Twitter hat Geburtstag, oder: Bleib wie Du bist, altes 140-Zeichen-Haus!

Unser aller Lieblings-Webzwo-Dienst Twitter feiert am heutigen 21.3.2016 seinen 10. Geburtstag:

Den Video-Tweet fand ich beim Herrn Assbach, der auch einen schönen Screenshot aus der Anfangszeit von Twitter hat. Twitter hieß im März 2007 noch zeitgenössisch-zwei-nullig korrekt »Twttr«…

Wie die Zeit vergeht! Ich bin ja schon seit Januar 2007 bei Twitter dabei und habe noch eine sechsstellige User-ID. Viele »Web Zwo«-Angebote und »Social-Network-Versuche« (Pownce, ADN, Ello – Leichen pflastern unseren Weg…) kamen und gingen im Laufe der Jahre, bei Twitter bin ich geblieben.

Dabei habe ich damals eigentlich nur etwas Interessantes und Originelles (einen »Brüllr« eben) in der Flut der vielen Kopien von Kopien von Web-Zwo-Diensten gesucht und war mir völlig im Unklaren darüber, wofür dieses Twitter überhaupt gut sein soll:

»Nun bin ich also drin. In Twitter. Wieso heisst das eigentlich nicht Twittr? Und wozu ist das eigentlich gut? Sagt es mir, ich kann es nicht erkennen.«

So kann man sich täuschen. Ich mag die Atmosphäre meiner Timeline, diese genau richtige Mischung aus Nähe und Distanz mit ebendieser. Und den Zwang, sich auf 140 Zeichen zu beschränken, der für so manchen Zeitgenossen überaus heilsam ist. Hashtags bilden »Ad-Hoc-Gemeinschaften« für ein bestimmtes Interesse und schnelle Informationsquellen aus allen möglichen Richtungen. Und es formieren sich Gemeinschaften Gleichgesinnter. Wenn ich z.B. im Stadion bin, treffe ich laufend Leute, die ich nur durch Twitter kenne. Schon eine gute Sache, dieses Twitter.

Schön war auch die innovative Atmosphäre der Twitter-Anfangszeit. Dinge wie Hashtags und die Idee, in den Tweets Bilder zu verlinken (Twitpic!) – alles das entstand praktisch erst durch findige Entwickler(innen) während der Nutzung der Plattform. Umso schäbiger wie Twitter, als es größer wurde, die Entwickler von Third-Party-Tools behandelte.

In letzter Zeit dräuten bei Twitter immer wieder komische Entwicklungen (angebliche Auflösung des 140-Zeichen-Limits, Abkehr von der chronologischen Timeline, etc.), die bis jetzt zum Glück größtenteils ausblieben. Twitter sollte so bleiben wie es ist und sich genau überlegen, ob es eine Art Facebook werden will. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach liegt Twitters Erfolg daran, dass es eben nicht so ist, sondern ganz eigen. Und wenn es nicht für jede(n) ist, ist das auch okay. Es muß nicht alles für jede(n) sein. Was die »jungen Leute«(TM) an diesen »Youtubern« finden oder auf »Snapchat« treiben, verstehe ich auch nicht. Das ist halt deren Ding, Twitter ist unser Ding. Und weder für deren noch für unser Ding gibt es eine Notwendigkeit, das Ding so umzubauen, dass es ganz selbstverständlich für alle und jeden ist…

In diesem Sinne: Glückwunsch und weiter so, Twitter!

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Die Zukunft

Entschuldigen Sie, verehrte Leserinnen und Leser, dass ich Sie mit Facebook-Embeds behellige und just, während Sie diesen Artikel lesen, Ihre IP-Adresse bereits im »Unsafe Harbour« der Daten jenseits des Atlantiks vor Anker gegangen ist.

