine schwache Hertha. Wer in Gladbach nicht gewinnt, ist automatisch schwach! ;-) Die plumpsenden Steine muss man in ganz Deutschland gehört haben. Wir haben noch einmal mit einer Hand aus dem Sarg gewunken…

Das war Teil 1 der Aufholjagd, nach der Vorstellung vom Samstag darf man noch Hoffnung haben. Aber nun muss gepunktet werden, am besten gleich wieder am Sonntag in Leverkusen. Vielleicht dürfen wir Träger der Raute uns dann nach dem letzten Spieltag zurück lehnen und entspannt sagen: Tja, mein Freund ist aus Leder.

Heute Web-Montag in Karlsruhe

webmontag karlsruhe webmontag060312

Bekanntlich war Karlsruhe ja einst die offizielle Internet-Hauptstadt. ;-) Kein Wunder, so als Hauptsitz diverser Web-1.0-Giganten. Aber in Sachen 2.0 lief noch nicht viel, der Web-Montag in Karlsruhe schlief nach vielversprechendem Auftakt wieder ein. Nach dem letzten Web-Montag im kleinen Rahmen wurde beschlossen, dass sich das ändern muss. Wir brauchen eine gewisse Regelmäßigkeit, damit das wieder etwas wird.

Der ersten Schritt auf den langen Weg zurück zu badischen Web-Montags-Ruhm gibt es heute, Montag, den 12.3.07. Erstmals an einem neuen Ort, dem Casa Noctis. Alle Infos sind natürlich im Wiki zu finden.

Es sind dieses Mal auch wieder einige Vorträge angekündigt. U.a., was mich besonders interessiert, möchte Johannes etwas über »Coworking« erzählen. Darüber hatte Johannes auch schon einmal gebloggt. Es geht dabei im Grunde um das Problem, dass der Webworker in der digitalen Bohème nicht immer nur im Schlafanzug ;-) am heimischen Schreibtisch hocken, sondern zwecks Anreicherung des Arbeitsalltags um neue Eindrücke aller Art auch einmal die vier Wände verlassen möchte. Und für einen angemessenen Ort nicht unbedingt nach Berlin düsen möchte.

Es verspricht also interessant zu werden, daher: Auf zum Web-Montag nach Karlsruhe!

Mainstream = Kaputt

twitter web2.0

Twitter ist jetzt »voll Mainstream«.

Denn:

Gut, dass ich trotz meines hohen Alters schon Twitter kannte, als es nur in kleinen finnischen Klubs gespielt wurde… ;-)

Ross Mayfield problematisiert auch ein wenig dazu. Johannes hat sich die deutschen Reaktionen angeschaut und kommt zu dem treffenden Schluss (Zitat):

»Was mir an der „deutschen Sicht“ auf Twitter mal wieder auffällt, ist unsere komplette Unfähigkeit zu spielen. Wir hören von Twitter, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen ob des Verlustes unsrer Privatsphäre und fragen als nächstes, wie sich damit den bitte schön Geld verdienen lassen sollte.«

Geek-Events: Termine, Termine

barcamp webmontag republica

Bekanntlich sind all’ diese Geeks, die so tagaus tagein im Internet herum machen, sozial isolierte Psychopathen, die aus lauter Frust ihre Zeit als vollbusiger Avatar in SecondLife verbringen. ;-) Aber einige von denen trauen sich manchmal sogar ans Tageslicht. Aber nur, wenn es WiFi gibt. Darum häufen sich in den nächsten frühlingsgeprägten Wochen die interessanten Geek-Events.

Nach dem letzten Web-Montag in Karlsruhe, der interessante Themen und Gespräche bot und die Hoffnung erwärmte, dass der Web-Montag in Karlsruhe wiederbelebt und zu einer regelmäßigen Veranstaltung werden kann, steht am 2. April der nächste Web-Montag in Frankfurt, mein ehemaliger »Stamm-Web-Montag«, auf dem Programm. Die »üblichen Verdächtigen« stehen schon auf der Teilnehmerliste. Wenn nichts dazwischen kommt, werden wir uns wohl auch auf den Weg gen Frankfurt machen.

So ein Barcamp ist bekanntlich ein »Web-Montag – Extended Edition«. Das erste Barcamp in Frankfurt befindet sich derzeit in der heißen Planungsphase. Derzeit wird ein Termin gesucht, man kann sich noch bei Robert an der Terminabstimmung beteiligen.

Und dann ist da natürlich die re:publica. Nachdem zunächst die merkwürdige Geschichte mit dem Brieföffner für Kopfschütteln sorgte, steht nun erfreulicherweise zunehmend die Sache selbst im Mittelpunkt. Mittlerweile gewinnt auch das Programm an Kontur. Darin fehlt mir derzeit noch der »letzte Kick«, aber das kann ja noch werden, wenn nicht im offiziellen Teil, dann im infoffiziellen. Anmelden kann man sich inzwischen übrigens auch.

Feige Schlapphüte

verfassungsschutz ccc bundestrojaner

»Beim diesjährigen Versuch des Chaos Computer Club (CCC), dem Landesamt für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen ein symbolisches Trojanisches Pferd zu überreichen, stießen die verblüfften Chaoten auf einen leeren Stand. Das zuvor über den Besuch informierte Standpersonal des Verfassungsschutzes hatte offenbar mitsamt allen Plakaten und Broschüren die Flucht ergriffen. Zurück blieb nur ein ausgeschalteter Fernseher. […] Der Bundestrojaner ist durch das heimliche und dauerhafte Ausspionieren zum Symbol für den Kontroll- und Überwachungsstaat geworden. Dass der Verfassungsschutz nicht einmal bereit war, den Negativpreis des CCC entgegen zu nehmen, zeigt deutlich, dass der Verfassungsschutz und das Innenministerium keine Bereitschaft an den Tag legen, den umstrittenen Einsatz des Bundestrojaners öffentlich zu diskutieren.«

CCC: »Verantwortung für den Bundestrojaner abgelehnt«

So kennt man unsere Schlapphüte. Übrigens halte ich die gute alte Forderung nach Abschaffung des Verfassungsschutz nach wie vor für sehr aktuell. Davon hört man heutzutage in den Zeiten der Terrorhysterie leider nicht mehr sehr viel. Terror hin, Terror her, ein nach innen operierender Geheimdienst ist für einen demokratischen Staat ganzheitlich unangemessen.

Twittern aus TextMate

twitter textmate mac

Twitter ist das heiße Ding, keine Frage, sogar Hr. Kottke twittert neuerdings. Damit es, insbesondere in Umgebungen mit abhängigen Beschäftigungsverhältnissen, nicht so auffällt, dass man twittert statt zu arbeiten, kann man nun aus unser aller Lieblingseditor TextMate heraus twittern.

Und das geht so:

  • Man sauge sich das Twitter-Bundle aus dem Netz.
  • Man editiere das Kommando »Twitter / Update Status« im Bundle-Editor und setze dort seine Benutzer-Passwort-Kombination ein.
  • Man vergebe bei der Gelegenheit ein neues Tastaturkürzel, das voreingestellte Apfel-T wird in TextMate anderweitig sinnvoll benötigt.
  • Man schließe den Bundle-Editor, schreibe etwas in ein Editor-Fenster und markiere es.
  • Man betätige sein eben eingestelltes Tastaturkürzel, warte einen Moment und freue sich, dass man gerade getwittert hat! ;-)

Das Bundle benötigt den PHP-Interpreter auf dem Mac. Der ist aber vorhanden, wenn man den Apachen bzw., in Apple-Sprache, das »Personal Websharing«, installiert hat.

(Via TUAW)