Aber dieses schon nach einer Woche ikonische Foto muss in diesem kleinen Blog abgelegt werden. Denn es zeigt die Zukunft. Ihre Zukunft. Denn Sie werden mit ziemlicher Sicherheit nicht zu den Siegern gehören, die nicht die Datenbrille und die Uniform tragen müssen und im T-Shirt (und selbstverständlich ohne Datenbrille) grinsend an der »Armee der Verlierer« vorbei laufen…

Mehr bei Breitband: »Mark Zuckerberg und die Brillen, die er rief«

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Das Letzte seiner Art, oder: Textpattern-Artikel in Jekyll importieren

Gestern war es soweit: Ich habe mein letztes Textpattern abgeschaltet. Das erste Blog »das Netzbuch« moderte in seinem guten alten Textpattern noch fröhlich auf dem Server herum, nach all den Jahren noch stets eifrig besucht von Bots und Google-Kundschaft, ca. 300 bis 400 Visits/Tag. Was schon erstaunlich ist, wer einmal in der Maschine steckt bleibt für immer drin…

Im Rahmen einer »Weblog-Archiv-Konsolidierung« wurde alles Erhaltenswerte in Textile-Dateien konvertiert (dazu mehr hinter dem »Weiter«) und mit Jekyll in statisches HTML umgewandelt, damit man sich nicht wg. eines 10 Jahre alten Blogs ständig um Updates des CMS kümmern muss.

Nun kann das ganze gebloggte Geseier aus 14 Jahren fröhlich, ohne Angst vor dem ge0wned-werden, auf dem Server herummodern. Die gesamte Blog-Historie dieses kleinen Blogs, das erst »das Netzbuch« (von 2002 bis 2006), dann »uninformation.org« (2006 bis 2009) und seit 2010 »der Uninformat« heisst, ist nun im Archiv zugänglich.

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Jekyll 3.0

Dieses kleine Selten-Blog und das kleine Fußball-Blog nebenan laufen nun beide mit der kürzlich freigegebenen neuen Version Jekyll 3.0.

Sonderlich überzeugt vom Weg, den Jekyll geht, bin ich nicht. Diese Tendenz, alle möglichen Funktionen in Gems auszulagern (wie die Paginierung, meines Erachtens eine Blog-Kernfunktion) ist IMHO nicht der richtige. Das erhöht nur die Komplexität. Der Reiz war, einfach gem install jekyll einzutippen und dann loszubloggen.

Wenn der Entwicklungsweg, den der nahe Verwandte Octopress gehen möchte, für die Entwicklungs-Kultur rund um Jekyll repräsentativ ist, soll »mach ein Gem draus« wohl der empfohlene Weg zur Erweiterung werden.

Aber warum? Bspw. hat das Plugin, das mein Archiv erstellt, ohne Kommentare und Leerzeilen ca. 40 Zeilen Code. Warum soll ich daraus ein Gem machen, statt einfach eine Datei in _plugins zu werfen?

Der als Milestone gefeierte »Incremental Build« funktioniert nicht korrekt, und bringt auch keinen nennenswerten Geschwindigkeitsvorteil. Fairerweise muss man anmerken, dass dieser auch noch »beta« ist.

Und dann soll jetzt alles in »Collections« rein, damit man nicht nur Blog-Posts, sondern Datenstrukturen aller Art irgendwie in statische Seiten umwandeln kann. Das kann ganz praktisch sein (z.B. wird im Fußball-Blog meine Grounds-Karte so erzeugt), aber sollte nicht der Hauptanwendungsfall sein.

Auch die Blog-Posts wurden mit 3.0 nun in Collections umgewandelt. Das ist der breite Weg weg von dem, was Jekyll eigentlich ist – ein kleines Tool, um ein Bündel Markdown-Dateien in ein statisch gerendertes Blog zu verwandeln – in Richtung eines »kannste alles mit machen, Digga«-Tool. Was dann leicht zum Wordpress-Holzweg werden kann…

Das ist wohl eine beklagenswerte Tendenz, dass alle erfolgreichen kleinen Tools irgendwann zu viel werden wollen und sich dann unnötig aufblasen. Man darf gespannt sein, was daraus noch werden wird und ob man irgendwann dann zu einem anderen kleinen Tool wechseln muss, bei dem dieser Zyklus dann wieder von vorne beginnt…

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Eingezäunt.

Nico Brünjes in »Schnelles mobiles, eingezäuntes Internetdings…« über die neuen mobilen »walled gardens« der Journaille im Internetz:

»Und da kommt nun Apple mit seiner Message: wir machen das werbefinanzierte Web platt, wie wir die Musikindustrie platt gemacht haben, um es danach zu retten, zu unseren Bedingungen versteht sich. […] Aber was mich gleichzeitig freut und schmerzt ist dieses: Keiner macht dort irgendetwas, was nicht jeder Websitebetreiber selbst hätte machen können, mit Webstandards und der minimalistischen Anwendung der heiligen Dreifaltigkeit der Webentwicklung: HTML, CSS und Javascript.«

So sieht es aus. Die Strafe für jahrelanges Fehl-Entwickeln.

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Vernünftige Lösung.

Drüben bei wirres.net geht es um die Abgründe der Online-Werbe-Branche: »was mich jedenfalls erstaunt, ist die aggressivität mit der die werbeanbieter vorgehen — aber auch die anbieter von werbeblockern. am ende verlieren alle, weil, vor lauter rumgockelei, niemand interesse an konstruktiven, vernünftigen lösungen hat.« Ich denke bei der Branche ist Hopfen und Malz verloren, die »konstruktive und vernünftige Lösung« sieht bei mir so aus: Glimmerblocker und Ghostery.

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Snowden Day 2

Edward Snowden eyes DDC_8317

(Bild: »Edward Snowden eyes DDC_8317« von thierry ehrmann. Thanks!)

Und so geht die Zeit ins Land und wir »feiern« »Zwei Jahre Snowden«. Wie Ben treffend schreibt:

»Und derweil müssen wir uns mit der Einsicht anfreunden, dass unsere Regierung keinen Deut demokratischer agiert, als die von Peking oder Pjöngjang. Allein der Wohlstand, der weite Teile der Bevölkerung fett und sowas in der Richtung von zufrieden macht, trennt uns von einer x-beliebigen Bananen-Republik.«

Das muss man schon anerkennen, unser Regime hat das mit »Brot & Spiele« wirklich drauf. Der überwiegenden Mehrheit geht es ökonomisch gut, hat nichts zu verbergen, ist gut unterhalten und unter Freiheit versteht sie »preiswertes Benzin« und »freie Fahrt auf der Autobahn«. Alle vier Jahre freut man sich auf das »Zettel falten« und twittert dann »#waehlenGehen« weil man so stolz ist auf seine Demokratie.

Deshalb kann ich Bens Erwartung an eine Aufklärung durch Snowden, die noch vor uns liegt, nicht folgen, ich sehe das eher wie diese(r) Kommentator_in bei Slashdot in der Antwort auf die Frage »What Will It Take To End Mass Surveillance?«:

»An all out revolt is probably the only way this will change at this point.«

Ich nehme mich von all dem selbstverständlich nicht aus, selbstverständlich ist z.B. meine Leidenschaft für Profisport mit dem runden Leder hochgradig mitwirkend in Sachen »Brot & Spiele«. Aber wenn Ihr Euch schon nicht zusammen rottet und die, die fortgesetzt unsere Freiheit schänden, verjagt so macht es wenigstens wie ich und macht etwas und werdet z.B. »Fördermitglied bei der Digitalen Gesellschaft«.

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re:publica 15: Suche Europa, verliere den Faden

re:publica - tag 1

Es war wieder einmal soweit: Nach 2007, 2008, 2009, 2010, 2011 und 2013 ging es bereits zum 7. Mal gen Berlin zur re:publica. Sie stand unter dem Motto »finding europe«. Es hat sich mir allerdings nicht erschlossen was das Motto eigentlich bedeuten soll und inwiefern sich das irgendwo niedergeschlagen hat. Ich habe sowieso bei solchen Veranstaltungen stets den Verdacht, dass das Motto nur ein »Brocken« ist welcher der Journaille hingeworfen wird. Auf dass sie sich daran abarbeiten möge…

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Peak Apple! Oder: Wer will schon nach Yosemite?

Desktop Apr. 2015 - Yosemite

Ich bin nun schon einige Jahre auf OSX unterwegs (man beachte den spaßig-naiven Tonfall des Bloggens anno 2003, so war das damals!). Neuerdings nun also auf OSX Yosemite. Fazit: Ich bin noch nie so unzufrieden mit einer OSX-Version gewesen.

Aber wir wollen ja nicht nur motzen (denn wer mit der schönen neuen Apple-Konsumenten-Welt unzufrieden ist kann ja nur ein »Hater« sein), darum zeigt der Rest des Artikels wie ich das »schon« 4 Jahre alte MBP mit frischer Hardware für Yosemite ein wenig aufgerüstet und wieder lauffähig bekomen habe.

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